Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Brandenburg/Havel Fleisch aus der Abfalltonne: Schulmitarbeiterin verliert ihren Job, geht aber mit Abfindung
Lokales Brandenburg/Havel Fleisch aus der Abfalltonne: Schulmitarbeiterin verliert ihren Job, geht aber mit Abfindung
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:37 23.05.2018
Ein alltäglicher Anblick. Schüler essen gemeinsam zu  Mittag in der Schule. Dieses Archivfoto entstand nicht in der Busch-Schule.
Ein alltäglicher Anblick. Schüler essen gemeinsam zu Mittag in der Schule. Dieses Archivfoto entstand nicht in der Busch-Schule. Quelle: Franziska Kaufmann
Anzeige
Brandenburg/H

Ob Brandenburger Grundschüler an einem Tag kurz vor den Winterferien Essen aus der Abfalltonne bekommen haben oder nicht, bleibt nach dem Prozess vor dem Arbeitsgericht in Brandenburg/Havel ungeklärt. Das Catering-Unternehmen und die beschuldigte Arbeitnehmerin schließen vor der 2. Kammer einen Vergleich, der eine weitere Sachaufklärung unnötig macht.

Am 28. März berichtet die MAZ über den Fall der etwa 50 Jahre alten Brandenburgerin, die seit ungefähr 15 Jahren in der Essensausgabe der Wilhelm-Busch-Schule auf dem Görden beschäftigt ist.

Vor etwa zehn Jahren hat die Firma Top Catering den Zuschlag für die Essensversorgung in öffentlichen Grund-, Sonder- und weiterführenden Schulen in Brandenburg/Havel erhalten. Seither ist dieses Unternehmen der Arbeitgeber der Frau, die für gut 600 Euro im Monat Mittagessen in der Busch-Schule austeilt.

Kollegin beobachtet den Griff in die Speckitonne

Ihre Tätigkeit endet jedoch abrupt kurz vor den vergangenen Winterferien. Eine Kollegin will beobachtet haben, wie die Mitarbeiterin die „Speckitonne“ öffnet, Fleisch herausholt und Schülern gibt, die eigentlich etwas zu spät zum Mittagessen kommen. So gut wie alles ist bereits abgeräumt.

Die besagte Kollegin ist angewidert von dem, was sie mutmaßlich sieht und unterrichtet ihre Vorgesetzte. Die wiederum setzt den Geschäftsführer des Unternehmens in Kenntnis, der daraufhin die fristlose Kündigung ausspricht. Die langjährige, nun gekündigte Mitarbeiterin bestreitet den Vorwurf und reicht Klage im Arbeitsgericht Brandenburg ein. Sie sei auf diese Stelle angewiesen, etwas Neues für sich zu finden, hält die Essen-Ausgeberin für sehr schwierig.

Ende März scheitert der Versuch, vor Gericht eine gütliche Einigung zu finden. Beide Seiten bleiben bei ihren Standpunkten, so dass am Dienstag die zuständige Arbeitsgerichtskammer tagt. Dort wird deutlich, dass die Kollegin als Zeugin gehört werden müsste, um das Geschehen aufzuhellen.

„Eine Zeugenvernehmung ist immer eine Wundertüte“

Beide Seiten wollen darauf lieber verzichten. Denn klar ist, dass die Aussage wahrscheinlich entscheidend sein würde für die spätere Entscheidung des Gerichts. „Eine Zeugenvernehmung ist immer eine Wundertüte“, sagt der Rechtsanwalt des Arbeitgebers.

Er spielt damit auf das Prozessrisiko sowohl für die Klägerin als auch für die beklagte Firma an.

Die Prozessbeteiligten überlegen in seiner Sitzungspause, ob und wie man sich vielleicht doch noch verständigen kann. Der Arbeitgeber möchte an der Entlassung festhalten, kommt seiner langjährigen Beschäftigten aber entgegen.

2500 Euro Abfindung und Freistellung bis Ende Juni

Die Kündigung wird nicht fristlos ausgesprochen, sondern „ordentlich aus betrieblichen Gründen“. Das Arbeitsverhältnis endet nicht schon im Januar oder Februar, sondern erst zum 30. Juni 2018, besteht also bis dahin fort und wird entlohnt.

Von der Arbeit wird die Arbeitnehmerin bis zum Vertragsende freigestellt. Weil sie ihren Arbeitsplatz verliert, erhält sie zudem als Ausgleich eine Abfindung in Höhe von 2500 Euro. Die Firma sagt zu, ihr ein positives Zeugnis auszustellen.

Von Jürgen Lauterbach

26.05.2018
23.05.2018
Brandenburg/Havel Brandenburg an der Havel - Einseitige Integration
23.05.2018