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Brandenburg/Havel Internet-Millionen für die letzten Dörfer
Lokales Brandenburg/Havel Internet-Millionen für die letzten Dörfer
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15:10 28.07.2017
In den nächsten beiden Jahren bringen Kabeltrupps das schnelle Internet auch in entlegene Gebiete von Potsdam-Mittelmark. Quelle: Dirk Froehlich
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Mittelmark

Wo die private Wirtschaft aufgibt, springt der Steuerzahler ein. Mit einem großen finanziellen Aufwand sollen hochleistungsfähige Breitbandanschlüsse in den dünner besiedelten Gebieten des Landkreises installiert werden. Für den Anschluss unterversorgter Haushalte und Gewerbebetriebe hat das Bundesministerium für Verkehr und Digitale Infrastruktur in dieser Woche 28,3 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Weitere rund 20 Millionen Euro reicht das Land Brandenburg aus. Die restlichen zehn Prozent von der Gesamtinvestitionssumme in Höhe von 53,4 Millionen Euro bringt Potsdam-Mittelmark aus seinem Haushalt auf.

Kosten werden aufgeteilt

Der Landkreis Potsdam-Mittelmark musste sich um Aufnahme in das Förderprogramm des Bundes bewerben. Bereits im Dezember 2016 machte der Kreistag den Weg für einen Förderantrag frei. Dieser erfolgte im Rahmen des vierten Aufrufs gemäß der Richtlinie „Förderung zur Unterstützung des Breitbandausbaus in der Bundesrepublik Deutschland.“

Die Gesamtkosten zur Finanzierung des Breitbandausbaus sind anteilig durch Mittel des Bundes (50 Prozent), des Landes (40 Prozent) und durch Eigenmittel des Landkreises (10 Prozent) aufzubringen. Die Investitionssumme in Potsdam-Mittelmark beträgt rund 53 Millionen Euro.

Das Land Brandenburg hatte die Bereitstellung von Landesmitteln zur Ko-Finanzierung bereits im Februar 2017 schriftlich zugesichert. Der Kreis gibt Eigenmittel in Höhe von 5,4 Millionen Euro dazu.

Gegenüber der MAZ sprach Vize-Landrat Christian Stein (CDU) nach dem Erhalt des Zuwendungsbescheides von einem „denkwürdigen Tag für die Kreisentwicklung.“ Bei den Zuschüssen für den Breitbandausbau handelt es sich um eine der höchsten Fördersummen, die der Landkreis je bekommen hat. Wie geht es jetzt weiter? „Gemeinsam mit den Beratern des Landes werden die Ausschreibungen und das Vergabeverfahren vorbereitet. Die Ausbauarbeiten beginnen 2018. Zwei Jahre später ist die Abnahme geplant“, sagte Vize-Landrat Stein der MAZ.

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Von der Millionen-Investition werden alle Gebiete profitieren, in denen bisher weniger als 30Mbit/s zur Verfügung stehen. Angestrebt wird eine Breitbandversorgung mit mindestens 50 Mbit/s. Dabei dürfte es sich um Randlagen außerhalb des engeren Verflechtungsraums zu Potsdam und Berlin handeln. Derzeit gelten knapp 10 000 Haushalte zwischen Fläming und Havelland als unterversorgt. Außerdem werden rund 350 Unternehmen in Gewerbegebieten leistungsfähigere Anschlüsse mit Bandbreiten von ein Gigabit bekommen. Dazu ist die Verlegung von Glasfaserkabel bis zum Gebäude geplant. In anderen Fällen wird Glasfaser bis zum Verteiler ausgerollt.

Vize-Landrat Christian Stein (CDU) und Breitbandbeauftragter Karsten Gericke mit dem Millionen-Zuwendungsbescheid des Bundes. Quelle: Pressestelle

„Je nach den örtlichen Bedingungen kommt ein Technologiemix zur Anwendung, um die weißen Flecken auf der Breitbandkarte zu tilgen“, kündigte der Breitbandbeauftragte des Landkreises, Karsten Gericke, an. Für die Kommunen ist der Breitbandausbau mit keinen Kosten verbunden. Eigentlich wären sie dafür verantwortlich. Doch haben Städte und Gemeinden mit dem Kreis Kooperationsvereinbarungen zur befristeten Übernahme dieser Aufgabe abgeschlossen. Der Bund legte ein Förderprogramm auf, weil private Anbieter den Ausbau in dünn besiedelten Räumen wegen fehlender Rentabilität scheuen. „Allerdings werden die Bautrupps nicht jeden Bungalow oder jede entlegene Waldhütte mit Glasfaser erreichen“, stellte Vize-Landrat Stein klar.

Die für 2019 anstehende Kreisgebietsreform hat auf den Breitbandausbau keine Auswirkungen. Bekanntlich soll das Amt Beetzsee dem Landkreis Havelland zugeschlagen werden. „Das Amt Beetzsee ist mit im Portfolio und wird genauso wie andere Regionen von der Förderung profitieren“, heißt es aus der Kreisverwaltung. Klagen über schwächelnde Internetverbindungen kommen zum Beispiel aus Tieckow, Briest, Krahnepuhl und vom Pritzerber Heidehof. Ähnliche Probleme gibt es in Randlagen der Ämter Ziesar und Wusterwitz.

Wo die unterversorgten Gebiete in Potsdam-Mittelmark genau sind, hat der Landkreis im Vorfeld von einem Dienstleister ermitteln lassen. „Wir sind froh, dass es jetzt in die aktive Phase der Umsetzung gehen kann“, so Breitbandbeauftragter Gericke.

Von Frank Bürstenbinder

28.07.2017
28.07.2017