Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Brandenburg/Havel Grenzen überschreitender Rock
Lokales Brandenburg/Havel Grenzen überschreitender Rock
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:30 05.05.2019
In der Kirche in Wust gab es ein ungewöhnliches Konzert. Katharina Burges, Torsten Gränzer und Göran Schade spielten, erzählten und sangen Geschichten über dunklere Seiten des Lebens. Quelle: Heike Schulze
Brandenburg/H

Höllisch laut begann am Freitagabend ein aufregendes und ungewöhnliches Konzert. Göran Schade ließ sein Schlagzeug so wild toben, dass den Zuhörern in der voll besetzten Kirche in Wust der Atem stockte. Elektronische Farb-/Lichtspiele jagten über die Kirchenwände. Torsten Gränzer besang mit beschwörender Stimme seine Geburt. Da blieb auch die fantastische Sängerin Katharina Burges nicht ruhig und sang mit ihm im Duett. Beide fanden keine Antwort auf die Frage: Wer ist lebensfähig, wer nicht? Aber wer entscheidet das überhaupt?

Nein, es ist kein erbauliches Konzert. Es ist nahezu verstörend, was das Musikertrio präsentiert: Katharina Burges, die ausgebildete Opernsängerin, Jazzerin, Pianistin, Geigerin und Komponistin, die vor Jahren den Klassikbetrieb verlassen hat und seitdem freiberuflich arbeitet. Torsten Gränzer, der sich als Autor, Musiker, psychologischer Berater und mit noch einigen anderen beruflichen Aktivitäten ausprobiert hat. Und der Dritte im Bunde, Göran Schade, ein Schlagzeugvirtuose, der ebenfalls aus dem Klassikzirkus ausgeschieden und von den beiden anderen als „unser Orchester“ bezeichnet wird.

Die drei Musiker überraschen das Publikum mit einer stilistischen und rhythmischen Vielfalt, die einfach unglaublich ist. Ihre Musik passt in kein gängiges Genre. Am ehesten handelt es sich um grenzüberschreitende Rockmusik, mit einem Hauch von Punk ab und an und Anleihen aus Klassik und Jazz. Außerdem werden Tangorhythmen an einem Grab gespielt. Der Song „Der Kotze-Blues“ erregt Ekel und erinnert an das Chanson „Amsterdam“ von Jacques Brel. Doch Vergleiche werden dem Werk des Trios Burges-Gränzer-Schade nicht gerecht. Denn kein Stück auf ihrer CD „Jenseits schillernder Welten“, die am Tag des Wuster Konzerts erschienen ist, gleicht dem anderen. Dennoch haben sie zusammen ihre ganz eigene musikalische Sprache entwickelt, die die Zuhörer in ihren Bann zieht und sie nicht mehr los lässt. Suchtgefahr!

Die Texte der Songs stammen von Torsten Gränzer und sind teilweise mehr als dreißig Jahre alt. Sie erinnern entfernt an die „Morgue-Gedichte“ von Gottfried Benn und mehr noch an Charles Baudelaire („Blumen des Bösen“). Wie dieser vereint Gränzer in seinen Texten zwar Gegensätze wie beispielsweise Abscheu und Sehnsucht. Doch er vermittelt weniger Hoffnung als der französische Dichter. Gränzer beschreibt Weltschmerz pur, Verzweiflung an sich und an der Welt, Albträume und Visionen, Empörung und Aufbegehren gegen Kapitalismus, religiösen Fanatismus und Tod. Er schreibt vom (Über-)Lebenskampf und einer Sinnsuche, die nichts beschönigt und der Welt ungeschminkt den Spiegel vorhält. Könnte Liebe da Rettung sein, wenigstens vorübergehend die Ängste befrieden? Diese Hoffnung bleibt sehr vage.

Eines ist nach diesem fulminanten Konzerterlebnis klar: Dass sich diese drei Musiker zufällig begegnet sind, war Schicksal. So unterschiedlich ihre Musik in ihrem jeweiligen Vorleben auch war, gemeinsam sind sie unbeschreiblich gut, einfach genial. Weiter so und bitte mehr!

Von Ann Brünink

Da war wohl einer mit zu großen Pupillen unterwegs. Polizeibeamte schöpften bei einem 23-Jährigen Verdacht und unterzogen ihn einem Schnelltest: Der bescheinigte, dass sie richtig vermutet hatten.

05.05.2019

18 Billard-Disziplinen, 500 Aktive und eine Legende gibt sich die Ehre: Raymond Ceulemans besuchte erstmals die Europameisterschaften in der Havelstadt. Er sah ein hochspannendes Finale im Dreiband.

05.05.2019

Sie haben eine Idee, mit dem sie sich am Wettbewerb ums Gestalten des Packhofes beteiligen wollen, wissen aber nicht wie? Die Bürgerinitiative will mit Experten die Bürger beraten.

05.05.2019