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Brandenburg/Havel Gäste rennen AGZ zur Eröffnung die Bude ein
Lokales Brandenburg/Havel Gäste rennen AGZ zur Eröffnung die Bude ein
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11:57 23.07.2017
Am Freitagabend wurde die AGZ neu eröffnet. Die Party dauerte bis tief in die Nacht hinein und war bestens besucht.
Am Freitagabend wurde die AGZ neu eröffnet. Die Party dauerte bis tief in die Nacht hinein und war bestens besucht. Quelle: Philip Rißling
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Brandenburg/H

Schlapphüte sind nicht zu sehen am Eröffnungstag. Vielleicht halten sich die Agenten noch zurück in ihrer früheren Zentrale, der neugeborenen AGZ an der Ecke Kurstraße/Gorrenberg. Am Freitag begann das dreitägige Eröffnungsfest, zu dem Neu-Gastwirtin Friederike Spiesecke (33) einlud.

Das Wort Agentenzentrale hat einen Klang in der Stadt Brandenburg. Die Eckkneipe war zu DDR-Zeiten ein Treffpunkt, wo Arbeiter wie Theaterleute und andere Intellektuelle gern ihren Feierabendschnaps tranken und wo man so privat wie offen redete. Das bekam natürlich auch die Stasi mit und schickte prompt ihre Fachkräfte in die nach der Brauerei benannten Kneipe „Adlerbräu“.

Friederike Spiesecke (2.v.l.) in der neu eröffneten Agentenzentrale. Quelle: Jürgen Lauterbach

Jeder Stammgast wusste um die beiden Tische, an denen Erich Mielkes Vasallen auf Guck-und-Horch-Jagd gingen. Friederike Spiesecke findet die Geschichte ihrer neuen Wirkungsstätte schon aus beruflichen Gründen spannend. Die Geschichtslehrerin der Grundschule Kirchmöser wollte schon lange Zeit ihr eigenes Lokal führen. Als die AGZ auf Ebay inseriert wurde, machte sie Nägel mit Köpfen, ohne das Lehrerpult komplett gegen den Tresen einzutauschen. Fortan ist sie beides: Teilzeit-Lehrerin und -Wirtin. Toll, aber auch verrückt, finden das die Berufskollegen und auch die waschechte Brandenburgerin selbst.

Sanierung in fünf Monaten

Fünf Monate Arbeit hat sie investiert und rund 20 000 Euro, um die alte Spelunke mit vielen helfenden Freundeshänden in ein gemütliches Gasthaus zu verwandeln, das die alte Zeit ein bisschen einfängt und sich eine Prise Verruchtheit bewahrt hat.

Natürlich wird geraucht in den beiden Räumen mit den 13 Tischen und 45 Plätzen. Nur an zwei Sonntagen im Monat müssen Raucher künftig weichen, nämlich wenn es Essen gibt.

Die Agentenzentrale befindet sich an der Ecke Kurstraße/Gorrenberg. Quelle: Jürgen Lauterbach

Serviert wird allen Agenten und Nicht-Agenten der Schnaps führender und untergeordneter Geheimdienstnationen. Jeder Tisch ist einem bestimmten Land gewidmet – von den USA bis zu Israel, von Mexiko bis Griechenland, von Russland und China bis Deutschland. Das jeweilige Nationalgetränk, sei es Whisky oder Tequila,Wodka oder Korn, ist an den jeweiligen Tischen besonders günstig. Das gilt auch für den China-Tisch mit dem passenden Erbsen-Hirse-Schnaps.

Der aufmerksame Besucher wird in den Gasträumen, die schon seit den 1880er-Jahren als Wirtschaft dienten, auf liebenswerte Details stoßen – eine schicke Vertäfelung, schräge Gemälde und der große Kohle-Kachelofen, der den Gästen im Winter hoffentlich gut einheizt.

Von Jürgen Lauterbach

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