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Brandenburg/Havel Herbst 89: So verlief die friedliche Revolution in Brandenburg an der Havel
Lokales Brandenburg/Havel Herbst 89: So verlief die friedliche Revolution in Brandenburg an der Havel
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17:50 23.08.2019
Die Ausstellung „Herbst 89" in der Katharinenkirche zeigt sieben Lebenswege von Brandenburgern, die mit den Ereignissen zur Wendezeit verbunden sind. Quelle: Rüdiger Böhme
Brandenburg/H

Donnerstag, 9. November 1989, 20 Uhr. Auf den Fernsehbildschirmen läuft die Erkennungsmelodie der Tagesschau – „DDR öffnet Grenze“ lautet die Topmeldung.

30 Jahre später zeigen die Rückblicke auf den Mattscheiben vor allem Frauen und Männer, die sich erst ungläubig, dann euphorisch an den Berliner Grenzübergängen zwischen Ost und West einfinden. Es ist geschafft: tausende Menschen erzwangen bei der sogenannten „friedlichen Revolution“ die Öffnung der Übergänge.

Und plötzlich ist alles anders

Ob Lehrerin, Ingenieur im Stahl- und Walzwerk, Theologin oder Bürgermeister – die friedliche Revolution 1989/90 veränderte natürlich auch das Leben der Menschen in Brandenburg an der Havel innerhalb weniger Monate vollkommen.

Freiheit und die Überwindung von Grenzen: die Wende veränderte 1989 das Leben der Havelstädter komplett. Die Ausstellung „Herbst ’89“ macht die Veränderungen anhand von Einzelschicksalen greifbar.

Aber wie konkret sahen diese Veränderungen aus? Das zeigt nun die Ausstellung „Herbst ’89 –Brandenburg während der Friedlichen Revolution“ bis zum 6. Dezember in der St. Katharinen-Kirche in der Havelstadt.

Die Ausstellung lässt dazu Havelstädter in die Zeit sowie an die Orte der Wende in ihrer Stadt zurückkehren und zeigt anhand von fotografischen und schriftlichen Porträts, welche Türen der Umschwung für sie geöffnet, aber auch verschlossen hat.

Die Folgen der politischen Umwälzungen

Zudem geht die Ausstellung auf die Frage ein, was die politischen Umwälzungen bis heute für die Menschen bedeuten – allerdings nicht nur für sie, sondern auch für die Havelstadt.

„Sichtbar ist, was der Herbst 1989 in der Stadt veränderte“, sagt die Jugendpfarrerin der Region Brandenburg, Ulrike Mosch. „Nicht sichtbar sind jedoch die Veränderungen in den Biographien der Menschen.“

Die Jugendpfarrerin eröffnete gemeinsam mit dem Superintendenten des Evangelischen Kirchenkreises Mittelmark-Brandenburg, Siegfried-Thomas Wisch, der Landesbeauftragten zur Aufarbeitung der Folgen der kommunistischen Diktatur in der DDR, Maria Nooke sowie Juliane und Maria Menzel, Autorinnen der Ausstellung, selbige am Donnerstag im Gotteshaus.

Sieben Einzelschicksale der Wende

Mit Hilfe von sieben Einzelschicksalen bringt die Ausstellung jedoch das Unsichtbare zum Vorschein. So erfahren die Besucher beispielsweise aus der Sicht von Irmgard Kyritz, die 1957 als Näherin im VEB Brandenburger Kinderbekleidung (Braki) ihre Arbeit begann, von den Veränderungen in den Arbeitsabläufen des Betriebes in den Zeiten der Wende.

Oder vom Stahlwerker-Ehepaar Christina und Bernd Schulze, welches aktiv an der Friedlichen Revolution teilnehmen wollte, und dazu trotz des Wissens um Beobachtung Kontakt mit einer Bürgerrechtlerin in Berlin aufnahm.

Außerdem erzählt der ehemalige Gefängnisseelsorger der Strafvollzugseinrichtung Brandenburg, Johannes Drews, unter anderem von den Sorgen der damaligen Insassen davor, im Prozess der Wende vergessen zu werden.

Von dem politischen Umschwung weiß Helmut Schliesing zu berichten, der 1989 Gründungsmitglied der SDP war, welche wenig später in die SPD überging. Schliesing wurde außerdem 1990 zum Oberbürgermeister der Stadt gewählt, ein Amt, das er insgesamt zwölf Jahre innehatte.

Die Ursachen sind ausschlaggebend

„Ein Rückblick darauf, was die Bürger damals bewegte, ist wichtig“, mahnt Landesbeauftrage Nooke, welche sich beeindruckt von der Ausstellung zeigte. „Denn man muss sich stets in Erinnerung rufen, für welche Ziele gekämpft wurde und warum die Leute auf die Straße gingen.“ Das seien ganz klar Freiheitsrechte und die Überwindung von Grenzen gewesen.

Der Ausgang der Revolution schien jedoch für viele überraschend: „Wir haben bei den Recherchen zur Ausstellung immer wieder das Zitat gehört, dass sich die Leute für ihre Zukunft und ihr Land etwas anderes vorgestellt haben“, gesteht Juliane Menzel. „Sie seien jedoch froh, mitgemacht zu haben, denn eins ist sicher: jetzt geht es ihnen gut.“

Die Ausstellung „Herbst `89 – Brandenburg während der Friedlichen Revolution“ öffnet bis zum Oktober von Montag bis Samstag von jeweils 10 bis 16 Uhr in der St. Katharinen-Kirche, am Sonntag zwischen 13 und 16 Uhr. Von November bis Dezember öffnet die Ausstellung von Montag bis Samstag zwischen 11 und 15 Uhr, Sonntags zwischen 13 und 15 Uhr.

Von Tobias Wagner

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