Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Brandenburg/Havel Flüchtlinge im Handwerk: Erste kommen gut an
Lokales Brandenburg/Havel Flüchtlinge im Handwerk: Erste kommen gut an
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:03 19.01.2017
Monika Nowotny, Friseurmeisterin aus Brandenburg an der Havel, mit ihrem künftigen Lehrling Saber Hajo aus Syrien. Quelle: Marion von Imhoff
Götz

Mit einem teils ernüchtertem, teils aber auch positivem Blick zieht der Präsident der Handwerkskammer Potsdam, Robert Wüst, ein erstes Fazit zur Integration von Flüchtlingen in Betrieben. „Die Euphorie ist abgeflaut“, sagt Wüst am Donnerstag auf der Pressekonferenz der Handwerkskammer im Zentrum für Gewerbeförderung (ZfG) in Götz.

Im ZfG haben im vorigen Jahr 90 Flüchtlinge, darunter eine Frau, sechswöchige Kurse zur Kompetenzdiagnostik durchlaufen. Sie hatten die Möglichkeit, im Maler-, Tischler- und Elektrohandwerk und im Metallbau Erfahrungen zu zeigen und zu sammeln. „Flüchtlinge sind nicht die Lösung des Fachkräftemangels, sondern eine Stütze. Wir suchen weiter händeringend nach Fachkräften“, betonte Wüst. 500 Lehrstellen seien in Westbrandenburg unbesetzt. Höchstes langfristig über mehr als fünf Jahre gesehen sei es denkbar, dass die in Deutschland Zuflucht suchenden Menschen Fachkräfteniveau erreichen würden. Zugleich forderte Wüst die Ausweitung von Sprachkursen.

Steffen Sgraja (l.) und Dennis Krämer von der Hell-Gebäudetechnik GmbH aus Schenkenberg mit Shadi Alabd Alrahim (Mitte). Er wird bei ihnen als Lehrling im Sommer anfangen. Quelle: Marion von Imhoff

Dies sei das Fundament für die berufliche Integration. „Eine große Zahl von Betrieben hat die Bereitschaft, Flüchtlinge in Praktika aufzunehmen.“ Bei einer Umfrage bei 6000 Handwerksfirmen im Kammerbezirk Potsdam antworteten 600. Von ihnen hatten 60 schon Erfahrungen mit Geflüchteten gesammelt. Wüst plädierte dafür, dass die Menschen ein Bleiberecht erhalten müssten für die dreijährige Ausbildung und anschließend weitere zwei Jahre. Dass ein Kameruner Lehrling der Götzer Bäckerei Fischer abgeschoben werden sollte, habe negative Auswirkungen auf die Bereitschaft anderer Betriebe, Flüchtlinge als Praktikanten oder gar Lehrlinge aufzunehmen. Letztlich intervenierte das Wirtschaftsministerium, wodurch der Bäckerlehrling bleiben durfte.

Ramona Schröder, Vorsitzend der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit in Potsdam, betont die Bedeutung von Spracherwerb, Kompetenzanalyse und Schnupperkursen in Betrieben für die berufliche Integration der Flüchtlinge. Die Handwerksbetriebe seien daran sehr interessiert, sagt Schröder. Quelle: Marion von Imhoff

„1500 Maßnahmen sind 2016 speziell für Flüchtlinge gelaufen“, sagte Ramona Schröder, Leiterin der Arbeitsagentur Potsdam. 4200 arbeitssuchende Flüchtlinge sind im Agenturbereich gemeldet, davon seien 1100 als arbeitslos registriert. Viele von ihnen absolvierten derzeit mehrmonatige Integrationskurse des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge.

Zahlen und Fakten

Die Handwerkskammer Potsdam und Arbeitsagentur Potsdam kooperieren bei der Qualifizierung der Flüchtlinge. Bei einer Blitzumfrage sagten 300 Betriebe, sie wünschten sich dazu mehr Informationen. Die Kammer stellt deswegen einen zweiten Flüchtlingslotsen ein. 70 Betriebe ließen sich beraten. Im Kammerbezirk gibt es 140 registrierte Ausbildungs- und Praktikumsverträge mit Ausländer.

Tilo Jänsch, Geschäftsführer des Zentrums für Gewerbeförderung in Götz, verweist auf die hohe Motivation der 90 Flüchtlinge, die dort Kurse durchliefen. Von ihnen ist jeder zweite in weiteren Schulungen, in Praktikum, Ausbildung oder Arbeit. Konflikte unter den Flüchtlingen habe es nie gegeben.

