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Brandenburg/Havel Klemmbrett-Masche zieht auch in Ketzin
Lokales Brandenburg/Havel Klemmbrett-Masche zieht auch in Ketzin
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15:40 18.07.2019
So sieht die Liste aus, mit der vorgeblich gehörlose Menschen versuchen, das Herz mitleidiger Bürger zu erweichen und ihnen Geld aus der Tasche zu ziehen. Quelle: Lübecker Nachrichten
Ketzin/Brandenburg/H

Die Mitleidstour zieht. Guido Bogedaly hat vor dem Edeka-Markt in Ketzin auch andere Passanten gesehen, die wie er seine Geldbörse aus der Tasche gezogen haben. Die dem Anschein nach armen Menschen sammelten am vergangenen Freitag gegen 11 Uhr offenkundig für einen guten Zweck, für hörgeschädigte Kinder.

Mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit haben die Spendensammler mit ihrem Klemmbrett jedoch keinen wohltätigen Zweck verfolgt, sondern einer Betrügerorganisation zu Einnahmen verholfen, die schon seit Jahren ihr Unwesen treiben. Nicht nur in Deutschland, sondern auch in anderen europäischen Ländern wie Belgien und Spanien.

Wechselnde Einsatzorte in Europa

Die Mitglieder der Bande wechseln ihre Einsatzorte. Gegenwärtig ist womöglich der Großraum Brandenburg/Havel und das Havelland an der Reihe. Die Masche ist jeweils aber gleich.

So wie es der Bürger aus Ketzin in der dortigen Rathausstraße vor Edeka beobachtet hat, laufen die Spendensammler mit einer Unterschriftenliste umher, die auf einem Klemmbrett befestigt ist. Sie gehen auf Passanten zu. Sie sprechen nicht, sondern halten ihnen besagte Liste vors Gesicht.

Mit ihrer Unterschrift und einem Geldbetrag sollen die arglosen Menschen angeblich Gutes tun, etwa für den Aufbau eines „Internationalen Zentrums“ für „Taubstumme und körperlich behinderte Personen und für die armen Kinder“ spenden.

Junge Asiatin lächelte Passanten an

In Ketzin lächelte eine junge Asiatin die Leute an und zeigte dann auf ihre Liste. Nach Guido Bogedalys Erinnerung ging es in Ketzin um ein angebliches Krankenhaus „für taubstumme und behinderte Kinder“.

Auch dort blieben die Spendensammler stumm, gaben sich also als gehörlos aus, und kassierten nur. Offenbar mit Erfolg. Guido Bogedaly hat sechs oder sieben Passanten gesehen, die Geldscheine gegeben haben. Einer spendete einen Zwanzigeuroschein.

„Ich habe selbst auch fünf Euro gegeben“, berichtet er. Erst später stieß er im Internet auf die betrügerische „Klemmbrett-Masche“. Daher möchte der Ketziner nun andere Bürger warnen.  

Die Polizei rät

- Lassen Sie sich genau erklären, wofür gespendet werden soll!

- Entscheiden SIE ob sie sich dafür engagieren wollen und lassen Sie sich nicht zu einer schnellen oder unüberlegten Entscheidung drängen!

- Lassen Sie sich einen Spendenausweis zeigen, auf dem die Organisation eindeutig erkennbar ist.

- Überprüfen Sie, ob es diese Organisation wirklich gibt – fragen Sie nötigenfalls direkt dort an, ob es sich tatsächlich, um eine seriöse Spenden-Sammelaktion handelt!

- Lassen Sie sich auf gar keinen Fall vorschreiben, welchen Spendenbetrag sie tätigen sollen!

- Lassen Sie sich Informationsmaterial aushändigen und fragen Sie, ob sie auch anders Spenden können, außer mit Barmitteln.

Das tut auch die Polizei. Zwar ist sie, wie Sprecher Oliver Bergholz sagt, nicht grundsätzlich dafür zuständig, Spenden-Sammelaktionen auf ihre Seriosität hin zu überprüfen.

Sollte jedoch der Anfangsverdacht einer Straftat, zum Beispiel eines möglichen Betruges, vorliegen, schreitet die Polizei ein und nimmt Ermittlungen dazu auf. Generell empfiehlt sie Bürgern, für sich genau überprüfen, ob sie spontan für die beworbene Sachen spenden möchten. Sicher sei es nicht immer einfach, seriöse von unseriösen Spendenaktionen zu unterscheiden.

Für Huberta von Roedern ist klar, dass Betrüger vor den Einkaufsmärkten am Werk sind und das Geld bei deren Hintermännern landet. Sie ist Sprecherin der seriösen Hilfsorganisation „Handicap International“.

Handicap International ist machtlos

Die Betrüger benutzen auf ihren Unterschriften das alte Logo des Vereins „Handicap international“, um bei ihrer Sammelaktion einen seriösen Hintergrund vorzutäuschen. Doch wer weiß schon, wie das richtige Logo des Vereins aussieht?

Huberta von Roedern: „Wir können leider nichts dagegen tun, weil die gesammelten Beträge zu klein sind. Die Verfahren werden eingestellt, niemand wird bestraft.“ Handicap International könne nur vor der Klemmbrett-Masche warnen, ansonsten sei man machtlos.

Guido Bogedaly war in Ketzin misstrauisch geworden, als er die junge, lächelnde Asiatin nach ihrer Aktion in ein Schmuckgeschäft verschwinden sah.

Von Jürgen Lauterbach

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