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Brandenburg/Havel Kinderbuch zeigt Bilder einer unbekannten Malerin
Lokales Brandenburg/Havel Kinderbuch zeigt Bilder einer unbekannten Malerin
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16:03 20.07.2018
Kunstsammler Jürgen Lange (hinten links) stellt in der „Bibliothek der verlorenen Bücher" das Werk von Gertrud Stimming vor.
Kunstsammler Jürgen Lange (hinten links) stellt in der „Bibliothek der verlorenen Bücher" das Werk von Gertrud Stimming vor. Quelle: Heiko Hesse
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Brandenburg/H

Um ein spannendes Stück Stadtgeschichte ging es am Donnerstagabend in der alten Bibliothek der St. Katharinen-Kirche in Brandenburg an der Havel. Die Veranstaltungsreihe „Die Bibliothek der verlorenen Bücher“, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, Brandenburger Werke vor dem Vergessen zu retten, stellte das Kinderbuch „Mütterchens Hilfe“ aus den 1920er-Jahren vor. Ein Stück Literatur, das viele Fragezeichen aufwirft.

Aufmerksam auf das Buch wurde der bei Frankfurt am Main lebende Kunstsammler Jürgen Lange. Ursprünglich aus der Havelstadt stammend, hat sich Lange seit 13 Jahren dem Sammeln der Werke Brandenburger Künstler verschrieben. Insgesamt 140 Stücke von etwa 40 Malern wie Gertrud Körner, Gustav Metz und Theodor Hosemann nennt er sein eigen.

Jürgen Lange sammelt Kunst von Brandenburgern

„Um als Maler in meiner Sammlung zu landen, muss man zuallererst tot sein und entweder in Brandenburg gelebt oder gearbeitet haben“, sagt Lange. Eigentlich auf der Suche nach weiteren Kunstwerken, stieß der Sammler im Internet auf das in Brandenburg an der Havel von der Buchhandlung Karl Urban verlegte Kinderbuch.

Zeichung von Gertrud Stimmung. Die Künstlerin aus Brandenburg an der Havel  illustrierte das Kinderbuch "Mütterchens Hilfe" - in den 1920er Jahren. Quelle: Repro

„Mütterchens Hilfe“ ist eine lustige Geschichte in zwölf Bildern, in Versform gehalten und sollte Kindern, ähnlich wie „Max und Moritz“ von Wilhelm Busch, einen moralischen Kompass geben. Es galt der Mutter im Haushalt zu helfen, und nicht dem Müßiggang anheim zu fallen. Denn die Faulen machen nur Ärger „und bleiben ihr Leben lang dumm“. So weit, so simpel. Die Verse in Kindersprache verfasste Paul Schönfeld, die passenden Bilder dazu malte Gertrud Stimming. Bei dem Namen Stimming wurde Kunstsammler Lange jedoch hellhörig. „Viel ist über die Malerin nicht bekannt“, sagt Lange. „Sie ist wie ein Geist“.

Seit acht Jahren forscht der Sammler

Seit nunmehr acht Jahren versucht Lange, das Leben Gertrud Stimmings ans Licht zu bringen. Denn die Informationen sind rar. Ausgangsort seiner Recherche war das Stadtarchiv, wo er gezielt mit der Suche nach Zeitungen vom Beginn des vorigen Jahrtausends begann.

Die erste Erwähnung der Malerin findet sich im Brandenburger Anzeiger vom 5. September 1921. In diesem wurde eine Ausstellung von Werken Brandenburger Künstler in der Wredowschen Zeichenschule beworben. Im Text heißt es: „Frl. Stimming stellt kleine freundliche Pastelle aus, ferner Zeichnungen und zwölf liebenswürdige Tierszenen in Federtechnik“. Es ist nicht auszuschließen, dass Gertrud Stimming zu diesem Zeitpunkt Schülerin der Zeichenschule war.

Zeitungen erwähnen die Malerin in Kritiken

Die nächsten Male taucht Stimming 1929 in Kunstkritiken zweier Tageszeitungen der Havelstadt auf. Zu einer weiteren Ausstellung in der Wredowschen Zeichenschule schrieb der konservative Brandenburger Anzeiger am 22. Mai von Stimmings „mit Liebe und Sorgfalt durchgeführten, in solider Technik gegebenen landschaftlichen Gemälden“.

Die SPD-nahe Brandenburger Zeitung attestierte hingegen am 30. Mai „mangelnde Materialkenntnis“ und „mangelndes Talent“.

Des weiteren findet sich die Malerin in dem Brandenburger Adressbuch von 1936/37 und 38/39 als „Gertrud Scheer, geb. Stimming“, wohnhaft Am Parduin 14. Sicher ist, dass Stimming 1950 noch gelebt haben muss.

Sammler besitzt zwei Werke von Gertrud Stimming

Jürgen Lange ist im Besitz zweier Ölbilder der Unbekannten, gemalt jeweils 1948 und 1950. Das Bild mit dem Titel „Mein Schulweg“ von 1948 zeigt vermutlich eine alte Holzbrücke im Theaterpark, das letzte bekannte Bild von 1950 „Erinnerungen an einen Theerofen“.

Die Herkunft des Motivs konnte jedoch bisher nicht bestimmt werden. Lange will die beschwerliche Suche nicht aufgeben: „Ich werde auf jeden Fall weiter recherchieren“. Die Suche nach dem Geist ist noch nicht vorbei.

Wer etwas zum Leben und Werk der Brandenburger Malerin Gertrud Scheer, geb. Stimming, weiß, kann sich unter brandenburg-stadt@maz-online.de melden.

Von Tobias Wagner