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Brandenburg/Havel Kirchmöser bekommt ein wunderschönes Café
Lokales Brandenburg/Havel Kirchmöser bekommt ein wunderschönes Café
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11:22 20.05.2019
Sylke Noack sitzt in ihrem künftigen Gränertcafé vor der Kochmaschine aus dem späten 19. Jahrhundert. Quelle: JACQUELINE STEINER
Kirchmöser

Wenn jetzt der Kaffee noch schmeckt und der Kuchen, dann werden die Gäste in den siebten Caféhimmel eintreten. In Kirchmöser ist aus einem in die Jahre gekommenen hässlichen Entlein ein schmucker Schwan geworden, aus dem baufälligen Gehöft in der Gränertstraße ein Vierseitenhof voller kleiner und großer Überraschungen.

Sylke Noack (50) eröffnet ihr Hofcafé Gränert voraussichtlich in diesem Sommer. Die MAZ durfte vorab schon einmal auf Entdeckungsreise durch das einladende Denkmal gehen.

In Kirchmöser ist aus einem in die Jahre gekommenen hässlichen Entlein ein schmucker Schwan geworden, aus dem baufälligen Gehöft in der Gränertstraße ein Vierseitenhof voller kleiner und großer Überraschungen.

Das Auge weiß erst einmal gar nicht, wo es zuerst hinschauen möchte. Der Blick im schönen Vorraum fällt schnell auf die große Kochmaschine, die vermutlich vom Ende des 19. Jahrhunderts datiert. „Der Ofen darf sogar beheizt werden, der Schornsteinfeger hat ihn abgenommen“ erzählt Sylke Noack.

Torten im kleinen Backofen backen und Teller darin zu wärmen. So möchte die künftige Café-Chefin das antike Stück nutzen, über dem hinter Glas eine Stickerei aus der alten Haushaltsschule hängt. Schräg gegenüber wird wieder die Stunde schlagen, sobald das Uhrwerk eingebaut ist in die mehr als 250 Jahre alte Wanduhr.

Wahrscheinlich zwischen 1860 und 1870 hatte Bauer August Busse den Vierseitenhof in der Gränertstraße 6 bauen lassen. Als letztes Mitglied der Familie lebte dort Marianne Busse, die vor einigen Jahren hoch betagt starb. Kinder hatte sie nicht, ihr weit außerhalb lebender Neffe hatte kein Interesse daran, den Hof zu halten, und verkaufte ihn daher.

Liebeserklärung an die Vergangenheit

Seit 2016 gehört der Vierseitenhof Sylke Noack und freut sich, dass er in so gute Hände gekommen ist. Jedes Detail in dem frisch sanierten Haus ist eine Liebeserklärung an verschiedene Epochen der Vergangenheit und an die Tradition dieses Baudenkmals.

Mithilfe von Familienmitgliedern sowie der Unterstützung von fähigen Handwerkern, dem Architekten, der Restauratorin und der städtischen Denkmalschützerin Anja Castens hat Sylke Noack in den vergangenen zwei bis drei Jahren Haus und Scheune vor dem wahrscheinlichen Verfall gerettet und eine Zukunft gegeben.

„Ich habe vieles kombiniert“, erklärt die Wahl-Kirchmöseranerin aus Brandenburg/Havel den roten Faden ihrer Sanierungsphilosophie. Die Plastikfenster sind Geschichte, Holz holt die ferne Vergangenheit zurück in die Gegenwart.

Die Türgriffe waren überstrichen. Eines von vielen Details im Gränertcafé in Kirchmöser. Quelle: JACQUELINE STEINER

Die wunderbaren, aber überstrichenen Türschlösser sind freigelegt. Die Fenstergriffe hat Sylke Noack nachgießen lassen.

Gestrichen hat die Frau des Hauses mit Kalkfarben – innen und auch außen. Die Gardinen sind aus holländischem Leinen. Einige Originallampen aus Porzellan sind erhalten und wurden fachgerecht aufbereitet. Sie sind vermutlich so alt wie der Kachelboden im Flur.

