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Brandenburg/Havel Früher war alles besser? Autor Matthias Krauß und die Frage, was sich seit der Wende verschlechtert hat
Lokales Brandenburg/Havel Früher war alles besser? Autor Matthias Krauß und die Frage, was sich seit der Wende verschlechtert hat
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20:02 28.06.2019
Der Autor Matthias Krauß. Quelle: Kempner
Brandenburg/H

Raus aus dem Unrechtsstaat und rein in die Demokratie – am 3. Oktober 1990 trat die DDR der BRD bei. Bereits vor der Deutschen Einheit versprach der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl in einer Fernsehansprache am 1. Juli 1990 neben „blühenden Landschaften“ vor allem eins: „Es wird niemandem schlechter gehen also zuvor – dafür vielen besser.“

Der in Potsdam lebende Journalist Matthias Krauß hat sich in seinem Buch „Die große Freiheit ist es nicht geworden“ mit allem, was Vergangenheit und Gegenwart auf DDR-Gebiet betrifft, gründlich befasst.

Wiedervereinigung: Note mangelhaft

Am Donnerstag stellte der Autor sein Buch im Lighthouse in den Bahnhofspassagen in Brandenburg an der Havel vor. Veranstaltet wurde die Lesung von der Rosa Luxemburg-Stiftung. Krauß’ Bilanz fiel dabei deutlich weniger optimistisch aus als das Versprechen des ehemaligen Bundeskanzlers.

Trennt Analyse und Nostalgie: Matthias Krauß wirft einen kritischen Blick auf die Wiedervereinigung. Quelle: Tobias Wagner

„Ich nehme nicht die Position der Aufarbeitungsprozesse ein, die seit 30 Jahren vonstatten gehen“, sagt Krauß, der 1960 in Hennigsdorf im heutigen Landkreis Oberhavel zur Welt kam. „Zwar geht es vielen besser, aber bei weitem nicht allen.“

Vor insgesamt nur sieben Gästen referierte Krauß über die Einbußen, welche die ehemaligen DDR-Bürger nach 1990 hinnehmen mussten, nicht nur bei der Gleichstellung und Rechtsverhältnissen, sondern auch auf Gebieten wie Gesundheit, Arbeit, Sozialverhalten und Bildung.

Das Armenhaus Deutschlands

Gemäß Krauß wurde beispielsweise der Osten nach dem Einigungsvertrag zum Armenhaus Deutschlands. „Dieser wurde nicht schon zu Zeiten der DDR, sondern erst nach der Wende heruntergewirtschaftet“, so der Autor. „Potsdam ist heutzutage verschuldeter als die gesamte DDR es jemals war.“

Dieses „Armenhaus“ müsse bis heute alimentiert werden, sei hoch verschuldet und hätte selbst nach der Konjunktur der vergangenen zehn Jahre wenig mehr als die Hälfte dessen erwirtschaftet, was es verbraucht.

In den insgesamt 90 Minuten Vortragszeit durchforstete und kommentierte Krauß auf diese Weise viele Lebensbereiche, seine Befunde blieben wenig positiv. „Die Massenarbeitslosigkeit in den frühen 1990er-Jahren beispielsweise brachte vielerorts das menschlich Schlechte zum Vorschein“, sagt der Journalist. „Wurde die vietnamesische Mitarbeiterin vor der Wende noch freundlich behandelt, galt sie danach als Feindin.“

Herrschte in der DDR noch soziale Durchmischung, so dominiere heute Spaltung und Entsolidarisierung, vom Bevölkerungsschwund durch Abwanderung ganz zu schweigen.

Sozialstruktur am Boden

So sei in den zehn Jahren vor der Wende in Ostdeutschland mehr als eine Million Kinder mehr zur Welt gekommen als in den zehn Jahren danach. Dies und der Wegzug der Jugend hätte der Sozialstruktur der neuen Bundesländer Schläge versetzt, von denen sie sich bis heute nicht erholen konnte.

„Momentan beträgt der Rentneranteil im Land Brandenburg 20 Prozent, in wenigen Jahrzehnten könnte dieser bei 40 Prozent liegen“, diagnostiziert Krauß, der allerdings nicht lediglich als Nörgler gesehen werden will.

Anregung zur Verbesserung

„Mein Blick liegt auf dem, was sich verschlechtert hat, diese Argumentationskette wird durchgezogen“, sagt Krauß. „Ich sehe mein Buch als Ausgangspunkt, Dinge zu verändern und damit zu verbessern.“

Natürlich sei nicht sämtliche Entwicklung negativ: „Ich habe vor der Veranstaltung auf dem Vorplatz des Hauptbahnhofes hier in der Havelstadt gesessen und mich erinnert wie schlimm es damals dort aussah“, gesteht Krauß. „Es ist halt doch nicht alles schlecht.“

Von Tobias Wagner

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