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Brandenburg/Havel 400 Kilometer Anreise für den Karnevalstanz
Lokales Brandenburg/Havel 400 Kilometer Anreise für den Karnevalstanz
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12:16 28.01.2019
Dass die Jury auch lustig kann, zeigte sie in einer kleinen Pause mit einer Polonaise durch den Saal. Quelle: Rüdiger Böhme
Brandenburg/H

Oft werden sie belächelt oder nicht ganz ernst genommen, die Tanzmariechen, Gardetänzerinnen und -tänzer der Karnevalsvereine landauf und landab. Aber es ist Ergebnis harten Trainings, Körperbeherrschung und nicht selten der Verzicht auf viel Freizeit über das ganze Jahr hinweg.

Es ist fast unglaublich, was schon die kleinsten Gardetänzerinnen zu leisten vermögen. Um diese harte Arbeit der Aktiven, Trainer, Betreuer und nicht zuletzt der Kinder und Jugendlichen, zu würdigen, gibt es bundesweit Wettbewerbe, an deren Ende die Deutsche Meisterschaft im karnevalistischen Tanzsport des Bundes Deutscher Karneval (BDK) steht.

In Brandenburg richtete am Samstag der Brandenburger Karnevalsklub 1964 e.V. (BKC) bereits zum 5.Mal eine Landesmeisterschaft, die 22. des KVBB (Karnevalsverband Berlin-Brandenburg), aus, wo sich die Garden, Tanzmariechen, Tanzpaare oder Schautanzgruppen für den Einzug in das Halbfinale zur Deutschen Meisterschaft qualifizieren konnten.

Die Plackerei übers ganze Jahr – da besteht der Lohn für Garden und Mariechen nicht nur aus dem Beifall des Publikums, sondern auch aus den Wertungen der Juroren.

Doch um sich zu qualifizieren, müssen die Akteure mit ihren Darbietungen vor einer siebenköpfigen Jury bestehen, die ganz genau hinschaut und weiß, worauf es ankommt. Einer von ihnen, die am Samstag im Brandenburger Theater die Leistungen der Brandenburger Vereinstänzerinnen begutachtete, ist Wolfgang Bieser.

Der Schwäbisch-Gmünder hat wohl den weitesten Weg hinter sich gebracht, um hier die Bewertungen durchzuführen. Aber auch die anderen Juroren kommen nahezu alle aus dem süddeutschen Raum, müssen sie doch Juroren des BDK sein.

„Für uns ist das eine Hochzeit im Jahr, wir fahren nicht selten 300 oder 400 Kilometer zu Turnieren, aber bis nach Brandenburg ist schon eine Ausnahme,“ erzählt Bieser, der bereits das zweite Mal in der Havelstadt weilt.

Aber wichtiger ist, die Leistungen der Aktiven gerecht und nach gutem Gewissen zu bewerten. „Ich kann nicht einfach eine Gruppe leichtfertig hoch oder zu niedrig beurteilen. Ich muss jede Entscheidung gegenüber unserem Jury-Obmann rechtfertigen, das ist sehr streng geregelt“, berichtet der erfahrene Juror.

Er sitzt seit gut 30 Jahren am Tisch vor der Bühne und weiß, wovon er spricht, denn mindestens genau so lange trainiert er Garden und Trainer. Getanzt hat er einst selbst und das von der Pike auf gelernt als Profitänzer in den Sparten Standard und Latein. Doch dann kamen die Liebe und die Familie, er musste mit den Turnieren aufhören.

Seine Liebe zum Tanzsport ist bis heute geblieben und seine Erfahrungen gibt er gern weiter. Und dass er und die anderen Juroren nicht nur ernsthaft Wertungen durchführen können, bewiesen sie allesamt am Samstag in einer kleinen Turnierpause, als sie sich kurzerhand zu einer Polonaise formierten und durch den prall gefüllten Saal zogen.

Dafür gab es dann von Turnierleiterin Angela Schmidt vom BKC mit 99 Punkten auch fast die Idealwertung. Für Wolfgang Bieser beginnt jede Tanzgruppe oder jeder Einzelauftritt mit der Punktzahl 100. „Ich gebe jedem zuerst an der Treppe die volle Punktzahl, danach kommen erst die Abzüge, die sich in unterschiedlichsten Kategorien auflisten lassen,“ informiert der Juror, der übrigens bei großen Tanzgruppen Fehler viel leichter und deutlicher erkennen kann, als bei kleineren Gruppen.

Die strengen Kriterien sind klar definiert. Geachtet wird auf den Aufmarsch, die Grundstellung, die Uniform, die Ausstrahlung, die Schrittvielfalt, den Schwierigkeitsgrad, die Darstellung der Disziplin, die Exaktheit der Ausführung und die Choreografie.

Und jede Kategorie hat mehrere Punkte, die es zu beachten gilt. „Beim karnevalistischen Tanzsport wird durchaus strenger bewertet, als bei den Turniertänzern allgemein. Wir haben einen viel umfangreicheren Bewertungsbogen abzuarbeiten, was ich besonders gut finde,“ so der ehemalige Turniertänzer.

Am Ende sind es oft Kleinigkeiten die über Sieg oder Platzierung entscheiden. Für die beiden Vereine aus der Havelstadt gab es je einen Landesmeistertitel, beim BKC für die Grüne Garde und beim KCH für die Schautanzgruppe in der AK III Ü15, zu feiern. Dabei hatte der KCH leider großes Verletzungspech, so dass deren Tanzmariechen und zwei Garden nicht antreten konnten.

Für Angela Schmidt war diese Turnierleitung wohl die letzte, umso mehr bedankte sie sich bei ihren Vereinsfreunden für die viele und engagierte Unterstützung in all den ausgerichteten Turnieren ebenso dem am Samstag, ohne deren Hilfe das nie zu stemmen gewesen wäre.

Genannt seien stellvertretend nur Torsten Ritzka und Heiko Sack, aber auch alle anderen sollen ebenso gewürdigt sein. Eine weitere große Stütze ist das Team von „Garde 2000“ um ihren Chef Manfred Lipp.

Von Rüdiger Böhme

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