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Brandenburg/Havel Gäste fordern freie Sicht auf Rietzer See
Lokales Brandenburg/Havel Gäste fordern freie Sicht auf Rietzer See
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16:38 16.01.2018
Der Rietzer Vogelbeobachtungsturm war vor 20 Jahren gut gemeint. Doch inzwischen steht er an der falschen Stelle. Quelle: Frank Bürstenbinder
Rietz

„Wir sind extra aus dem Erzgebirge zur Vogelbeobachtung angereist. Büsche und Gestrüpp hätten wir auch zu Hause haben können. Die verantwortlichen Kommunalpolitiker sollten etwas tun.“ Was ein Ehepaar aus Thum ins Besucherbuch des Rietzer Vogelbeobachtungsturms schrieb, steht für vielfache Enttäuschung. Denn wirklich zu sehen gibt es 13 Stufen über dem Seeufer schon lange nichts mehr. Erlenaufwuchs versperrt den Blick auf die Attraktion der Region – die Vogelwelt des Rietzer Sees. Um Kraniche, Knäkente und Rohrdommel besser kennenzulernen, war der hölzerne Unterstand einst errichtet worden. Doch jetzt müsste der Turm aufgestockt oder versetzt werden, wünschen sich Naturfreunde nach einem Blick auf die Baumreihe.

Hohe planerische Hürden

Rund um den Rietzer See bestehen hohe planerische Hürden, um die Vereinbarkeit einer Maßnahme mit den Schutzzielen nachzuweisen. Der Vogelbeobachtungsturm befindet sich im Europäischen Vogelschutzgebiet, im Flora-Fauna-Habitat-Gebiet und im Naturschutzgebiet.

Der Rietzer See gehört zu den sehr flachen Gewässern mit einer Wassertiefe von zumeist deutlich unter einem Meter. Markant sind die dicken Schlickschichten auf dem Seegrund. Das Befahren ist nur innerhalb einer gekennzeichneten Fahrrinne erlaubt.

Ein hervorragender Beobachtungsplatz ist unverändert der Vogelbeobachtungsturm bei Netzen mit freiem Blick auf den Streng, der den Rietzer See mit dem Netzener See verbindet. Das Holzbauwerk ist im Besitz des Naturschutzbundes, der ihn 2016 modernisieren ließ.

Dass der Vogelbeobachtungsturm nicht hält, was der Name verspricht, ist dem Rietzer Ortsbeirat unter Ortsvorsteherin Petra Gorgas schon lange bewusst. Doch das ist nicht alles. Die Steganlage unterhalb des Turms ist durch die fortschreitende Verlandung und Verschlammung des Rietzer Sees nur noch eingeschränkt nutzbar und damit touristisch nicht mehr attraktiv. Bevor sich der Ortsbeirat an diesem Mittwoch mit dem Thema beschäftigt, hat der Tourismusausschuss der Gemeinde Kloster Lehnin eine erste Weichenstellung vorgenommen, um zu retten was zu retten ist.

Harry Grunert leitet den Tourismusausschuss der Kloster Lehniner Gemeindevertretung. Quelle: Heiko Hesse

Wegen des hohen Schutzstatus’ des Rietzer Sees, der eine Entfernung des Erlenaufwuchses und des Schilfs so gut wie unmöglich macht, kommt wohl nur eine Minimalvariante in Betracht. Diese könnte auf Vorschlag eines Gutachters so aussehen: Am seeseitigen Ende des Steges wäre ein Beobachtungsversteck zur Vogelbeobachtung denkbar

. Einstimmig haben sich die Ausschussmitglieder für diese Variante ausgesprochen, der eine mögliche Verlängerung des Steges über die Schilfkante hinaus vorsieht. Der jetzige Turm hätte dann seinen Bestimmungszweck endgültig verloren. „Details der Ausführung für ein künftiges Beobachtungsversteck sind noch unklar“, sagte Tourismusausschussvorsitzender Harry Grunert der MAZ.

Von der Vogelwelt am Rietzer See gibt es vom Beobachtungsturm nichts mehr zu sehen. Erlen versperren den Blick auf das Gewässer. Quelle: Frank Bürstenbinder

Eine kurzfristige Realisierung ist ohnehin nicht zu erwarten. Allein für vorausgehende Untersuchungen, Kartierungen und Erfassungen von Arten sind über 5000 Euro fällig. Der Umfang der Untersuchungen würde etwa ein Jahr dauern. Für eine Baumaßnahme selbst ergibt sich nur ein schmales Zeitfenster vom 1. Dezember bis zum 31. Januar des Folgejahres. Alle anderen Monate sind zum Schutz von Brut- und Nistvögeln sowie von Zug- und Rastvögeln tabu.

Kloster Lehnins Bürgermeister Uwe Brückner geht davon aus, dass ohne eine gutachterliche Vorarbeit nicht an eine Realisierung der Maßnahme zu denken ist. „So wie es jetzt ist, kann es nicht bleiben. Wir werben mit dem Aussichtsturm, aber unsere Besucher sehen nichts mehr. Auch mit Blick auf den künftigen Teilabschnitt des Zauche-Radweges von Gollwitz nach Rietz, mit dem wir mehr Radtouristen erwarten, muss eine Lösung gefunden werden“, meint Brückner.

Der Rietzer See ist für Vogelbeobachtungen deshalb so interessant, weil es sich bei dem über 1100 Hektar großen Naturschutzgebiet um ein Europäisches Vogelschutzgebiet handelt, in dem bisher mehr als 260 Vogelarten bestimmt werden konnten. Neben den Brutvögeln sorgen Zugvögel wie Kraniche, Gänse und Enten immer wieder für faszinierende Naturschauspiele. „Vom Vogelbeobachtungsturm können Sie den einen oder anderen seltenen Vogel sicher erspähen“, heißt es auf der Informationstafel unterhalb des Turms. Derzeit sollten Besucher diese Versprechung allerdings nicht nehmen. Sonst sind weitere Enttäuschungen, wie sie im Gästebuch vermerkt sind, nicht auszuschließen.

Von Frank Bürstenbinder

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