Von den 90 Teilnehmern der ZfG-Kurse sind 45 Männer in Weiterbildungsmaßnahmen oder Einstiegsqualifizierungen. „Das ist ein sehr großer Erfolg“, so Schröder. Zwischen neun und 23 Monaten dauert es, um die Integration in Firmen hinzubekommen. Andere Stellen sprechen von weitaus längeren Zeiten.

Der Butzower Handwerker Thomas Mohr hat dem jungen Syrer Alaa Al Seleh bereits die Einstellung zugesagt als Treppenmonteur. Quelle: Marion von Imhoff

Für das nächste Jahr kündigte Schröder das Ziel an, mehr Frauen Mut zur Teilnahme an einem beruflichen Kurs zu machen. Einige der 2016 nach Brandenburg geflüchteten Menschen werden schon im Herbst Ausbildungen beginnen können. „Spannend wird 2018“, so Schröder. Dann hätten viele Flüchtlinge den Integrationskurs absolviert. Von Oberstufenzentren mit Flüchtlingsklassen kamen bisher 60 Schüler, davon drei Mädchen, zu zweiwöchigen Berufsorientierungskurse zum ZfG. 42 wollen im Handwerk lernen.

Thomas Mohr, Treppenbauer aus Butzow mit einem Vier-Mann-Betrieb, wurde vom Flüchtlingslotsen der Handwerkskammer der Kontakt zu Alaa Al Salhi aus Syrien vermittelt. Der 26-Jährige wurde Praktikant. Mohr verspricht: „Er wird angestellt als vollwertiger Monteur.“ Zuvor müsse der Syrer den Sprach- und Integrationskurs beenden.

Vom Praktikanten zum Lehrling im Friseursalon

Von Shadi Alabd Alrahim sind die Mitarbeiter der Hell-Gebäudetechnik GmbH in Schenkenberg begeistert. Der 33-Jährige, der mit Frau und Sohn in Brandenburg eine Wohnung hat, absolvierte ein Praktikum dort, fuhr jeden Tag mit Rad und Bahn dorthin und arbeitete in Syrien bereits als Elektriker. Er soll bei der Schenkenberger Firma, die 35 Mitarbeiter und fünf Azubis, beschäftigt, eine Lehre beginnen, sobald sein Sprachkurs beendet ist. „Er hat bereits voll mitgearbeitet. Jetzt müssen wir sehen, ob ein Teil der Ausbildung anerkannt wird“, sagt der kaufmännische Leiter Dennis Krämer.

Monika Nowotny, Chefin des Brandenburger Friseursalons Hair-Team, wird ihren Praktikanten Saber Hajo im Sommer als Lehrling einstellen. Er hatte in Syrien als Friseur gearbeitet. Auf die Frage, ob er in Deutschland bleiben wolle, antwortet Hajo lachend: „Natürlich!“

Von Marion von Imhoff

Brandenburg/Havel MAZ-Sonderseite am Freitag - Zombies! Helau! Baaam! Yeah!

So bunt haben Sie die MAZ noch nie erlebt: Für die Jahresvorschau 2017 haben sich MAZ-Redakteur Odin Tietsche und die Grafikerin Katharina Ibendorf (Havelcom Concept) für die Leser etwas Besonderes einfallen lassen: Sie gestalteten den Ausblick für vier Ausgaben exklusiv als Comic.

19.01.2017
Brandenburg/Havel Notfallrucksäcke für Feuerwehren - Amt Ziesar: Erste Hilfe auf dem Rücken

Sie gehören ab sofort zur Ausrüstung aller Feuerwehren im Amt Ziesar. Zwölf Notfallrucksäcke wurden an die Jugendwarte und Kinderbetreuer übergeben. Das Erste-Hilfe-Gepäck ist jetzt immer bei der Ausbildung und bei den Wettkämpfen des Nachwuchses dabei. Amtsjugendwartin Rosita Herzog hofft, dass die Rucksäcke möglichst wenig gebraucht werden.

19.01.2017

Ein 20 Jahre altes Vertragswerk hat bislang die Wobra in Brandenburg an der Havel gelähmt und zwischenzeitlich an den Rand des Ruins gebracht. Jetzt soll der Befreiungsschlag glücken, 1440 Wohnungen zurück- und weiterverkauft werden. Der Gesellschaft bleiben millionenschwere Zahlungen erspart. Die Stadt hilft dabei mit 16 Millionen Euro.

18.01.2017