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Brandenburg/Havel Tschetschenen-Bande im Visier: Großrazzia im Asylbewerberheim – Polizei nimmt fünf Verdächtige fest
Lokales Brandenburg/Havel Tschetschenen-Bande im Visier: Großrazzia im Asylbewerberheim – Polizei nimmt fünf Verdächtige fest
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16:53 09.05.2019
Eine Hundertschaft der Bereitschaftspolizei durchsuchte gemeinsam mit Kriminalisten das Asylbewerberheim Upstallstraße. Quelle: André Wirsing
Brandenburg/H

Um Punkt 6 Uhr am Donnerstag fuhr die Karawane mit mehr als 100 Polizisten in der Upstallstraße vor und löste große Unruhe unter den verstörten Anwohnern des Asylbewerberheims aus: Die Kriminalpolizei der Polizeidirektion West mit Unterstützung der Bereitschaftspolizei durchsuchte auf Grundlage richterlicher Beschlüsse das Übergangswohnheim in Brandenburg an der Havel. „Ziel der Maßnahmen war das Auffinden von Beweismitteln und die Vollstreckung von Haftbefehlen“, sagt Direktionssprecher Heiko Schmidt. Der Tross kam mit voller Ausstattung: Kriminaltechnik, das Besteck für den Erkennungsdienst, Transportboxen, Verpflegung, selbst den eigenen Toilettenwagen hatten die Polizisten dabei.

Die Aktion lief generalstabsmäßig ab: Die gekennzeichneten Einsatzwagen fuhren maximal in Dreier-Kolonne ohne Blaulicht, zudem waren Dutzende zivile Autos im Einsatz, so dass Beobachter keinen großen Verdacht schöpften. Vor dem Kasernengelände versammelten sich dann die Einsatzkräfte und fuhren in voller Kolonne aufs Gelände.

Eine Hundertschaft der Bereitschaftspolizei sowie Dutzende Kriminalisten waren im Einsatz. Sie hatten fahrbare Labore, Fahrzeuge des Erkennnungsdienstes und sogar einen eigenen Toilettenwagen dabei.

Die Überfall- und Raubserie im vergangenen Frühjahr sollte nicht so folgenlos bleiben, wie es in Teilen der Bevölkerung schon befürchtet worden war.

Verabredung zu Straftaten

Seit Anfang 2018 haben sich mehrere jugendliche und heranwachsende russische Staatsbürger, tschetschenischer Nationalität zu einer Gruppierung zusammengeschlossen, um in der Stadt Brandenburg in wechselnder Beteiligung Raubstraftaten, Körperverletzungs- und Diebstahlsdelikte zu begehen.

Ihr Ziel ist es, Bargeld und Mobilfunktelefone, Bekleidung und Fahrräder zu erbeuten, die sie selbst nutzten oder größtenteils verkauften. Nicht nur die Unterkunfts- und Gemeinschaftsräume wurden durchsucht, selbst die Fahrrad-Stellboxen nahmen die Polizisten genau unter die Lupe.

Insgesamt wird zu 84 Straftaten ermittelt. Aus informierten Kreisen heißt es, dass sich die Polizei erhofft, auch die Täter zu fassen, die im März 2018 einen Überfall in der Steinstraße verübten und im April einen 15-jährigen Jungen brutal zusammengetreten hatten.

Ermittlungsgruppe eingerichtet

Zur Aufklärung der bereits begangenen Straftaten und zur Verhinderung weiterer Straftaten wurde 2018 eine Ermittlungsgruppe, die „EG Kaukasus“, in der Kriminalpolizei der Polizeidirektion West gegründet, teilt Sprecher Heiko Schmidt mit. Zeitweise sah es so aus, als seien die Täter – vor allem die am Hauptbahnhof – nicht zu ermitteln, weil es sich als schwierig herausgestellt hatte, die Taten eindeutig den jeweils handelnden Personen zuzuordnen.

Der Einsatz wurde geleitet von Kripo-Chef Sven Mutschischk, dem die „EG Kaukasus“ unterstanden hatte. Es habe wochenlanger Vorbereitung für die detaillierte Einsatzplanung bedurft, heißt es. Der amtierende Direktionschef Andreas Wimmer war ebenfalls am Einsatzort.

Fünf Personen festgenommen

Gegen 9.15 Uhr begannen die Polizisten mit dem Einpacken, zuvor hatten sie fünf Menschen tschetschenischer Nationalität festgenommen und in Mannschaftsbullys abtransportiert. Gegen vier Menschen liegen Haftbefehle vor, heißt es aus Ermittlerkreisen.

Ob auch andere Beweismittel sowie Diebesgut beschlagnahmt wurden, ist bislang nicht bekannt. Schmidt sagte am Morgen nur: „Bei den Tatverdächtigen im Übergangswohnheim Brandenburg handelt es sich um zwei 19-Jährige und im Übergangswohnheim Letschin um einen 18- und einen 19-jährigen Asylbewerber.“

Am Nachmittag kam dann die Bestätigung von Polizei und Staatsanwaltschaft: Die Festgenommenen werden verdächtigt mehrerer Raubstraftaten in der Innenstadt, der schweren Körperverletzung am Hauptbahnhof am 13. April 2018, bandenmäßig begangener Fahrraddiebstähle in Brandenburg an der Havel und Potsdam sowie Automatenaufbrüchen und Körperverletzungen in und um Berlin. Es wurden Beweismittel sichergestellt, darunter drei hochwertige Fahrräder.

Abschiebungen durch die Ausländerbehörde habe es nicht gegeben, sagt der zuständige Beigeordnete Michael Brandt. „Beim Polizeieinsatz in der Unterkunft Upstallstraße handelt es sich um eine rein polizeiliche Maßnahme ohne Beteiligung der Ausländerbehörde. In solchen Fällen beschränkt sich die Tätigkeit der Behörde auf Unterstützung, falls weiterer Klärungsbedarf, zum Beispiel bei Identitätsfeststellungen besteht. Bisher gab es keine Anfragen dazu.“

Von André Wirsing

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