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Brandenburg/Havel Jan van Lessen: „Es ist Zeit für einen Wechsel“
Lokales Brandenburg/Havel Jan van Lessen: „Es ist Zeit für einen Wechsel“
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22:08 26.02.2018
Jan van Lessen Quelle: JACQUELINE STEINER
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Brandenburg/H

Jan van Lessen glaubt in der Stadt Brandenburg an der Havel herrscht Wechselstimmung. Seit sich der Jurist (62) als einer der führenden Köpfe der Packhof-Bürgerinitiative bereit erklärt hat, als gemeinsamer Kandidat der SPD, der Linken und der Grünen für das Oberbürgermeisteramt zu kandidieren, „bin ich ständig angesprochen und ermuntert worden. Nicht nur in der eigenen Echokammer.“ Das erzählt von Lessen am Donnerstag. Auf dem Marienberg – im Schatten der Friedenswarte – hat er am Vormittag seine Wahlkampfkampagne vorgestellt.

Viel Zeit bleibt nicht. Schon am 25. Februar wird gewählt und mit Steffen Scheller (CDU), der immerhin seit 12 Jahren die insgesamt erfolgreiche OB Dietlind Tiemann vertrat, hat der in der Öffentlichkeit wenig bekannte van Lessen einen Gegenkandidaten, der als Favorit ins Rennen geht.

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Doch die Botschaft van Lessens versprüht Optimismus: Er sei die Option jenseits der CDU, die bisher so lange regiert habe wie keine andere Partei seit der Wende und unter deren Führung sich Selbstzufriedenheit und Lethargie breitgemacht hätten. Um neu anzufangen und eine „neue, bessere Art des Umgangs miteinander“ in die Stadtpolitik Einzug halten zu lassen, habe man das Potenzial von drei Parteien gebündelt. „Es ist Zeit für einen Wechsel“, heißt es im Programm.

Die Spitzen von SPD, Linken und Grünen sitzen mit am Tisch und nicken wohlwollend. Wissend, dass sie mit Ausnahme der Grünen auch schon den Steigbügel für die CDU hielten. Für SPD-Chef Ralf Holzschuher ist jetzt klar: „Es gibt die Stimmung, dass es eine andere Art des Umgangs in der Stadt geben muss.“ Und dafür stehe von Lessen.

Schlechter Stil und ein System der Vetternwirtschaft mit Versorgungsposten und Abhängigkeiten habe sich unter der Führung der CDU-Chefin Dietlind Tiemann in der Stadt breit gemacht, beklagt die Grünen-Vorsitzende Martina Marx, bleibt aber die Beispiele für ihre Vorwürfe weitgehend schuldig.

Auf den Einwurf eines Reporters, der beklagte Stil „ist doch jetzt in Richtung Bundestag abgewandert“, sagt Holzschuher: Die schlechte Stimmung sei nicht nur an Dietlind Tiemann festzumachen. Es gäbe in der CDU unter einigen Mitgliedern die Tendenz, den „Stil der Ausgrenzung zu pflegen.“ Auch bei den Freien Wählern könne er die Bereitschaft und Fähigkeit zur Zusammenarbeit nicht erkennen.

Auch wenn Steffen Scheller sich von Tiemann erkennbar emanzipiere, stehe er nicht für einen Neuanfang. Schließlich habe er, so van Lessen, zwölf Jahren diese Politik mitgetragen. Der Linke-Vorsitzende Andreas Kutsche war sichtlich bemüht, die Vorstellung des Wahlprogramms ohne heftige Kritik am politischen Gegner zu begleiten.

Tatsächlich scheint es nicht der Stil van Lessens zu sein, sich am Gegner abzuarbeiten. Er beschrieb die Stadt Brandenburg, in der er und seine Frau seit 1994 leben und arbeiten – auch wenn er in Tieckow wohne, in der seine Kinder groß wurden und zur Schule gingen und wo er sich ehrenamtlich engagiere, als schön, lebenswert und ausbaufähig. Die Stadt müsse wachsen, müsse auch zugezogenen jungen Menschen und Familien Heimat sein.

Die meisten jungen Familien bräuchten heute kein Auto sondern vernünftige Wohnungen in Citynähe, einen guten ÖPNV sowie Kultur und Lebensqualität. Wenn er, van Lessen, sich wochentags gegen 18 Uhr mit Blick in die Hauptstraße an die Jahrtausendbrücke stelle und fast keinen Menschen und zahllose leere Schaufenster sehe, könne er die attraktivste Stadt im Land noch nicht entdecken. Zusammen mit den Ortsteilen müsse die Innenstadtentwicklung vom Wiesenweg bis zum Packhof aus einem Guss gedacht und geplant werden.

Ein Zukunftskonzept für die Stadtteile, eine Jugendherberge in Innenstadtlage, ein Management für die Leerstandsflächen seien nur einige Punkte, die ihm in der Stadtentwicklung wichtig seien.

Ein Fan roter Ampeln ist van Lessen nicht: „Die Standzeiten im Verkehr“ seien so kurz wie möglich zu halten, schreibt er und betont, dass jede Verkehrsart, ob Auto, Rad oder Fußgänger gleiche Rechte haben müsse. Moderne Wohn- und Bauformen will der Kandidat als OB mit den Bürgern zusammenerarbeiten.

Im Übrigen, so fordert der gebürtige Niedersache immer wieder, müsse die Bürgerschaft verstärkt in alle Entwicklungsprozesse der Stadt einbezogen werden. Gleiches gelte für „die großen und kleinen Unternehmen und Handwerksbetriebe, die ermutigt und bei Ihren Expansionsplänen unterstützt werden sollen. Am Samstag startet van Lessen den Wahlkampf in der Öffentlichkeit. Ab 10 Uhr steht er mit seinen Mitstreitern am Neustadt Markt mit einem Infostand.

Über sein Programm und seine Termine können sich die Bürger unter www.jan-van-lessen.de oder über die Facebook-Seite des Kandidaten informieren.

Von Benno Rougk