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Brandenburg/Havel Musik auf dem Siemens-Martin-Ofen: Wie Künstler Teile des Industriemuseums als Instrument nutzen
Lokales Brandenburg/Havel Musik auf dem Siemens-Martin-Ofen: Wie Künstler Teile des Industriemuseums als Instrument nutzen
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14:32 21.05.2019
Die Musiker der Band „Quatronom“ spielen im Brandenburger Industriemuseum und wollen Zuhörer der Konzertperformance „In Flammen geboren“ eine musikalische Reise präsentieren. Quelle: Jakob Adolphi
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Brandenburg/H

Die Geschichte der Stahlgewinnung wird bei einer 70-minütigen Klangperformance im Industriemuseum neu erzählt. Musiker der Band „Quatronom“ proben hier in der 3400 Quadratmeter großen Halle für die Konzertperformance „In Flammen geboren“ und wollen mit Zuhörern in „neue musikalische Welten“ reisen.

Musiker der Band „Quatronom“ nutzen Teile des Industriemuseums als Instrumente. Sie wollen Zuhörern der Konzertperformance „In Flammen geboren“ am 24. und 25. Mai neue musikalische Welten präsentieren.

Spiel auf dem Siemens-Martin-Ofen

Dabei erklingen Sirenen, ein ostasiatischer Metallgong und eine elektrische Violine, während Schlagzeuger Christian Klein mit seinen Drumsticks auf dem einzigen noch erhaltenen Siemens-Martin-Ofen Westeuropas trommelt. Das 15 Meter hohe und 30 Meter breite technischen Denkmal fasziniert den Bremer. „Der Ofen hat spezielle Metallstreben, die unterschiedliche Tonhöhen haben. Wenn ich mit den Drum-Sticks heraufschlage, klingt das ein bisschen wie ein Xylophon“ sagt Klein, der die Akustik des Industriemuseums lobt.

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„Hier ist es möglich, Lärm und Stille zu erzeugen. Du kannst eine Stecknadel fallen lassen und würdest es hören. Der Raum entwickelt ein eigenes musikalisches Leben und seine Elemente werden zum Instrument“, sagt der 36-Jährige der MAZ. Der Titel der Konzertperformance stammt vom gleichnamigen DEFA-Dokumentarfilm "In Flammen geboren" aus dem Jahr 1957. Regisseur Wolfgang Bartsch informiert im Werk über die Technologie der Stahlgewinnung und zeigt neben technischen Details auch die schwere körperliche Arbeit der Stahlwerker.

Klangreise mit Schauspielelementen

Auch die Musiker von Quatronom nutzen historische Details und stellen Klänge der Anlage des ehemaligen Stahl-und Walzwerkes durch präparierte Schlaginstrumente dar. Zusätzlich entfremden sie akkustisch herkömmliche Arbeitsgeräte, durch das direkte Bespielen der Anlage und elektronische Wiedergabe der im Werk gefundenen und verarbeiteten Klänge. Um die Akustik des ehemaligen Stahl-und Walzwerkes zu nutzen, wird der Raum gleichzeitig von weit auseinander liegenden Spots bespielt. „Diese Klangreise macht es speziell, weil der Zuhörer nicht einordnen kann, woher die Geräusche kommen“, sagt Christian Klein.

Geiger Johannes Haase erzeugt mit seinem Instrument den akkustischen Gegensatz zu massiven Klängen der drei Schlagzeuger Johannes von Buttlar, Tobias Hamann und Christian Klein. Die Musiker verbinden elektronische Klanggestaltung, freie Improvisation mit Theater-Elementen und Überraschungsmomente. Während der gesamten Performance führen die Musiker das Publikum durch die Anlage.

Drei Darsteller unterstützen die Atmosphäre zusätzlich in unterschiedlicher Kostümierung, gewohnte Konzert-und Höreindrücke sollen so aufweichen und Grenzen verschwimmen. „Ein paar Überraschungen wird es auch geben, beispielsweise ist eine Prinzessin zu sehen“, sagt Klein der MAZ.

Die Konzertperformance „In Flammen geboren“ findet Freitag, den 24. und Samstag, den 25. Mai, jeweils ab 20.30 Uhr im Brandenburger Industriemuseum statt. Der Einlass beginnt um 19 Uhr, Gäste können sich vorab am Grill und mit Getränken stärken. Karten kosten 15 Euro, sind an der Abendkasse und in der MAZ-Ticketeria erhältlich.

Von André Großmann