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Brandenburg/Havel Kreatives aus dem Verwandlungsamt
Lokales Brandenburg/Havel Kreatives aus dem Verwandlungsamt
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00:19 27.10.2017
Der Künstler Jan Beumelburg in seinem Atelier in Brandenburg an der Havel.
Der Künstler Jan Beumelburg in seinem Atelier in Brandenburg an der Havel. Quelle: Matthes
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Brandenburg/H

Egal, ob er malt oder ob er aus Alltagsgegenständen Kuriositäten schafft – der Brandenburger Jan Beumelburg ist ein ausgesprochen vielseitiger Künstler, dessen Schaffensbreite und Ideenreichtum locker für drei Kunstschaffende reichen würde. Nach seinem Studium an der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig durchlebte er zunächst eine intensive Phase der Malerei. Daran an schloss sich die jahrelange Beschäftigung mit dem sogenannten „Verwandlungsamt“, dessen Kreationen teilweise geradezu genial zu nennen sind.

Inzwischen ist Beumelburg zurückgekehrt zur Malerei. Hier überrascht er mit ganz unterschiedlichen Sujets und Motiven, immer meisterlich umgesetzt.

Zwielicht über Nordseeinsel; 2016, Öl auf Leinwand. Quelle: privat

„Zwielicht über Nordseeinsel“ heißt ein Gemälde, das mit seiner Ausstrahlung von Ruhe und Weite fasziniert. Zu sehen ist eine herbe Landschaft mit dem typischen Bewuchs von Marschwiesen. Ein Wasserlauf schimmert hell im Licht des nur leicht bewölkten Himmels, an dem man verschleiert die Sonne erahnen kann. Der Blick des Betrachters verliert sich im unendlichen Weit des Himmels. Auf dem Gemälde verschmelzen die Farben zu einer leuchtenden Komposition, und einzelne Details wie Wildblumen, Halme und Gräser sind nicht zu unterscheiden. Eine Stimmung von heiterer Losgelöstheit vermittelt sich dem Betrachter und er spürt: So oder ähnlich fühlt sich Glück an.

Ganz unterschiedliche Stimmungen

Eine ganz andere Stimmung strahlt ein Gemälde aus, das Beumelburg „Die Toteninsel“ betitelt hat. Eingebettet in eine blaue Umgebung ragen abstrakte Formen in lockerer Formation aus der Bildmitte auf. Ein warmer Grauton dominiert. Eine mittig platzierte weiße Form verleiht dem Bild Helligkeit. Möwen schwirren über der Szenerie, ein Zeichen, dass es selbst an diesem einsamen Ort Leben gibt. Insgesamt vermittelt dieses Gemälde ein Gefühl von stillem Frieden.

Strandgut 2004 Acryl Quelle: privat

Je abstrakter Jan Beumelburg malt, desto größer ist die Herausforderung für den Betrachter Abstrakte Werke beziehen bekanntermaßen ihre Wirkung größtenteils über die Kombination von Formen und Farben. Das ist bei Beumelburg anders. Bei ihm erwächst das Abstrakte aus einer realistischen Szenerie. So bei dem Gemälde „Wanderer in einer Winternacht“, wo der Betrachter vor dem Hintergrund eines Winterwaldes mitten in einem unberührten Schneefeld von einem surrealen Gebilde überrascht wird. Wie ein U-Boot taucht es aus dem Untergrund auf. Manche Details daran scheinen vertraut. Aber in der Gesamtschau ergeben sie zumindest spontan keinen Sinn.

Porträts sind wieder gefragt

Ausgesprochen lebendig schauen Gesichter von einer Wand in seinem Atelier. „Die Leute lassen heute wieder Porträts malen“, freut sich Beumelburg. Waren es in seiner ersten Phase der Malerei vor allem Studien, auf denen der Maler den porträtierten Menschen hinter darüber gelegten Zeichen verschwinden ließ, schafft Beumelburg nun eindringliche Porträts, die der Ähnlichkeit mit dem Modell verpflichtet sind und die dennoch sehr individuell wirken.

Die Toteninsel (Ausschnitt) 2011, Acryl auf Holz Quelle: privat

Am Anfang kamen die Käfer – Stempelkäfer, Telefonkäfer, Zwirnkäfer, Pinselkäfer, Pelzkäfer, Bürstenkäfer, Brötchenkäfer, ja sogar Schamkäfer. Jahrelang feierte Beumelburg große Erfolge mit den Exponaten, die er für sein Verwandlungsamt geschaffen hat. „Dahinter stand die Idee der „barocken Wunderkammern“, die wiederum aus früheren Raritäten- oder Kuriositätenkabinetten hervor gegangen waren“, erläutert Beumelburg. Doch er hat aus ganz normalen Alltagsgegenständen erst durch Umwandlung Kuriositäten geschaffen.

