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Brandenburg/Havel Teuflischer Reiseführer durch Deutschland
Lokales Brandenburg/Havel Teuflischer Reiseführer durch Deutschland
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19:21 22.09.2018
Auf dem Königsmarck-Epitaph von 1621 im Brandenburger Dom sieht man eine Darstellung des Höllenschlundes, in den die verderbten Seelen geschoben werden. Das Epitaph erinnert an den Domdechanten Adam von Königsmarck.
Auf dem Königsmarck-Epitaph von 1621 im Brandenburger Dom sieht man eine Darstellung des Höllenschlundes, in den die verderbten Seelen geschoben werden. Das Epitaph erinnert an den Domdechanten Adam von Königsmarck. Quelle: Heiko Hesse
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Brandenburg/H

Leser können ab sofort in die Hufstapfen des Teufels treten. In 112 Geschichten ist MAZ-Redakteur Heiko Hesse der diabolischen Spur durch ganz Deutschland gefolgt. Unter dem Titel „Teuflische Orte, die man gesehen haben muss“ hat der Autor aufgeschrieben, wo der Beelzebub einst sein Unwesen trieb. Oder zumindest wo die Leute heute noch erzählen, dass es so gewesen ist.

Entstanden ist ein Reise- und Kulturführer, der in jedem Bundesland Station macht. Vom kleinen Dorf bis zur Millionen-Metropole, von einsamen Landschaften bis zur beliebten Touristen-Destination – wer mit dem Buch im Reisegepäck unterwegs ist, wird oft fündig. Oder lässt sich schon zu Hause für einen Ausflug inspirieren.

Ohne bedeutungsschwere Symbolzahl

Natürlich gibt es zwischen Flensburg und Garmisch, Bautzen und Aachen noch viel mehr als die 112 aufgeführten Orte, die den Leibhaftigen im Namen führen. 666 Geschichten wären sicher auch zusammengekommen. Auf die bedeutungsschwere Symbolzahl hat der Autor aber lieber verzichtet. Besser wäre es, noch einen weiteren Band mit teuflischen Orten zusammentragen, als dem wanderfreudigen Leser zu viel aufzubürden.

Lesungen in der Region

An mehreren Orten stellt der Autor sein Buch vor. In der Region ist er unter anderem am 17. Oktober um 19.30 Uhr in der Theaterklause in Brandenburg an der Havel zu erleben.

Im Heimatmuseum Treuenbrietzen ist Heiko Hesse mit den teuflischen Orten am 1. November um 19 Uhr zu Gast.

Das Kulturzentrum Rathenow besucht er am 7. November. Im Großen Clubraum geht es um 19.30 Uhr los.

Schließlich weiß Heiko Hesse aus eigener Erfahrung, wie schwer manch bekannte Ausflugsorte zu erreichen sind. „Der Weg hinauf zum Brocken über den sogenannten Teufelsstieg hat seinen Namen vor allem aufgrund der letzten drei steil ansteigenden Kilometer durchaus verdient.“ Am Ende belohnte der Ausblick für die Strapazen und außerdem war die Idee zum Buch geboren.

Autor Heiko Hesse besucht den Teufel auf dem Hexéntanzplatz in Thale im Harz. Quelle: privat

Das der Teufel gern im Harz unterwegs war, hat schon Goethe gewusst. Luthers Wartburg-Episode und Auerbachs Keller sind genauso vertreten, wie der Kölner Dom, die Münchener Frauenkirche, der Hamburger Michel, der Loreley-Felsen oder der Betzeberg in Kaiserslautern. An der Ostsee und in den Alpen hat der Inbegriff für das Böse ebenfalls die Sagensammler und Ortschronisten beschäftigt.

Bevor der Blick aber zu ferneren Teufelsbrücken, -bergen und -abbildern schweift, kann der Leser sich auch in der näheren Umgebung auf diabolische Spurensuche begeben. Bad Belzig und Brück, Brandenburg an der Havel und Potsdam, Kloster Lehnin und Friesack liegen ebenfalls auf des Teufels Landkarte und bisher sind viele dieser kleinen Geschichten nur in einem engen lokalen Kreis bekannt.

Der Sage nach hat ein wütender Teufel den Mühlstein geworfen, der in den Kirchturm in Rottstock (Brück, Mittelmark) eingeschlagen ist. Tatsächlich gibt es keine nachgewiesene Erklärung für den Stein im Turm. Quelle: Heiko Hesse

Wer wusste denn bisher, dass der Teufel seine Spuren in der Rottstocker Kirche hinterlassen hat. Schuld daran ist ein Müller aus dem Nachbardorf Gömnigk, der für Glück und Geld seine Seele einst dem Teufel verkauft hat. Diesen Deal haben schon viele Spielernaturen versucht.

Als Moral von der Geschichte müsste als Lehrbeispiel dem habgierigen Müller jetzt die ewige Verdammnis sicher sein. Umkehr hilft aber auch noch in der letzten Minute. Die findet der reuige Sünder natürlich in den Armen der Kirche, nämlich der in Rottstock. Die entgangene Seele versetzte den Teufel so in Wut, dass er einen Mühlstein auf das Das Gotteshaus schleuderte. Und da steckt er natürlich heute noch.

Info: Heiko Hesses Buch „Teuflische Orte, die man gesehen haben muss“ ist im bebra-verlag erschienen, hat 240 Seiten und kostet 18 Euro.

Von Christine Lummert