Wie bei einer solchen Sanierung zu erwarten, lauern in den alten Ritzen Überraschungen. Die größte kam ans Tageslicht, als die Toilettenleitungen verlegt wurden. Abgedeckt von Sandsteinplatten zeigte sich im Vorraum ein 7,50 Meter tiefer Brunnen, von dessen Existenz niemand wusste.

Bestes Brunnenwasser

„Wir haben das Brunnenwasser untersuchen lassen. Es ist besser als das Trinkwasser der Stadt“, sagt Sylke Noack. Sie hat ihren Brunnen mit einer Glasplatte abgedeckt und ihn beleuchtet. Gäste werden also tief blicken können.

Die Hofbesitzerin hat ein Händchen fürs Wiederverwenden und Neu-in-Szene-Setzen. Weggeworfen wird so gut wie nichts. Aus alten Dielen hat sie ihren Tresen gebaut. Die Sandsteinplatten, die einst den Brunnen verdeckten, sind inzwischen im Hof verlegt. Die Tür zum Boden hat eine neue Aufgabe. Sie dient auf der Herrentoilette als Trennwand und Sichtschutz.

Das Konzept setzt sich fort im oberen Stockwerk mit seinen edel-bodenständigen Gästezimmern. Dort, wo früher die Gesindestube war. Das Gebälk hat die künftige Gastronomin erhalten und geschickt integriert.

Sylke Noack ihre Mutter Henriette Mühlisch am Kuchentresen. Quelle: Jürgen Lauterbach

Aus alten Fensterbänken hat sie praktisch-schöne Nachttische geschaffen. Alte Dielen von unten haben Verwendung gefunden in Tisch und Bank. Selbst bei „Gerümpel“, das ihr Freunde und Bekannte überlassen haben, ist Sylke Noack oft noch etwas eingefallen, um es zu integrieren.

„Ich habe etwas gesucht, um kreativ zu sein, und habe diesen Hof gefunden“, erzählt die Diplom-Gartenbauingenieurin, die umgeschult und 13 Jahre lang in Brandenburg und Berlin als Praxismanagerin gearbeitet hat.

Die Liebe zu dem Stall, an dem sie oft vorbeigegangen ist, hat den Anstoß gegeben, sich an das beachtliche Sanierungsprojekt zu wagen. „Wir waren wie die Trümmerfrauen“, erinnert sich die Brandenburgerin an die sieben Monate Bauzeit an der Scheune. Das Fachwerk war verrottet, das Dach baufällig, die Balken im Stall von Pferden angeknabbert.

Bauerngarten und drei Bienenstöcke

Sylke Noacks Mutter Henriette Mühlisch (76) hat bei vielen Arbeiten auf dem Hof geholfen. Als Diplom-Landwirtin, die auf einem Hof aufgewachsen ist, konnte sie immer wieder Hinweise geben und historische Gegenstände fachlich einordnen. Hof

Die gute Stube des Hofcafés Gränert. Quelle: JACQUELINE STEINER

Henriette Mühlisch ist anerkannte Kultur- und Wanderführerin, wovon künftige Gäste profitieren können. Der Cafébetrieb in der guten Eichenstube soll zwar im Vordergrund stehen.

Aber das schließt ein, dass die Kreativ-Gastgeberinnen den Besuchern über Kaffee und Kuchen hinaus Angebote machen möchten. Wanderungen zum Beispiel und Outdoor-Küche. Brot backen, Nudeln herstellen, Sauerkraut machen.

Die Hobbyimkerin hat draußen einen Bauerngarten angelegt und erntet den Honig von drei Bienenstöcken.

Behindertengerecht ist das Hofcafé übrigens auch. Mitglieder des Behindertenbeirats waren an Ort und Stelle und haben sich davon überzeugt. Über eine eigens angelegte Rampe gelangen Rollstuhlfahrer ins Café.

Von Jürgen Lauterbach

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