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Brandenburg/Havel Grete Minde im Game-of-Thrones-Stil
Lokales Brandenburg/Havel Grete Minde im Game-of-Thrones-Stil
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07:02 29.08.2019
Proben zu Grete Minde. Das Stück ist ab dem 6. September beim Marienberg Open Air in Brandenburg an der Havel zu sehen. Quelle: Änne Fitzner
Brandenburg/H

1617 vernichtet ein Feuer die halbe Stadt Tangermünde. Grete Minde wird als Brandstifterin angeklagt. Grete leugnet zunächst, legt dann aber unter der Folter ein Geständnis ab. Am 22. März 1619 – vor 400 Jahren – wird sie hingerichtet. Bis heute gibt es Zweifel, dass sie es wirklich getan hat.Im Fontane-Jahr zeigt das Brandenburger Theater eine Neu-Inszenierung dieser Geschichte, die sich die Fragen stellt: Wurde Grete Minde aus Rache für das ihr verweigerte Erbe zur Brandstifterin? Oder war sie unschuldig? Handelt es sich um einen Justizirrtum? War sie das Opfer einer Intrige, die sie mit Hilfe einer eilfertigen Justiz zum Tode auf dem Scheiterhaufen brachte? Mit Regie und Bühnenbild stellt sich der neue künstlerische Leiter des Brandenburger Theaters (BT) Frank Widmaier jetzt erstmals vor, wenn das Stück am Freitag, 6. September auf der Freilichtbühne auf dem Marienberg uraufgeführt wird. Geschrieben wurde das Stück vom Dramaturgen und Regisseur Kai O. Schubert der im Gespräch mit Gesche Rintelen vom BT seine Gedanken zu dem Stück und der Geschichte in Worte fasst.

Wieso wählen Sie „Grete Minde” als Stoff für ein Open-Air-Spektakel?

Kai Schubert: Im Fontanejahr lag die Idee natürlich nahe, im Werk des Schriftstellers auf die Suche nach dem passenden Stoff für eine großen Sommertheateraufführung zu suchen. „Grete Minde” fand ich interessant, weil Fontane hier nicht über seine eigene Zeit schreibt, sondern über Ereignisse, die auch für ihn bereits über 200 Jahre zurücklagen. Das gibt beim Schreiben einen Freiraum für eigene Erfindungen – und den hat Fontane genutzt.

Wir bekommen aber nicht Fontanes Novelle auf der Bühne zu sehen – warum nicht?

Fontanes Novelle bietet einen psychologisch sehr genauen Blick auf das (Seelen)leben einer einzelnen Figur: Grete Minde. Wunderbar, aber eher ein Kammerspiel. Deswegen bin ich in Absprache mit dem Regisseur Frank Martin Widmaier auf die Suche nach einer Geschichte gegangen, die nach einer großen Bühne verlangt, wie sie der Marienberg bietet. So ist aus der Geschichte von Grete Minde ein ganzes Figurenensemble geworden, das Bild einer Stadtgesellschaft, die in der alle ihren Teil zum Tod Gretes auf dem Scheiterhaufen beitragen.

Ist das alles frei erfunden?

Nein. Ich habe mich mit den Quellen beschäftigt, aus denen Fontane seine Novelle destilliert hat. Dabei sprang mich der Krimi an, der in den historischen Ereignissen steckt. Eine Geschichte von Manipulation und Machtmissbrauch, die zeigt, was Menschen einander antun, wenn Stimmungen die Kontrolle übernehmen. Ich habe versucht, dieser Spur zu folgen – und so ist eine Version entstanden, die sich deutlich von Fontanes Novelle unterscheidet.

Was finden Sie an diesem Stoff für heute interessant?

In unserer Version ist das ein Stoff, in dem sich Privates und Politisches mischen. Einerseits gibt es persönliche Verletzungen – bei Grete, die niemals als „richtiges” Mitglied der Familie Minde akzeptiert wird und lebenslang um Anerkennung kämpft – andererseits gibt es einen politischen Konflikt zwischen dem Alten Minde, dem reichsten und mächtigsten Kaufmann der Stadt, und der Bevölkerung der Stadt, die sich von den Stadtoberen nicht angemessen repräsentiert fühlt und massiv nach Aufklärung des Brandes verlangt, der die halbe Stadt in Schutt und Asche gelegt hat. Am Anfang des Stücks gibt es eine revolutionäre Situation, die den Alten Minde und den Bürgermeister die Macht kosten könnte. Also muss schnell ein Täter her, damit die Obrigkeit ihre Handlungsfähigkeit demonstrieren kann. Gretes Rachegelüste, die verständliche Empörung der Bürger und Bauern und der eiserne Machtwillen der Alten befeuern sich gegenseitig – ein Teufelskreis aus Gefühlen und Stimmungsmache, bei dem die Wahrheit auf der Strecke bleibt. Diesen Prozess auf der Bühne zu verfolgen ist erschreckend aktuell.

Welche Rolle übernehmen die Akteure von Bürgerbühne und Jugendtheater in der Geschichte?

Neben Solo-Partien agieren sie vor allem als Chor der Bürgerinnen und Bürger, der Handwerker und Bäuerinnen, der nicht bloß Beiwerk ist sondern eine zentrale Kraft in der fatalen Dynamik unserer Grete-Version ist. Ohne diese Vertreter einer Stadtgesellschaft, die sich in die politische Gestaltung des Gemeinwesens einbringen wollen (und dabei von allen Seiten manipuliert werden), wäre unsere Geschichte nicht komplett.

Die Geschichte spielt ja in Tangermünde. Gibt es einen direkten Bezug zu Brandenburg?

Zum einen ist das ja keine Geschichte, die an einen spezifischen Ort gebunden ist. Wir erzählen mit dem historischen Stoff für die Menschen von heute, hier in Brandenburg. So wie eine Serie wie Game of Thrones ja auch für die Menschen von heute gemacht ist, obwohl sie in fernen Zeiten und Welten spielt. Wobei – ein sehr schönes Detail, das die Stadt Brandenburg mit Gretes Geschichte verbindet: Das aufsichtführende Gericht, bei dem die Folterung Gretes beantragt wurde, musste (denn für den Einsatz der Folter gab es genaue Regeln), befand sich in Brandenburg. Durch verleumderische Aussagen über Gretes Lebenswandel und Charakter wurde die Brandenburger Gerichtsbarkeit davon überzeugt, dass Grete Minde eine Person ist, die guten Gewissens gefoltert werden kann.

Was sollen die Zuschauer aus dem Besuch der Aufführung mitnehmen?

Zuallererst das Erlebnis eines ganz besonderen Theaterevents – unter freiem Himmel, auf einer riesigen Bühne, mit vielen Akteuren, stimmungsvoller Musik und einem Bühnenbild, das eine ganze Stadtlandschaft darstellt. Und dann hoffe ich natürlich, dass es uns gelingt, die Besucher emotional zu packen, so dass sie mit Grete hoffen und leiden, sich aber auch über sie ärgern – und sich am Ende fragen, wo in dieser Geschichte der Abzweig zu einer besseren Wendung dieser Geschichte gewesen wäre. Wobei – das ist etwas, das jeder Zuschauer für sich selbst bedenken kann. Wir regen an, aber verteilen keine Botschaften … Unsere Aufgabe ist es, dem Publikum das Erlebnis eines ganz besonderen Theaterevents unter freiem Himmel zu verschaffen.

Von MAZ

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