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Brandenburg/Havel Junge Störche kämpfen ums Überleben: Ein ganzes Dorf bangt mit
Lokales Brandenburg/Havel Junge Störche kämpfen ums Überleben: Ein ganzes Dorf bangt mit
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12:58 27.06.2019
Vier der fünf Jungen sind zu sehen. Die Elterntiere haben sich wie in jedem Jahr in ihrem bewährten Storchennest in Gollwitz eingerichtet. Fünf junge Störche gab es noch nie. Quelle: JACQUELINE STEINER
Gollwitz

Für Angelika und Bernd Kliezek aus dem Brandenburger Ortsteil Gollwitz beginnt der Tag um 4 Uhr morgens. Denn um diese Uhrzeit hören sie das Klappern der Weißstörche. So viele wie noch nie bevölkern das Nest im Garten der Familie. Zwei Elterntiere und die fünf Jungen mit den noch schwarzen Schnäbeln.

„Fünf Jungtiere sind äußerst selten“, erklärt Hans Butenschön, der ebenfalls in Gollwitz lebt und vor einigen Jahrzehnten der Biologielehrer von Bernd Kliezek war.

Angelika und Bernd Kliezek haben viel Freude an ihren Störchen und unterstützen sie nach Kräften. Quelle: JACQUELINE STEINER

Normal wären zwei bis vier Storcheneier. Im Gollwitzer Horst lagen im Frühjahr ursprünglich sogar sieben Eier. Zwei haben die Alten aus dem Nest befördert. Fünf haben die beiden ausgebrütet, sodass am 1. Juni fünf kleine Vögel geschlüpft sind.

Es gibt also einen Haufen Arbeit für das Storchenpaar, den beiden ganz alten Bekannten der Familie Kliezek. „Seit 22 Jahren leben wir hier und so lange bevölkern unsere beiden Weißstörche schon ihr Nest“, erzählt Bernd Kliezek, der als Junge in Gollwitz aufgewachsen ist. An der Art des Klapperns erkennt das Ehepaar inzwischen längst, ob Feinde nahen.

Hitze ist gefährlich

Jedes Jahr kehrt das horsttreue Storchenpaar im März aus dem Winterurlaub im sonnigen Süden in das heimische Nest in luftiger Gollwitzer Höhe zurück, um sich dort um die Erhaltung der Art verdient zu machen. Das Männchen kommt in der Regel zwei Tage früher und macht den Horst dann schon einmal wohnlich.

„Beide Partner bebrüten ihre Eier 33 bis 34 Tage lang und füttern die Jungtiere, bis sie nach ungefähr zwei Monaten flügge sind“, erklärt Hans Butenschön.

Leider kann man sich nicht darauf verlassen, dass die Elterntiere die heile Dorfwelt angesichts der großen Hitze und Trockenheit bewahren. „Wenn nicht genügend Futter für alle bleibt, können die Störche noch immer eines der Jungtiere verstoßen. „Die Natur kann grausam sein“, weiß der pensionierte Biologie- und Chemielehrer.

Frühstück im Hühnerstall

Familie Kliezek und auch andere Leute im Ort tun in diesen Tagen alles, damit die Familie komplett bleibt. Der Hühnerstall ist immer offen für das stolze Elternpaar. In der Frühe picken sich beide reichlich Hühnerfutter vom Boden, vornehmlich Kartoffeln.

Die Storcheneltern sind außerdem wohl vertraut auch mit den anderen Hühnerställen ihrer Heimat. „Sie kennen hier im Ort alle Hühner“, versichert Hans Butenschön.

Frischer Fisch vom Angler

Gut gefrühstückt machen sich die Alten an ihr Tagewerk, schaffen Wasser und Futter aus dem nahen Erdeloch heran. Weil es für fünf hungrige Schnäbel nicht immer reicht, bekommt die Storchenfamilie Zusatzrationen.

Vater bringt Futter. Quelle: JACQUELINE STEINER

Bernd Kliezek ist Angler. Jeden zweiten Tag deponiert er frischen Fisch, säuberlich zerteilt, vor dem Horst. Wenn er verhindert ist und auch sonst, legen andere Angler aus Gollwitz den Dorfstörchen ihren Fang zu ihren Füßen. Bisher ist alles gut gegangen, alle fünf Jungtiere gedeihen.

Etwa fünf Wochen müssen Mensch und Tier noch durchhalten. Dann werden die Alten mit ihren Schnäbeln auf das Dach der Scheune picken, um ihre Kleinen zum Fliegenlernen zu animieren. Denn spätestens Anfang August müssten sie flügge werden.

Das Ehepaar Kliezek und Mutter Gertrud kennen diesen Ablauf schon seit Jahren – nur eben nicht mit so vielen Jungtieren wie diesmal. Oft sitzen sie auf der Bank in ihrem Garten und beobachten das Geschehen in der Luft.

Fliegen lernen

Gertrud Kliezek fasst ihre Sicht so zusammen: „Wir leben hier im Paradies mit den Störchen.“ Da ist auch aus Sicht des Biologen etwas dran.

„Wo es Störche gibt, ist die Natur noch halbwegs in Ordnung“, erklärt Hans Butenschön. Der Lebensraum der Tiere, die offene Landschaften mit extensiv genutzten feuchten Wiesen und Teichen mögen, wird mit der Entwässerung ganzer Landstriche aber immer kleiner.

Krach macht den Vögeln dagegen nichts aus. Wenn die Biker auf dem benachbarten Sportplatz feiern, lässt den Storch das kalt.

Von Jürgen Lauterbach

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