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Brandenburg/Havel Markthändler sind winterhart
Lokales Brandenburg/Havel Markthändler sind winterhart
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15:19 26.11.2018
Ines Thiede steht seit vier Jahren mit einem Obst- und Gemüsestand auf dem Katharinenkirchplatz. Sie ist immer zu festen Zeiten für ihre Kunden verfügbar und will das auch nicht ändern damit sie ihr treu bleiben .
Ines Thiede steht seit vier Jahren mit einem Obst- und Gemüsestand auf dem Katharinenkirchplatz. Sie ist immer zu festen Zeiten für ihre Kunden verfügbar und will das auch nicht ändern damit sie ihr treu bleiben . Quelle: Christine Lummert
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Brandenburg/H

Für ein neuerliches Verärgern der Markthändler vor allem in Nord und auf dem Katharinenkirchplatz sorgt eine Vertragsklausel zwischen der Stadt und der Marktbetreiberin Deutsche Marktgilde: Für Dezember und Januar ist kein offizielles Markttreiben vorgesehen. Das hieße im schlimmsten Fall, die Händler dürfen gar nicht da stehen, tun sie es doch, haben sie weder Wasser noch Strom und sie riskieren auch noch eine Strafe.

„Wir fühlen uns von der Stadt im Stich gelassen, warum hat es dann in den Vorjahren immer gut funktioniert“, fragt der Brielower Andreas Sauer, der mit seiner Gulaschkanone in Nord steht. Wenn die Verwaltung nun argumentiere, das Markttreiben in den beiden Wintermonaten sei bislang allenfalls geduldet worden, warum sei da keine Fortsetzung möglich. Die elf Händler, die außerhalb des Edeka-Areals auf der Marktgildenfläche stehen, seien nach seiner Kenntnis alle zum Durchmachen bereit.

Ärger gibt es auch in der Neustadt: „Wir Händler vom Katharinenkirchplatz haben uns mit den Betreibern des Weihnachtsmarktes geeinigt und dürfen uns im Dezember dort anschließen. Das hat schon im letzten Jahr gut funktioniert, zumal wir mit unseren Ständen weiter nach vorn an die Postsäule rücken und so mehr Laufkundschaft haben“, sagt Sven Ferchland, der auf dem Wochenmarkt Honig verkauft.

„Der Wochenmarkt auf dem Katharinenkirchplatz ist zwar für den Dezember und Januar nicht ausgeschrieben, in den letzten Jahren haben wir aber immer dort gestanden und die Stadt hat das auch geduldet“, sagt Heiko Huth. „Ich verstehe nicht, warum der Katharinenkirchplatz komplett für den Weihnachtsmarkt gesperrt wird. Dort werden keine Stände aufgebaut, der ganze Platz wird nur zum Parken für die Fahrzeuge der Schausteller des Weihnachtsmarktes blockiert und die nutzen das nur sehr wenig“, so Huth weiter, der einen Obst- und Gemüsestand betreibt.

„Die Stadt kann uns nicht einfach für zwei Monate in den Zwangsurlaub schicken“, sagt Sepp Steinbrecher von der Havelländischen Hofkäserei. „Wir sind selbstständig und verdienen mit dem Geschäft auf dem Markt unseren Lebensunterhalt.“

Eine Lösung soll es in dieser Woche geben. Oberbürgermeister Steffen Scheller (CDU) hat seinen Stabschef Karl-Heinz Erler losgeschickt, mit dem klaren Auftrag, „eine für alle annehmbare Lösung zu finden“. „Es gab bereits erste Gespräche mit Vertretern der Markthändler. Am Donnerstag wird mit der Gewerbeaufsicht im Ordnungsamt über Sondernutzungserlaubnisse gemäß Paragraph 18 des Brandenburgischen Straßengesetzes verhandelt. Dann sollte es schnell gehen“, ist Erler optimistisch.

Warum die ganzen Verrenkungen? Die so genannte Marktfestsetzung ist eine hoheitliche Aufgabe der Stadt, sie ist auch im Konzessionsvertrag mit der Deutschen Marktgilde so vereinbart. Erlass und Vertrag können nicht einfach so geändert werden, es stehen derzeit nur die Monate Februar bis November drin. Ob das so geregelt wurde, um beispielsweise den Weihnachtsmarkt vor „Konkurrenz“ zu schützen, beantwortet niemand. Aber es gibt noch andere Voraussetzungen für die Marktfestsetzung: Beispielsweise ist pro Marktstandort eine Mindest-Händlerzahl von zwölf festgelegt, geduldet wird eine Untergrenze von acht Händlern – fraglich, ob die in den Wintermonaten zusammenkommen. Nun also der angestrebte Kompromiss: Es gibt Markttreiben, das darf aber nicht Markt heißen. Jeder Händler füllt ein Formular aus und trägt darin die Tage und Zeiten ein, zu denen er verkaufen will. Die Behörde genehmigt die Sondernutzung für die jeweiligen Dezember- und Januartage. Und die Deutsche Marktgilde hat sich bereit erklärt, die Händler auch mit Strom zu versorgen. Hätte man alles auch einfacher haben können.

Von Christine Lummert

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