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Brandenburg/Havel Rassistische Eltern in Brandenburger Klinik erhitzen die Gemüter
Lokales Brandenburg/Havel Rassistische Eltern in Brandenburger Klinik erhitzen die Gemüter
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16:27 06.09.2018
„Die Nationalität der Kinder ist uns egal“, sagt Klinikchef Hans Kössel.
„Die Nationalität der Kinder ist uns egal“, sagt Klinikchef Hans Kössel. Quelle: Waltraud Grubitzsch/dpa
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Brandenburg/H

Im Klinikum der Stadt Brandenburg an der Havel stehen die Telefonie nicht mehr still, seit die MAZ Mittwoch berichtete, dass der Chefarzt der Kinderklinik Hans Kössel der Forderung deutscher Eltern eine Abfuhr erteilte, ihr schwer krankes Kleinkind keinesfalls mit einem ausländischen Kind auf ein Zimmer zu legen.

Für den Fall, dass man ihrer Forderung nicht folge, werde man dies nicht akzeptieren und die Klinik mit dem Kind verlassen, hatten die Eltern gedroht.

Riesiges mediales Echo

Das mediale Echo auf diesen Fall von Rassismus sei riesig, sagte Hans Kössel auf Nachfrage der MAZ. Große Sendeanstalten, Tageszeitungen und überregionale Zeitschriften würden im Stundentakt anrufen und um weitere Informationen bitten.

Allerdings könne und dürfe er nicht weiter ins Detail gehen. Genaue Daten werde die Klinik nicht veröffentlichen, da im Rahmen des Sozialdatenschutzes vorgeschrieben sei, dass Patientendaten nicht in die Öffentlichkeit gelangen dürfen. Um jede Nachverfolgung unmöglich zu machen, werde auch der genaue Zeitpunkt des Vorfalls geheim gehalten.

„Die Ausländer bringen die Krankheiten hier rein“

Klar ist aber: Das Kind wurde in der Intensivstation der Brandenburger Kinderklinik behandelt wegen einer schweren Erkrankung. Anschließend sollte das Kind auf die normale Kinderstation verlegt werden, auf der die Eltern auch bei den kleinen Patienten übernachten dürfen.

Kössel hatte die Mutter befragt, was sie zu der rassistischen Aussage bewogen habe. Sie habe ihm, so erinnerte sich der Chefarzt, gesagt: „Die Ausländer bringen die Krankheiten hier rein.“ Er, Kössel, hoffe für die Eltern, „dass diese Menschen nicht mal Hilfe im Ausland brauchen. Und wenn, dass ihnen ein Ausländer hilft, der mehr Gastfreundschaft, Empathie, Bildung und Intelligenz hat als sie.“

Heftige Diskussionen im Netz

In der Brandenburger Kinderklinik behandeln die 14 Ärzte pro Jahr etwa 2500 Kinder. Kössel hatte bereits Dienstag klar gestellt: dem Personal sei es völlig egal, aus welchem Land ein Kind komme. „Ich habe klar zum Ausdruck gebracht, dass wir die Zimmer nicht nach Nationalität oder Religion belegen, sondern nur nach zusammenpassenden Krankheitsbildern.“

Er verglich die rassistisch motivierte Ausgrenzung mit der Nazi-Zeit, als es hieß „Juden raus“ oder mit dem offenen Rassismus in früheren Zeiten in Südafrika oder in den USA.

In den sozialen Netzwerken ist der Artikel hundertfach kommentiert und geteilt worden. Beispielsweise die Berliner Staatssekretärin für Bürgerschaftliches Engagement und Internationales Sawsan Chebli hatte den Link auf ihren offiziellen Account geteilt und klar Stellung gegen Rassismus bezogen. Dafür wurde sie in der Folge – wie so oft zuvor auch – von Trollen beschimpft.

Von Benno Rougk