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Brandenburg/Havel Helfer-Netzwerk ist eine Erfolgsgeschichte
Lokales Brandenburg/Havel Helfer-Netzwerk ist eine Erfolgsgeschichte
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15:18 14.03.2018
Werner Jumpertz ist ehrenamtlicher Flüchtlingskoordinator zwischen Verwaltung, Hilfsorganisationen und Freiwilligen. Quelle: Ruediger Boehme
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Brandenburg/H

„Ein Dank für etwas, das man nicht kaufen kann.“ Pfarrer Jens Meiburg mag gar nicht nach der Motivation unterscheiden – ob bürgerschaftliches Engagement oder christliche Nächstenliebe. Das Flüchtlingsnetzwerk aus Ehrenamtlichen und Professionellen in Brandenburg an der Havel ist eine Erfolgsgeschichte.

Im Dezember 2014 haben sich Gemeindemitglieder von Sankt Katharinen sowie Sankt Gotthardt und Christus zusammengefunden, „40 Leute ohne Ahnung von dem, was auf sie zukommt“. Heute sind es mehr als 200 Helfer, Unterstützer und Vermittler, die sich engagieren. Sei es in der Tanztherapie für traumatisierte Frauen, in einem der Sportvereine oder im Dolmetscherverein. „Wenn wir es schaffen, den Arzt, den Übersetzer und den zu behandelnden Geflüchteten zur selben Zeit zusammenzubringen, ist es schon ein Glück auf Erden“, witzelt Initiatorin Sabine Harms.

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Neben den Menschen, die ihr Können und ihre Freizeit aktiv einsetzen, gebe es auch die täglichen Kleinigkeiten, die ihm Mut machen, sagt Andreas Griebel, Chef des DRK-Kreisverbandes, der das Gros der Flüchtlinge betreut. „In der Einwohnerversammlung zur Notunterkunft in Kirchmöser gab es jede Menge, Fragen, Ängste und Zweifel. In der Situation standen zwei Frauen auf und fragten, wie können wir denn helfen. Das hat die Stimmung zum Guten verändert.“ Oder beim Einrichten der Nicolaischule, die genauso wenig als Unterkunft geeignet war wie das alte Fabrikgebäude. „Als sie hörten, dort leben Familien, kamen viele Menschen vorbei und brachten Spielzeug und einen Spielteppich und Plüschtiere, damit es wohnlich wird und die Kinder sich beschäftigen können. Das sind Momente, in denen auch wir Profis denken, wow, jetzt kann es gut werden.“

Oberbürgermeisterin Dietlind Tiemann (CDU) freut sich darüber, dass es in Brandenburg an der Havel bedeutend besser lief als in anderen Städten, weil die ganz große Mehrheit der Menschen den Fremden wohlgesonnen sei und weil Verwaltung mit Hilfsorganisationen und Ehrenamtlern unbürokratisch zusammengearbeitet habe. „Immer wenn die große Politik sich zu etwas durchgerungen hatte, war dies hier schon erledigt – seien es die Kinderbetreuung, die Begrüßungsklassen oder das Integrieren in den Sportvereinen gewesen.“

Doch gibt es immer noch Hemmnisse und Schwierigkeiten. So berichtet Bärbel Böer vom Diakonischen Werk, dass es vermehrt Zuzüge von Geflüchteten aus dem Landkreis gebe. „Es ist klar, hier gibt es preiswerten Wohnraum und eine gute Zugverbindung nach Berlin. Doch wir haben den höheren Betreuungsaufwand.“ Jürgen Reichel aus Brielow kümmert sich in Zusammenarbeit mit dem DRK um eine fünfköpfige syrische Familie, „Willkommensklassen sind ja schön, aber jede Schule handhabt das anders. Wir brauchen einheitliche Standards.“

Birgit Gericke von der Berlin-Brandenburgischen Auslandsgesellschaft moniert, dass es beim Erarbeiten eines neuen Integrationskonzeptes immer noch hakt. Man warte immer noch auf Fördermittel, sagt der Sozialbeigeordnete Wolfgang Erlebach (Linke).

Von André Wirsing

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