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Brandenburg/Havel Lass uns eine Welt erträumen: So aktuell sind die Lieder von Gerhard Schöne
Lokales Brandenburg/Havel Lass uns eine Welt erträumen: So aktuell sind die Lieder von Gerhard Schöne
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14:25 29.07.2019
Gerhard Schöne bei seinem Kinderkonzert am Sonntag in der Brandenburger Katharinenkirche. Quelle: Marion von Imhoff
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Brandenburg/H

„Zeitlos“ sind die Lieder, die Gerhard Schöne am Sonntagnachmittag bei seinem „Familienkonzert“ in der Brandenburger Katharinenkirche singt. Leider oder Gott sei Dank?

Mit dem Appell „Lass uns eine Welt erträumen“ startete der Sänger (Jahrgang 1952) sein Programm. In dem Song geht es darum, Krieg zu vermeiden, die Umwelt zu schützen, und grenzüberschreitend Freundschaften zu pflegen. Diese Probleme hat die Menschheit noch immer, heute fast mehr denn je.

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Gebannt lauschen die Zuhörer in der Brandenburger Katharinenkirche. Quelle: Marion von Imhoff

Obwohl die Kinderlieder des sechsfachen Vaters teilweise schon Jahrzehnte alt sind, haben sie an Aktualität nichts verloren – im Gegenteil. Die Themen stammen aus der Welt der Kinder, und die hat sich nicht so stark verändert.

Ein Popel bleibt ein Popel und popeln tut man nicht. Und wenn doch (schließlich macht das jeder mal), dann spricht man nicht darüber. Und dann kommt da einer wie der Gerhard Schöne und singt ein Popellied. Die Kinder im Publikum haben gequietscht vor Vergnügen.

„Als ich das Lied vor Jahren auf Schallplatte aufnahm, konnte ich eine Strophe nicht singen, weil sie so extrem eklig ist“, erklärte der Sänger. „Da haben sich immer so viele Eltern und Lehrer beschwert. Deshalb singe ich die Strophe heute nicht, noch dazu in einer Kirche.“

Das Publikum lässt lautstark hören, wie enttäuscht es ist. „Wollt ihr diese extrem eklige Strophe trotzdem hören?“ vergewissert sich Schöne. Begeisterte Zustimmung. Vorsichtshalber lässt er abstimmen. „Ein Nein und zwei Enthaltungen, das geht“, kommentiert Schöne das Ergebnis und singt die Strophe – auf Spanisch, denn das Popellied ist mexikanischen Ursprungs.

Gerhard Schöne bei seinem Kinderkonzert am Sonntag in der Brandenburger Katharinenkirche. Quelle: Marion von Imhoff

Auch das Lied von der Jule, die sich nicht wäscht, hat zumindest den Kindern viel Spaß gemacht. Denn die meisten Kinder hassen es, sich waschen zu müssen. Und wer denkt schon an die Konsequenz, dass man einfach stinkt, wenn man sich nicht regelmäßig wäscht?

Immer wieder animiert Schöne sein Publikum zum Mitsingen und Klatschen, und die meisten machen auch eifrig mit. Das klappt sogar bei dem traurigen Lied von dem kleinen mexikanischen Jungen, der eine lebensgefährliche Reise auf dem Dach eines Zuges antritt, weil er Sehnsucht hat nach seiner Mutter, die in den USA den Lebensunterhalt verdient. Seit fünf Jahren hat er sie nicht mehr gesehen. Wird er es schaffen?

Mit strahlenden Augen erinnern sich Martin und Manja Handtke aus Brielow an ihre eigene Kindheit. „Ja, ich habe als Kind Konzerte von Gerhard Schöne besucht“, berichtet Vater Martin Handtke begeistert. Und Manja Handtke nickt lächelnd dazu: „Und ich auch.“

Sie sind mit ihren beiden Söhnen Leopold (7) und dem vierjährigen Ludwig da. Um so erschrockener sind beide Eltern, als Sohn Leopold verkündet: „Ich fand es zu lang und zu laut.“ „Aber nein“, widerspricht seine Mutter. „Es war doch toll. Denk doch mal, alle konnten mitmachen.“ Doch der Filius bekräftigt noch einmal nachdrücklich seine Meinung.

Ganz unrecht hat der Leopold nicht. Denn nach einer Weile – etwa nach einer Stunde – fingen einige Kinder an, unruhig zu werden. Und manche tobten sogar laut juchzend durch das Kirchenschiff.

Von Ann Brünink