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Brandenburg/Havel Historische Fotos aus dem Café Oske
Lokales Brandenburg/Havel Historische Fotos aus dem Café Oske
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17:40 03.05.2019
Brigitte Meiritz hat in ihrem Fotoalbum Familienbilder aus dem Café Oske gefunden. Quelle: Sammlung Brigitte Meiritz
Brandenburg/H

Die Verkäuferin hinter der Kuchentheke lächelt freundlich in die Kamera. Ihre Kundin greift zu und nimmt ein kleines Paket entgegen, das bestimmt einen süßen Inhalt hat. Diese Szene hat der Vater von Brigitte Meiritz im Jahr 1939 im Café Oske am Molkenmarkt aufgenommen. Die junge Verkäuferin ist seine Schwester Margarete Preißner, die Dame mit dem Paket in der Hand ist seine Frau Else.

Bevor der „Roland“ am Brandenburger Molkenmarkt zum Tanzen einlud, betrieb dort Emil Oske in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts eine Konditorei mit Café.

Das Foto hat die Brandenburgerin Brigitte Meiritz in einem alten Familienalbum gefunden. Als vor einigen Wochen die Sanierungsarbeiten an dem Gebäudeensemble begannen, in dem einst das Tanzlokal „Alter Roland“ und noch davor das Café Oske beheimatet waren, hat die MAZ ihre Leser nach alten Bildern und schönen Erinnerungen gefragt.

„Sehr viel erzählen kann ich zu dem Foto aber nicht, denn als das aufgenommen wurde, war ich noch nicht geboren“, sagt Meiritz. Aus eigener Anschauung kennt sie das Haus erst, als es schon in „Roland“ umgetauft war. „Aus dem Privatbesitz von Café- und Konditoreibetreiber Emil Oske muss irgendwann nach dem Krieg die HO-Gaststätte geworden sein.“

Das Café Oske befand sich in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts am Molkenmarkt in Brandenburg an der Havel. Quelle: Sammlung Brigitte Meiritz

Das stadtbekannte Tanzlokal hat sie allerdings nicht von innen gesehen. „Die braven Mädchen, die etwas auf sich hielten, gingen nicht in den Alten Roland“, sagt Brigitte Meiritz und meint mit einem kleinen Augenzwinkern auch sich selbst. Zumindest war das so, als die heute 78-Jährige Ende der 50er, Anfang der 60er Jahre in den Cafés und Tanzsälen der Stadt unterwegs war.

„Der Roland hatte einen gewissen Ruf, vielleicht vergleichbar mit einem heutzutage etwas verdächtigen Szeneklub“, versucht Meiritz eine Parallele zu finden. „Jedenfalls war bekannt, das dort Auseinandersetzungen auch mal mit den Fäusten geklärt wurden.“ Und junge Frauen, die ohne Herrenbegleitung hereinschneiten, konnten sicher sein, dass jemand versuchen würde mit ihnen anzubandeln.

Tanzen mit Petticoat

Brigitte Meiritz besuchte deshalb eher die Tanzveranstaltungen im Stadtcafé und im Klubhaus Philipp Müller. Beliebt waren auch das Zentralhotel, das Klubhaus des Handels und der Ratskeller. „Ins Hotel Zum Bären sind wir zu besonderen Anlässen gegangen.“ An einem Sonnabend im August 1961 hat Meiritz dort ihre Verlobung gefeiert. „Das war der Tag vor der Grenzschließung.“

Mit dem Mauerbau war der Weg in den Westen versperrt und somit auch der Zugang zur neusten Mode. „Petticoats lagen damals im Trend und meinen habe noch ich in West-Berlin gekauft.“ In der S-Bahn auf dem Weg zurück hat sie gezittert, ob bei der Grenzkontrolle alles gut geht. Erwünscht war das Einkaufen beim Klassenfeind nicht.

Brigitte Meiritz hat in ihrem Fotoalbum Bilder vom ehemaligen Café Oske gefunden. Quelle: Christine Lummert

Auf der Tanzfläche kam Schwung in das begehrte Kleidungsstück. „Es gab natürlich überall Live-Musik, die Kapellen haben die größten Hits der Zeit gespielt.“ Hugo Haberland und seine Band sind ihr besonders in Erinnerung geblieben.

Eine andere Erinnerung an das Brandenburger Nachtleben ist mit Manfred Krug verbunden. „Der hat in seinen jungen Jahren genau wie ich im Stadtteil Görden gewohnt und im Stahlwerk eine Ausbildung gemacht“, erzählt Meiritz, die selbst 42 Jahre lang als Sekretärin in der Verwaltung des größten Industriebetriebs der Havelstadt tätig war.

Pfiffe für Manfred Krug

Die künstlerischen Ambitionen waren Manfred Krug damals schon näher als der graue Alltag im Stahlwerk. Eine Szene hat Brigitte Meiritz im Stadtcafé öfter beobachtet. „So ab 22 Uhr ist Manne Krug öfter mal zur Kapelle auf die Bühne gestiegen und hat dann nach kurzer Absprache selbst das Mikrofon in die Hand genommen“ sagt Meiritz. Die Reaktionen im Publikum waren geteilt. „Einige haben ihnen ausgepfiffen, andere haben ihn beklatscht, weil es mal etwas anderes war.“

Von Christine Lummert

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