Wie genial viele seiner Ideen waren, das bewies er 2008 mit seiner großen Schau skurriler Gedanken und Objekte mit dem Titel „Bringen Sie endlich wieder Leben in Ihre Ordnung“, die er mit 800 Exponaten in der Brandenburger Kunsthalle Brennabor gezeigt hat.

Im Verwandlungsamt nimmt Beumelburg die Dinge beim Wort

In seinem „Verwandlungsamt“ nimmt Beumelburg die Dinge beim Wort und verdichtet sie zu Einfällen, die an Karl Valentin erinnern. Hinweisschilder wie „Schuld abladen verboten“ oder „Achtung. Nicht unter die Last treten“ (neben einem Kruzifix platziert), beweisen, wie pädagogisch wertvoll und lebenspraktisch die Kunst von Jan Beumelburg sein kann. Vor allem kann sie aber auch urkomisch sein.

Überfluss 1993 Acryl Quelle: privat

„Ich habe mich sehr spät für das Kunststudium entschieden“, erinnert sich Jan Beumelburg (Jahrgang 1965). Als Kind habe er sich für Zoologie, Verhaltensforschung und Ornithologie interessiert. Aber auch mit Chemiekästen habe man ihm eine Freude machen können. Mit etwa 14 oder 15 Jahren habe er angefangen Wildtiere zu fotografieren. Damals habe er die Tiere auch gezeichnet. Beruflich habe er sich damals die Arbeit in einer Auffangstation vorstellen können.

In seinem Elternhaus wurde seine künstlerische Begabung nicht gefördert. „Bei uns zuhause gab es nur ein Kunstbuch von Eduscho“, verrät er lachend. Durch Freunde sei er schließlich zur Kunst gekommen. „Wir haben im Jugendclub ein Wandbild mit Musikerbildnissen gestaltet“, erzählt er. „Während des Abiturs bin ich dann dem Rat von Freunden gefolgt und habe mich an der Fachhochschule Hannover und an der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig erfolgreich für ein Kunststudium beworben. Mit 19 Jahren habe ich in Braunschweig angefangen Freie Kunst zu studieren.“

Studium bei Roland Dörfler

Jan Beumelburg wurde 1965 in Neustadt am Rübenberge in Niedersachsen geboren. Von 1984 bis 1990 absolvierte er ein Studium der Freien Kunst an der Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig. 1990 machte er sein Diplom und war Meisterschüler bei Roland Dörfler.

Von 1990 bis 1993 war Beumelburg freiberuflich an verschiedenen Theatern tätig. Seit 1994 ist Jan Beumelburg freischaffender Künstler in Brandenburg an der Havel, der Liebe wegen, wie er sagt.

1995 initiierte er die Gründung des „Salon Visionell“ gemeinsam mit Gunnar Kollin. 1998 bis heute: Neugründung des „Verwandlungsamtes“.

„Ich habe keinen „Brotberuf“, sagt Jan Beumelburg. Er kann von seiner Kunst leben, aber nur, weil er sehr viel arbeitet. Die Liste seiner Ausstellungen ist lang. Er hat zudem zahlreiche Preise und Arbeitsstipendien gewonnen.

Blick ins Atelier des Künstlers in Brandenburg an der Havel. Quelle: privat

Als „angekommen“ im finanziellen Erfolg gilt ein Künstler vor allem dann, wenn er Sammler hat, die seine Entwicklung verfolgen und seine Kunst über Jahre hinweg kontinuierlich erwerben. Das zu erreichen ist für einen so vielseitigen Künstler wie Jan Beumelburg nicht so einfach. Denn der eine mag seine Landschaftsbilder, ein anderer seine Kreationen aus dem Verwandlungsamt und wieder ein anderer liebt seine Porträts oder seine surrealen Bilder. Zur Zeit plant er einen Zyklus aus dem Zoo.

Er bereut seine Berufswahl nicht, auch wenn sich sein Künstlerleben nicht so gut mit einem Familienleben vereinbaren lässt. „Leute, die Kunst machen, haben eine Unwucht im Gehirn“, behauptet Beumelburg. Er muss es ja wissen.

Von Ann Brünink

23.10.2017
23.10.2017