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Brandenburg/Havel Kein Hotel? Packhof-Investor vor Absprung
Lokales Brandenburg/Havel Kein Hotel? Packhof-Investor vor Absprung
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17:11 02.12.2016
Gut lachen: Premero-Geschäftsführer Thorsten Schütte und Melanie Morgenthaler im Rolandsaal.
Gut lachen: Premero-Geschäftsführer Thorsten Schütte und Melanie Morgenthaler im Rolandsaal. Quelle: Volkmar Maloszyk
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Brandenburg/H

Was ist los mit dem als Investor für den Packhof gepriesenen Unternehmen Premero-Immobilien GmbH aus Hamburg? Das fragen sich derzeit interessierte Kommunalpolitiker und Brandenburger. Seit zwei Tagen ist das Brandenburger Packhof-Projekt von der Premero-Internetseite verschwunden, während andere Projekte noch ausgewiesen sind. Ebenso lange ist das Unternehmen telefonisch nicht erreichbar, der Anrufer landet bei einer Versicherungsfirma, aus der beschieden wird, man möge per E-Mail Kontakt herstellen. Aber Mails werden derzeit auch nicht beantwortet.

Ulrich Szepat hat noch Glück gehabt. Der Architekt und Bauherr, der für die AfD als Sachkundiger Einwohner im Stadtentwicklungsausschuss sitzt, erreichte am Donnerstagmorgen noch Premero-Geschäftsführerin Melanie Morgenthaler. Er berichtet von einer unfreundlichen Gesprächsatmosphäre, dabei ist er doch für das Projekt. „Ich stehe einem Bebauen auf diesem Filetgrundstück positiv gegenüber, das darf man einfach nicht brach liegen lassen.“

Doch seine Fragen zur Wirtschaftlichkeit des Vorhabens habe die Premero-Frau nicht beantworten wollen, wollte auch nicht die Investoren anderer Projekte nennen. „Das ginge mich nichts an, sagte sie. Zudem müsse sie von der Stadtverwaltung beauftragt werden, damit sie Einladungen in Fraktionen und Gremien annehmen dürfe.“ Szepat will seiner Fraktion nun empfehlen, unter diesen Bedingungen nicht für das Projekt zu stimmen.

Info

Als ein auf Projektentwicklung spezialisiertes Unternehmen bezeichnet sich Premero-Immobilien selbst.

Nach eigenen Angaben haben sie derzeit 15 nationale und internationale Projekte in Bearbeitung.

Als Referenzen hatten sie in der Stadt das Sanieren des Allianzhauses am Hamburger Kapstadtring sowie der Staatsbank im lettischen Riga gezeigt.

Am 12. Dezember wird Bürgermeister Steffen Scheller (CDU) nach Hamburg fahren, um die Ergebnisse der jüngsten Verkehrsanalyse zu präsentieren und Vorabsprachen zu treffen für Verträge, die vor einem Kaufkontrakt unterschrieben werden müssen – etwa zu Ordnungsmaßnahmen und Erschließung. „Das sind alles vorbereitende Dinge, das Grundstück ist erst wirksam übertragen , wenn am Ende auch Baurecht erzielt ist“, sagt Scheller. Dagegen macht nach wie vor die Bürgerinitiative Packhof mobil.

So unterstellte BI-Sprecher Hanswalter Werner unwidersprochen Oberbürgermeisterin Dietlind Tiemann (CDU), diese habe bereits im Juni 2015 – also Monate vor der offiziellen Ausschreibung – mit Premero verhandelt und bereits im selben Monat eine Projektmappe bekommen. „Diese Mappe lag in meinem Dienstzimmer. Das Ausschreibungs-Exposé hat die Verwaltung unabhängig davon eigenständig erstellt“, sagte sie am Mittwochabend in der Stadtverordnetenversammlung. Indirekte Vorwürfe von SPD-Fraktionschefin Britta Kornmesser, ein potenzieller Bieter könne an dem Exposé mit- und zugearbeitet haben, wies die Rathauschefin entschieden zurück.

Im Konflikt mit der Bürgerinitiative hat sich Dietlind Tiemann bewegt, sie lud für den 20. Dezember ins Rathaus zum Gespräch ein. Bleiben die BI-Aktivisten bei ihrer starren Haltung, beinahe jegliche Bebauung auf dem Packhof rundweg abzulehnen, könnte dieser Dialog nur ein Zwischenschritt für die Oberbürgermeisterin sein. Theoretisch kann sie sich nicht nur auf die Mehrheit in der Stadtverordnetenversammlung verlassen, sondern könnte selbst eine Bürgerbefragung starten, bevor die BI ihr Gegenbegehren überhaupt beginnen kann, nämlich erst dann, wenn ein Verkaufsbeschluss vorliegt.

Bei einem positiven Votum in der Volksbefragung hätten beide Seiten Sicherheit – die Stadt bekommt Leben auf die Brache, Premero könnte sich nach potenten Investoren umsehen.

Von André Wirsing