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Brandenburg/Havel Frieden, Protestwähler und Demokratie sind Stadtgespräch im Brandenburger Theater
Lokales Brandenburg/Havel Frieden, Protestwähler und Demokratie sind Stadtgespräch im Brandenburger Theater
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20:37 12.11.2019
Erhard Gottschalk, Christina Dishur, Benjamin Engst und Frank Schroeder (von links) diskutieren im Brandenburger Theater. Bei der Veranstaltungsreihe „30 Jahre friedliche Revolution in Brandenburg an der Havel“ sprechen sie über Frieden und Demokratie. Quelle: André Großmann
Brandenburg/H

Demokratie, Protestwähler und der Wunsch nach Freiheit sind beim letzten Stadtgespräch zur Veranstaltungsreihe „30 Jahre friedliche Revolution in Brandenburg an der Havel“ im Brandenburger Theater zentrale Themen.

„Wie gefährlich war es, sich damals offen politisch zu engagieren, Aufrufe zu verfassen und Unterschriften zu sammeln?“, fragt Moderator Frank Schroeder, für Sekunden wird es still im Foyer des Großen Hauses.

Unterdrückung und Überwachung

„Es war sicherlich schwierig“, sagt Jan Hermann von der ehemaligen Bürgerbewegung „Neues Forum.“ Der Oppositionelle erinnert sich an Unterdrückungen durch Mitarbeiter der Staatssicherheit und Beobachtungslisten.

„Wir hatten Gebäudeüberwachungen im Herbst 1989, rund um die Uhr. Man konnte das Haus nicht verlassen, ohne von irgendwelchen Leuten registriert zu werden“, sagt Hermann. Er weiß, dass seine Post einmal in der Woche ankam, weil sie zurückgehalten, kontrolliert, kopiert und geöffnet wurde.

Hermann spürt die Atmosphäre am Ende der Achtzigerjahre bis heute, für ihn führte sie dazu, dass Menschen auf die Straßen gingen und an Demonstrationen teilnahmen. „Das war wie eine Kettenreaktion“, sagt der Brandenburger, der heute in der Schweiz lebt.

Hoffnung auf Demonstrationen

Die Forderungen der Demonstranten nach sozialer Gerechtigkeit, Umweltschutz und Freiheit sind für den ehemaligen DDR-Bürgerrechtler Erhard Gottschalk wichtige Themen der Gegenwart.

Mit Sorge erfüllt ihn, dass „heute mehr über Aufrüstung statt Abrüstung gesprochen wird und die Gefahr besteht, dass der Lobbyismus die Demokratie aushebelt“, dennoch bewahrt sich der Brandenburger die Hoffnung. „Ich wünsche mir, dass junge Menschen weiter für ihre Ideale auf die Straße gehen und demonstrieren“, sagt der 72-Jährige.

Die Elftklässlerin Margarete Meiburg nickt, als sie diese Worte hört. Demokratie bedeutet für die Schülerin vom Brandenburger Domgymnasium Interaktion und Miteinander. „Wir müssen etwas verändern und das sieht man auch auf der Straße. Ich glaube, dass wir unterschätzt werden. Auch wenn geschichtliches Wissen fehlt, habe ich das Recht zu sagen, was ich gut finde und was nicht“, sagt die Schülerin.

Kritik am Lehrplan

Die Gymnasiastin wünscht sich mehr Informationen über die Ereignisse der damaligen Zeit. Für ihren Politiklehrer Alexander Straube ist klar, dass die Zeit des Mauerfalls und sich daraus entwickelnde Probleme im Unterricht „auf jeden Fall zu kurz“ kommen.

Der Pädagoge betont, dass im Rahmenlehrplan des Landes Brandenburg in den Klassenstufen 7 und 8 zwei Unterrichtsstunden für Geschichte und Politische Bildung vorgesehen sind und in der neunten Klasse nur eine Stunde dazu kommt.

„Ich bin kein Lehrer, der sagt, dass mein Fach das Wichtigste ist, aber wenn wir uns die momentane Entwicklung angucken, frage ich mich, wie die Jugendlichen erfahren sollen, wo sie sich wie beteiligen können“, sagt der 29-Jährige. Der Brandenburger befürchtet, dass Eltern bei der politischen Debatte „teilweise überfordert“ sind.

Kaum junge Zuhörer

35 Zuhörer sitzen beim „Stadtgespräch“ im Foyer des Großen Hauses, nur zwei bis drei Gäste sind unter 30 Jahre alt. Lehrer Alexander Straube hätte sich „mehr junge Besucher gewünscht“, für ihn ist die ist die Veranstaltung dennoch eine Möglichkeit, die Diskussionen zwischen Brandenburgern verschiedener Generationen zu fördern.

Politikwissenschaftler Benjamin Engst hinterfragt, ob Menschen in Ost und West ein anderes Verständnis des Begriffs Demokratie haben. Der 33-Jährige äußert, dass die Menschen in „beiden Teilen des Landes bereit sind, sich aktiv zu beteiligen.“

Dennoch betont er, dass in der Wendezeit im Osten eher der Wunsch vorherrschte, nach einer Demokratie, „in der ein Staat entsteht, der nicht die Bürger nur handeln lässt, sondern auch an der Seite der Bürger mit den Bürgern etwas bewegt, der klassische Sozialstaat.“

Diskussion zu Wahlerfolgen der AfD

Als Moderator Frank Schroeder die Wahlerfolge der AfD in Brandenburg an der Havel anspricht, debattieren die Teilnehmer der Podiumsdiskussion. Der ehemalige DDR-Bürgerrechtler Erhard Gottschalk hätte sich nicht vorstellen können, 30 Jahre nach dem Mauerfall Slogans wie „Vollende die Wende“ auf den Wahlplakaten zu sehen.

Schülerin Margarete Meiburg hofft, dass Wähler ihre Stimme langfristig und nicht nur aus Protest vergeben. Politikwissenschaftler Benjamin Engst betont hingegen, dass die AfD „Themen besetzt, die den Leuten unter den Nägeln brennen.“ Für den 33-Jährigen ist aber klar, dass „die Demokraten in der Mehrheit und nicht in der Minderheit sind. Sie sollten sich Diskussionen mit der AfD mutig stellen auch außerhalb ihrer Filterblase.“

Von André Großmann

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