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Brandenburg/Havel Keksausstecher und Profi-Prototypen
Lokales Brandenburg/Havel Keksausstecher und Profi-Prototypen
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15:43 23.05.2018
Die Technische Hochschule Brandenburg hat ihre offene Werkstatt vorgestellt. Konstruktionslehrer Steffen Rotsch an der CNC-Maschine für Profis und andere sehr weit fortgeschrittene Konstrukteure..
Die Technische Hochschule Brandenburg hat ihre offene Werkstatt vorgestellt. Konstruktionslehrer Steffen Rotsch an der CNC-Maschine für Profis und andere sehr weit fortgeschrittene Konstrukteure.. Quelle: Foto: Rüdiger Böhme
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Brandenburg/H

Die Technische Hochschule Brandenburg (THB) hat eine tolle Idee und schlägt drei Fliegen mit einer Klappe. Ihre „offene Werkstatt“ soll nicht nur Anlaufpunkt werden für Unternehmen der Region, sondern auch für Studenten und für Schüler aller Altersgruppen.

Der Keksausstecher-Workshop ist der erste Hit in der offenen Werkstatt der THB, die gerade aufgebaut wird. Die Teilnehmer stellen mit Hilfe von Maschinenbauingenieurin und Produktgestalterin Lisa Jakobi lebenpraktische Dinge wie Keksausstecher her.

Einhorn und Dinosaurier auf 3-D-Drucker

Die Nutzer der Werkstatt entscheiden sich am Anfang für ein Motiv, zum Beispiel ein Einhorn oder einen Dinosaurier. Sie lernen, wie sie eine Vorlage mit Maßen und Formen anfertigen und die Maschine so programmieren können, dass sie am Ende ihren Dinosaurier entnehmen und Kekse backen gehen können.

Die Maschine, die das schafft, ist ein 3-D-Drucker. Im 3-D-Druck-Verfahren wird in diesem Fall ein Kunststoff langsam Schicht für Schicht aufgetragen. Das Produkt wächst also langsam mit jedem Arbeitsgang. Nach etwa zehn Minuten hat der Ausstecher Gestalt angenommen.

Maschinenbau-Professor Martin Kraska zeigt die Fräsmaschine, mit der bereits Schüler Zahnräder produzieren können in der offenen Werkstatt der THB. Quelle: Rüdiger Böhme

Der Hochschule geht es darum, vor allem junge Leute für Technik und für Produktionsprozesse zu begeistern. Professor Martin Kraska, der den Studiengang Maschinenbau leitet, Fachbereichsmitarbeiterin Lisa Jakobi und Steffen Rotsch, der an der THB Konstruktionslehre unterrichtet, bilden die „Initiativgruppe Offene Werkstatt“, die noch nach Geldgebern für den weiteren Ausbau sucht.

Neben ihrer beruflichen Aufgaben bestellen sie das Feld, auf dem vom Erstklässer bis zum Profi Menschen aller Altersstufen ihre persönliche Ernte einfahren können und sollen. Schon Kinder werden an die Grundtechniken herangeführt. Sie fräsen unter Anleitung kleine rosafarbene Kunststoffflugzeuge, die sie nach 30 Minuten Arbeit stolz mit nach Hause nehmen können.

Ältere Schüler programmieren beispielsweise eine kleine Rundfeile, mit der sie sodann kleine Zahnräder herstellen können. In der offenen Werkstatt wird also auf ganz unterschiedlichem Niveau gesägt, gebohrt, gefräst, gebogen und geschraubt.

Professor will den Spaß an Technik wecken

Maschinenbau-Professor Kraska will den Nachwuchs neugierig machen und den Spaß an Technik wecken. Die eigenen Studenten möchte er „maschinenbautechnisch würdevoll“ an die praktischen Seiten des Ingenieurberufs heranführen.

