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Brandenburg/Havel Haupttäter aus Tschetschenien schon abgeschoben?
Lokales Brandenburg/Havel Haupttäter aus Tschetschenien schon abgeschoben?
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16:59 10.05.2019
Die Polizei mit Großaufgebot am Donnerstag vor dem Aslybewerberheim in der Upstallstraße. Quelle: Polizei Brandenburg
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Brandenburg/H

Der brutale Überfall auf den Brandenburger Schüler Florian scheint aufgeklärt. Doch der mutmaßliche Haupttäter, ein 19 Jahre alter Tschetschene, wurde nach aktuellen Angaben der Polizei bereits im November 2018 aus Polen in sein Heimatland abgeschoben.

Die Polizei bezieht sich auf die Aussage eines Komplizen, der seinen Landsmann bezichtigt, dem damals 15 Jahre alten Brandenburger Florian die schweren Kopfverletzungen am 13. April 2018 am Hauptbahnhof Brandenburg/Havel beigebracht zu haben.

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Drei von vier Festgenommenen sagen aus

Der neue Erkenntnisstand ergibt sich nach den Razzien am Donnerstag in zwei Asylbewerberunterkünften in Brandenburg/Havel und Letschin (Märkisch-Oderland). Dabei hatte die Polizei vier Verdächtige einer Bande festgenommen.

Inzwischen hat die Kriminalpolizei der Polizeidirektion West die zuvor mit Haftbefehl gesuchten jungen Männer aus Tschetschenien vernommen, berichtet Polizeisprecher Heiko Schmidt. Festgenommen habe die Polizei einen 19-Jährigen in Brandenburg/Havel, einen 19-Jährigen in Prenzlau sowie einen 18-Jährigen und einen 19-Jährigen in Letschin.

Mit Ausnahme des 19-jährigen Beschuldigten, der in Prenzlau festgenommen wurde, äußerten sich die drei anderen Festgenommenen umfangreich zu einer Vielzahl von Straftaten, die ihnen vorgeworfen werden. Diese Aussagen werden jetzt durch die Kriminalpolizei weiter ausgewertet.

Dabei konnte laut Polizeisprecher Schmidt insbesondere die schwere Körperverletzung vom 13. April 2018 am Brandenburger Hauptbahnhof aufgeklärt werden.

Namentlich bezichtigt

Der am Donnerstag in Letschin festgenommene 18-Jährige gab in seiner Vernehmung an, gemeinsam mit einem 19-jährigen Tschetschenen sowie weiteren jungen Männern an der Tat gegen Florian und seinen ein Jahr jüngeren Freund Ricardo beteiligt gewesen zu sein.

Den 19 Jahre alten Landmann bezichtigte er namentlich. Dieser Tschetschene soll verantwortlich sein für Florians schwere Kopfverletzungen. Doch heißt es, Polen habe diesen Mann vor einem halben Jahr in sein Heimatland abgeschoben.

Ob die Justiz seiner habhaft werden kann und Chancen hat, ihn in Brandenburg vor Gericht zu stellen, möchte Markus Nolte, Sprecher der Staatsanwaltschaft Potsdam, „aus ermittlungstaktischen Gründen“ nicht sagen.

Europäisches Auslieferungsabkommen

Russland gehört zu den Mitgliedstaaten des Europäischen Auslieferungsabkommens des Europarates. Demnach würde eine Pflicht zur Auslieferung bestehen bei Straftaten, die sowohl in Deutschland als auch in Russland mit einer Freiheitsstrafe von mindestens einem Jahr oder mit einer schwereren Strafe bedroht sind.

Für zwei der festgenommen vier Männer liegen inzwischen richterliche Haftbefehle vor. Nach ihren Vernehmungen und Anhörungen wurden die beiden 19-Jährigen, die in Brandenburg und Prenzlau festgenommen worden sind, bereits am Donnerstag ins Gefängnis gebracht.

Die Vorführung der beiden in Letschin festgenommenen Männer vor dem Haftrichter erfolgt am heutigen Freitag.

Vorgeschichte

Zur Vorgeschichte am Donnerstag: Mit einem Großaufgebot von 125 Beamten hatte die Polizei um 6 Uhr das Asylbewerberheim in der Upstallstraße in Brandenburg/Havel durchsucht. Zeitgleich griffen mehr als 100 Kriminalbeamte und Bereitschaftspolizisten in einer Flüchtlingsunterkunft in Letschin (Märkisch-Oderland) zu.

Lesen Sie mehr hier: https://www.maz-online.de/Lokales/Brandenburg-Havel/Grossrazzia-im-Asylbewerberheim-Upstallstrasse

Von Jürgen Lauterbach

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