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Brandenburg/Havel Gatterwild und Kalb gerissen
Lokales Brandenburg/Havel Gatterwild und Kalb gerissen
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17:23 22.03.2018
Gerhard Kernchen aus Locktow vor einem Anhänger mit Damwild-Kadavern.
Gerhard Kernchen aus Locktow vor einem Anhänger mit Damwild-Kadavern. Quelle: Josephine Mühln
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Mittelmark

Bei Wolfsangriffen sind in der Nacht zum Donnerstag im Landkreis wieder mehrere Nutztiere gerissen worden. Das folgenschwerste Ereignis wird aus Locktow (Amt Niemegk) gemeldet. Dort hat Gatterwildhalter Gerhard Kernchen mindestens zehn zu Tode gekommene Stück Damwild zu beklagen. Brandenburgs Rissgutachter Kay-Uwe Hartleb traf am Nachmittag am Gehege ein, um den angerichteten Schaden aufzunehmen.

Damwildhalter Kernchen ist erschüttert, denn unter den gerissenen weiblichen Tieren befinden sich hochträchtige Exemplare. Trotz stromführender Litzen haben es die Wölfe in das Gehege geschafft. Er sei der Letzte, der den Wolf ausrotten wolle. Doch dem Raubtier müssten Grenzen aufgezeigt werden, bevor er die letzte Scheu vor dem Menschen und seinem Eigentum verliere, warnte Kernchen. Dem Rentner waren 2016 bereits fünf Tiere gerissen worden. Jetzt denkt Kernchen daran, die Gatterwildhaltung endgültig aufzugeben.

Wieder ein Dexter-Kalb weniger. Stefan Leue aus Rottstock vor den Resten seines Rinder-Nachwuchses. Quelle: Frank Bürstenbinder

Auch Stefan Leue in Rottstock (Amt Ziesar) denkt über die Zukunft seiner Dexter-Rinder nach. Er hat in der Nacht zum Donnerstag das dritte Kalb in diesem Jahr an den Wolf verloren. Leue zeigte der MAZ am Morgen den Kadaver des neugeborenen Kalbes, über den sich schon Krähen, Bussarde und ein Seeadler hermachten. Rissgutachter Hartleb bestätigte auch in Rottstock, dass ein Wolfsriss nicht auszuschließen sei. Darauf deute die Spurenlage hin.

Zwei der drei verlorenen Kälber sind komplett von der Weide am Ortsrand verschwunden. Für die Beteiligung von Wölfen fehlen dem Rinderhalter daher die Beweise. Leue hält seine inzwischen 18 Muttertiere als Landschaftspfleger, Fleischlieferanten und als Zuchttiere. Täglich werden jetzt Kälbchen geboren. „Sollte es weitere Verluste geben, reduziere ich den Bestand“, sagte Leue der MAZ. Eine wolfssichere Einzäunung mit fünf Litzen hält der Tierhalter bei der großen Weidefläche trotz möglicher Förderung für unbezahlbar und unpraktikabel.

Von Frank Bürstenbinder