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Brandenburg/Havel Die halbe Stadt Brandenburg könnte Solarstrom erzeugen
Lokales Brandenburg/Havel Die halbe Stadt Brandenburg könnte Solarstrom erzeugen
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08:11 28.10.2019
Brandenburgs Dächer haben Potenzial. Die Mitstreiter der Bürgersolaranlage Brandenburg/Havel wissen das seit mehr als zwölf Jahren. Quelle: Heike Schulze
Brandenburg/H

Eigentlich schade. Vor knapp einem Jahr hatte eine Forschergruppe der Technischen Hochschule Brandenburg (THB) aufgezeigt, wie umfangreich in der Stadt Solarstrom zu erzeugen wäre.

Die Ergebnisse haben zwar hier und da Interesse hervorgerufen. Nicht aber bei den Politikern in Brandenburg/Havel. Weil zudem Berlin bessere Rahmenbedingungen für weitergehende Forschung bietet als das Land Brandenburg, haben die Geoinformatiker Brandenburg verlassen und sich auf die Hauptstadt orientiert.

20 000 Dächer

Zur Erinnerung: Die mit europäischen Efre-Mitteln und Geld der THB geförderten Mitarbeiter des Projekts „PreLytica“ hatten im vergangenen Jahr untersucht, inwieweit sich die Dächer der Stadt dazu eignen, mit entsprechenden Anlagen elektrischen Strom aus Sonnenlicht zu erzeugen.

Blick über die Dächer der Brandenburger Neustadt. Quelle: Rüdiger Böhme

Das Ergebnis ist zumindest für Laien erstaunlich. Rund 20 000 von etwa 47 000 Dächern in Brandenburg/Havel sind demnach für die Installation von Solaranlagen geeignet. Rund 3,3 Millionen Quadratmeter also, je zur Hälfte etwa geneigte Dächer und Flachdächer.

42 Prozent der Dächer der Stadt einschließlich aller Ortsteile wären tauglich für Solarzellen, erläuterte seinerzeit Stefan Rieder, Mitarbeiter des Projekts, das unter der Leitung von Professor Robert Franz am Fachbereich Wirtschaft der THB läuft.

Geneigte Dächer besser geeignet

Berücksichtigt wurden dabei nicht nur die individuellen Dachformen, sondern auch Verschattungen aufgrund von Vegetation, Nachbargebäuden oder Dachaufbauten.

Knapp 350000 Kilowatt Leistung könnten auf Brandenburgs Dächern installiert werden, 75 Prozent davon würden auf die besser geeigneten geneigten Dächer entfallen.

Der errechnete Stromertrag aller Dächer würde bei 289 000 Megawatt liegen, nach dem Rechenmodell ausreichend für mehr als 190000 Menschen. 133000 Tonnen umweltbelastendes Kohlendioxid ließen sich sparen – zumindest in der Theorie.

Rückmeldungen von Bürgern

„Zum Solarpotenzial der Stadt Brandenburg gab es sehr unterschiedliche, aber stets positive Resonanz“, berichtet Stefan Rieder rückblickend. Ihn und seine Mitstreiter erreichten Anrufe von Bürgern und Mitteilungen von Bürgerenergie-Genossenschaften.

Rieder: „Allen gemein war das Interesse an den erschaffenen Daten und der Wunsch, Projekte dieser Art auszuweiten und prominenter zu platzieren.“

Nicht die Schlagkraft

Von öffentlichen Stellen sind dagegen keine Reaktionen zu ihm durchgedrungen. „Ich vermute, dass unser kleines Projekt trotz der interessanten Auswertungen nicht die dafür notwendige Schlagkraft hatte“, erklärt sich der Geoinformatiker das verhaltene politische Interesse.

Die Wissenschaftler der THB wünschten sich zum Zeitpunkt ihrer Studie Daten für das ganze Bundesland. Doch Brandenburg war an dieser Stelle noch nicht so weit wie Berlin und Nordrhein-Westfalen.

Stromgewinn auf Dächern der THB

Die Technische Hochschule Brandenburg (THB) nutzt einen Teil ihres Solarstrompotenzials, berichtet Stefan Rieder.

Die Dächer des Zentrums für Informatik und Medien sowie auf einem Gebäude des Studentenwohnheims sind bereits vollständig mit Photovoltaik-Anlagen genutzt. Das Wohnheim bringt mit 2700 Quadratmetern geeigneter Fläche etwa 131 000 Kilowattstunden jährlichen Stromertrag.

Die Backsteinbauten sind für eine sinnvolle Anlagengröße aufgrund der vielen Gauben zu sehr verwinkelt und stehen unter Denkmalschutz, was eine Nutzung schwierig macht.

Auf den Dächern der Bibliothek, dem Studentenwohnheim und dem IWZ gibt es noch ungenutztes Potenzial. Wirtschaftliche oder statische Gründe könnten dort allerdings gegen eine Nutzung sprechen.

Das IWZ hat knapp 3000 Quadratmeter geeignete Dachfläche. Theoretische wären 70 kWp installierbar mit etwa 71 000 Kilowattstunden jährlichem Stromertrag.

Bei der Bibliothek müsste geprüft werden, ob sich der Großteil der Ost-West-Dächer zum Verbrauch passt und wirtschaftlich zu betreiben wäre.

Theoretisch denkbar sind laut Stefan Rieder gut 100 000 Kilowattstunden Strom pro Jahr.

Erst später habe die Landesregierung die Initiative ergriffen und im Februar 2019 positive Änderungen in die Wege geleitet.

Damit liegt Brandenburg zwar vor den meisten Bundesländern, aber Stefan Rieder sammelt seine Daten inzwischen außerhalb der Landesgrenzen. Das Solarpotenzial Berlins ist nach den Erkenntnissen des Master-Geoinformatikers, ins Verhältnis gesetzt, weniger groß als in Brandenburg/Havel.

Von Jürgen Lauterbach

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