Schon im ersten Semester wartet die erste praktische Herausforderung. Mit einem bezahlbaren Bausatz aus China bauen die Technikstudenten ihren eigenen 3-D-Drucker. „Das ist kein triviales Zusammenbauen, sondern fördert fachübergreifendes Denken“, sagt der Professor. Im 3-Drucker stecken Mechanik und Elektronik, Metall und Kunststoff.

Im dritten Studienjahr folgt eine anspruchsvollere Aufgabe. In der Werkstatt konstruieren die Studenten ein eigenes Produkt. Sie bauen nicht etwas nach, sondern entwerfen und fertigen selbst eine CNC-gesteuerte Kleinmaschine , die eine Art Gesellenstück werden soll.

„Fab­Lab“ und „MakerSpace“

Die Profi-Ebene der neuen Werkstatt steht Unternehmen und anderen Profis offen, die unkompliziert eine technische Idee ausprobieren, womöglich einen Prototypen entwickeln und fertigen wollen.

Bei der Nutzung der Laserschneidemaschine und der anspruchsvollen Unimat-Fräse steht Steffen Rotsch zur Seite. Er ist gelernter Werkzeugmacher und als Ingenieur auf Konstruktion spezialisiert. Neudeutsch heißt ein solcher Ort wie die offene THB-Werkstatt „Fab­Lab“ oder „MakerSpace“.

Wer mehr über die offene Werkstatt erfahren möchte, findet die Ansprechpartner beim Campus-Fest an diesem Freitag, den 25. Mai, zum Beispiel von 10 bis 15 Uhr im Unternehmenscafé. Ansprechpartner ist etwa Kevin Schuster von der Transferstelle, die den Kontakt zwischen THB und Unternehmen herstellt.

Tag der offenen Tür und Campusfest

Am Freitag, den 25. Mai lädt die TH Brandenburg zum Tag der offenen Tür und zum Campusfest auf ihr Gelände in der Magdeburger Straße – mit jeweils freiem Eintritt.

Von 10 bis 16 Uhr erwarten die Gäste Workshops, Schnuppervorlesungen, Technik zum Anfassen, Campusführungen und anderes mehr.

Zu beiden Veranstaltungen ist der Eintritt frei.

Unter dem Motto „Forsche und Entdecke“ können Gäste alle Facetten der Hochschule erkunden. Professoren stehen Rede und Antwort. Die Programme der drei Fachbereiche „Wirtschaft“, „Technik“ sowie „Informatik und Medien“ sind im Internet zu finden.

: https://bit.ly/2IN6CQH. Auf dem Beachvolleyballplatz findet von 10 Uhr bis 15 Uhr ein Turnier statt.

Im Unternehmens-Café werden Informationen und Gespräche zu Themen wie Studien- und Weiterbildungsangebote, duales Studium, Möglichkeiten zur Gewinnung von Fachkräften, Forschungs- oder Kooperationsprojekte geboten.

Ab 16 Uhr feiern die Studierenden das Campusfest mit viel Live-Musik: Stereoact („Die immer lacht“), Partytour, Angry & Fork sowie Herren KaLeun. Zu Beginn und bei der Aftershow im Studentenkeller IQ legt DJ Styloop auf. Aus Sicherheitsgründen ist das Mitbringen von Getränken untersagt, es gibt Eingangskontrollen.

„Wir wollen unsere Labore in die Region tragen“, unterstreicht Gerald Krell, als Vizepräsident zuständig für Forschung und den Technologietransfer an der TH Brandenburg. Die Kooperation mit der regionalen Wirtschaft ist nach seinen Worten die „dritte Mission“ der THB außer Forschung und Lehre und gewinne an Bedeutung. In den Laboren und Werkstätten an der Magdeburger Straße könnten innovative Ideen bis zur Marktreife gebracht werden. Krell versichert: „Wir wollen als Plattform sichtbar werden in der Stadt und in der ganzen Region.“

Von Jürgen Lauterbach