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Brandenburg/Havel Mehr als 1000 Pakete unterschlagen: Hermes-Bote zu Gefängnis ohne Bewährung verurteilt
Lokales Brandenburg/Havel Mehr als 1000 Pakete unterschlagen: Hermes-Bote zu Gefängnis ohne Bewährung verurteilt
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22:10 30.07.2019
Der Angeklagte (vorn rechts) kurz vor der Urteilsverkündung des Schöffengerichts Brandenburg/Havel. Quelle: Jürgen Lauterbach
Brandenburg/Havel

Drei Jahre und zwei Monate soll der 36 Jahre alte Paketbote aus dem Havelland ins Gefängnis. Das Urteil des Schöffengerichts Brandenburg/Havel von diesem Dienstag ist aber noch nicht rechtskräftig.

Verurteilt wurde der vielfach vorbestrafte Angeklagte aus drei Gründen. Zum einen wegen Verletzung des Post- und Fernmeldegeheimnisses.

929 Pakete sind Spitze des Eisbergs

Der 36-Jährige hat an 73 Tagen zwischen Februar 2018 und Januar 2019 wechselnde Mengen von Paketsendungen nicht zugestellt, was als Hermes-Bote sein Job gewesen wäre. Die in der Anklage berücksichtigten 929 Pakete sind nach Auffassung des Gerichts „nur die Spitze des Eisbergs“.

Einige Pakete waren sogar geöffnet. Den geschätzten Wert des Inhalts soll der Angeklagte bezahlen: 5500 Euro. Quelle: Polizei Brandenburg

Der Angeklagte hortete die Waren, die überwiegend für Kunden in Hohenstücken, Nord und auf dem Görden gedacht waren, bei sich und ohne deren Wissen bei seiner Freundin und seinem Großvater in Brandenburg/Havel und im Havelland.

Lesen Sie mehr zu den vorgeworfenen Taten hier und zu den Erklärungen des Angeklagten hier.

Eine Reihe von Sendungen mit einem Wert von rund 5500 Euro öffnete er sogar. Dafür muss er dem Urteil zufolge nun bezahlen.

Freundin zusammengeschlagen

Die zweite Straftat: Am 30. September 2018 traktierte er seine Freundin in deren Wohnung in Kirchmöser mit Fäusten und mit seinem Knie. Er fügte ihr erhebliche Verletzungen im Gesicht und am Oberkörper zu.

Das dritte Verbrechen: Er handelte nach Überzeugung des Gerichts mit Rauschgift. Die Polizei entdeckte während seiner Festnahme große Mengen von Cannabis und Amphetaminen.

Staatsanwalt fordert acht Monate mehr

Das Brandenburger Schöffengericht bleibt mit seinem Urteil acht Monate unter dem Strafantrag des Staatsanwalts. Richterin Susanne Götsche bescheinigt dem einstigen Paketzusteller am Dienstag triefendes Selbstmitleid. Er suche die Schuld nicht bei sich, sondern stets bei anderen. „Sie möchten, dass alle um sie herumtanzen“, sagt sie.

Die Richterin glaubt dem Angeklagten durchaus, dass er mit seinem Leben, seiner Beziehung und seiner Arbeit nicht zurechtgekommen sei. Die Arbeit eines Zustellers, der pro Tag 120 Sendungen und mehr zustellen müsse, sei gewiss hart und anstrengend. Und wohl auch schlecht bezahlt.

Doch das und der Umstand, dass sein ganzes Verhalten wohl auch etwas mit seinem Drogenkonsum zu tun hat, rechtfertige nicht, Pakete zurückzuhalten und „bei der Freundin, dem Opa und sich selber in den Keller zu packen“.

Dem Angeklagten platzt der Kragen

Als die Richterin die Abmahnungen wegen seines zu späten und betrunkenen Erscheinens am Arbeitsplatz zur Sprache bringt, platzt Sven N. das erste Mal der Kragen. „Ich kann mir die Scheiße nicht mehr anhören“, raunt er durch den Gerichtssaal.

Seine Laune wird im weiteren Verlauf der Urteilsbegründung noch schlechter. Nämlich als die Richterin schildert, wie er sein Knie in den Oberkörper seiner Freundin gedrückt und auf sie eingeprügelt habe.

Vor allem wird er sauer, weil das Gericht ihm nicht glauben will, dass die bei ihm aufgefunden 179 Gramm Marihuana und die 480 Gramm nur für den Eigenbedarf gedacht gewesen seien und er gar nicht mit Drogen handele.

„Rumzicken im Gericht“

Die behaupteten zwei Euro Einkaufspreis pro Gramm nimmt das Gericht ihm ebenso wenig ab. Susanne Götsche hat schon in vielen Brandenburger Drogenprozessen das Urteil gesprochen und kennt daher die Preise auf dem illegalen Drogenmarkt in Brandenburg/Havel und Umgebung.

Als die Richterin darauf hinweist, triumphiert Sven N. kurz und stänkert. „Da sehen Sie mal, wie lange Sie schon falsche Entscheidungen treffen“, ruft er in den Saal.

Die Schöffenrichterin bleibt ruhig und zeigt sich sogar etwas dankbar für dieses „Rumzicken im Gericht“. Denn es bestätige die mangelnde Einsicht der Angeklagten in seine Schuld.

Therapie zwecklos

In seinem Schlusswort hatte der Angeklagte gesagt, dass bei ihm wohl eine Therapie sinnvoll wäre. Die Richterin äußert Zweifel. Denn was soll ein Therapeut bewirken, wenn jemand die Schuld nicht bei sich, sondern bei anderen sucht.

Von Jürgen Lauterbach

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