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Brandenburg/Havel Jugendtheater überzeugt mit Schiller nicht so ganz
Lokales Brandenburg/Havel Jugendtheater überzeugt mit Schiller nicht so ganz
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17:23 28.04.2019
Das Brandenburger Jugendtheater feierte am Freitag in der Studiobühne die Premiere von „Kabale und Liebe“. Die Farben der Kopfbedeckungen stehen für die Zugehörigkeit zu verschiedenen Gesellschaftsschichten. Quelle: Rüdiger Böhme
Brandenburg/H

 Was für ein Aufbegehren gegen Konventionen. Verweigerung des Gehorsams gegenüber der Obrigkeit. Das waren Themen in der Epoche des Sturm und Drang, die Dichter wie Schiller und Goethe umgetrieben haben. Doch die Zeit des Aufbegehrens in der deutschen Kultur währte kurz. Sie dauerte nur zwanzig Jahre, von 1764 bis 1784.

In dieser Zeit schrieb Friedrich Schiller sein Drama „Kabale und Liebe“, mit dem das Brandenburger Jugendtheater am Freitagabend in der ausverkauften Studiobühne Premiere gefeiert hat.

Eine mutige Entscheidung des Regisseurs Steffan Drotleff und eine Herausforderung für die 13 jugendlichen Darsteller, die das Stück in Schillers Originalsprache auf die Bühne gebracht haben.

Parallelen zu heutigen Konflikten

Wie Drotleff beim Theaterfrühstück vor zwei Wochen berichtete, haben sich die Jugendlichen in einem sehr spannenden Prozess an das Stück angenähert. Sie haben die im Drama dargestellten Konflikte analysiert und sich mit der Frage auseinandergesetzt, inwieweit es Parallelen gibt zu heutigen Konflikten wie beispielsweise Ausgrenzung in der Gesellschaft.

Gediegen und gekonnt, aber ohne wirkliche Überraschung. Das Brandenburger Jugendtheater hat in der Studiobühne das Schiller-Drama Kabale und Liebe gestemmt. Das begeisterte Publikum sieht gute Darstellerleistungen.

Von dieser Auseinandersetzung ist in der Inszenierung leider nichts zu merken. Die Zuschauer sehen Schillers Originalstück, allerdings in gekürzter Fassung, das von zeitgenössischer Musik von Mozart und Carl Philipp Emanuel Bach umrahmt wird.

Brüche und Hoppla-Momente gibt es nicht, demzufolge auch keine Aha-Erlebnisse. Vielleicht hätte Musik aus den frühen 1990-er Jahren, die Drotleff zuerst als Begleitmusik für das Stück angedacht hatte, eher entsprechende Stolpersteine geboten.

Überzeugend schleimig

Geradezu professionell haben die jugendlichen Darsteller Schillers sperrigen Text deklamiert. Wirklich authentisch in seiner Rolle wirkt Fritz Schulze, der Präsident von Walter verkörperte.

Ihm nimmt man den skrupellosen und erfolgsgeilen Politiker ab, dem keine Intrige zu schäbig ist, um seine Ziele zu erreichen. Das gilt auch für Toby Daszenies, der den Sekretär Wurm überzeugend schleimig spielte.

Glaubwürdig als aufrichtig liebende und später geläuterte Lady Milford wirkt auch Mina-Lynn Hermann. Glaubhaft spielt sie die Rolle als verführte und missbrauchte junge Frau. Nachzuvollziehen ist ihr Sinneswandel, dass sie auf ihre Liebe zu Ferdinand verzichten will.

Charaktermasken

Alle anderen Darsteller – so auch die Protagonisten Lars Girbinger als Ferdinand, Sohn des Präsidenten, und Emilie Buttenberg, die die bürgerliche Luise spielte - sprechen ihren Text zwar fehlerfrei – aber oft viel zu schnell vor lauter Aufregung.

Komplett überzeugen in ihren Rollen können sie nicht. Sie wirken eher wie Charaktermasken. Dieser Eindruck wird unterstützt von der Idee des grandiosen Bühnenbildners Thomas Gabriel.

Gabriel hat den einzelnen Figuren künstliche, helmartige Perücken verpasst, deren jeweilige Farbe ihre Zugehörigkeit zu bestimmten Gruppen (Adel, Bürgertum) sichtbar macht. Dieses Konzept hat er in der Farbwahl der Kostüme – im Stil der 1990er Jahre – konsequent fortgesetzt.

Begeisterter Applaus

Das Bühnenbild ist schlicht. Ein roter Tisch mit zwei Stühlen vor einer riesigen grauen Mauer. Hinter dieser Mauer Farbspiele am Himmel, die am Schluss in einem Feuerwerk gipfeln. Symbole der heraufziehenden Aufklärung?

Die Zuschauer in der Studiobühne belohnen diese gediegene Aufführung mit begeistertem Applaus.

Weitere Aufführungen am 7., 8., 9., 28. und 29. Mai, sowie am 11. und 13. Juni, jeweils um 19 Uhr in der Studiobühne.

Von Ann Brünink

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