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Brandenburg/Havel Wust: Bittere Bilanz eines Ortsvorstehers
Lokales Brandenburg/Havel Wust: Bittere Bilanz eines Ortsvorstehers
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12:07 14.05.2019
Lothar Schmidt ist seit 16 Jahren der Ortsvorsteher des Brandenburger Ortsteiles Wust Quelle: Rüdiger Böhme
Brandenburg/H

Lothar Schmidt hat genug, er will nach den anstehenden Kommunalwahlen nicht als Ortsvorsteher von Wust weitermachen. Der Parteilose hat sich noch nicht einmal für den Ortsbeirat aufstellen lassen. Seit 2003 ist er im Amt, das war genau der Zeitpunkt, zu dem Wust zur Stadt Brandenburg eingemeindet wurde, Schmidt spricht heute noch von „Zwangseingemeindung“. 96 Prozent der Wuster waren dagegen, in der Anhörung soll der damalige Innenminister Jörg Schönbohm (CDU) zu ihm gesagt haben, spätestens im Jahr 2019 sei der kleine Ort wieder in Potsdam-Mittelmark. Das ist nicht eingetreten.

Bahnübergang ist Hauptthema

Wenn man über Wuster Probleme redet, kommt das Gespräch zwangsläufig sehr schnell auf den Bahnübergang an der RE1-Hauptstrecke und die fehlende Straßenüberführung der Bundesstraße 1. „2005 hat Minister Jörg Vogelsänger (SPD) versprochen, es werde neben den Bahngleisen eine Umgehungsstraße gebaut. Es seien sogar schon Millionen für Planungen und Vorarbeiten ausgegeben worden, wo sind die denn geblieben?“ 2006 vor der Landtagswahl habe sich Ralf Holzschuher (SPD) vor dem Bahnübergang fotografieren lassen, im Falle seiner Wahl werde er für die Bahnüberführung sorgen. Die anderen Parteien seien nicht besser, die CDU verspreche ebenfalls seit Jahr und Tag das Bauwerk.

Suche nach dem Grenzstein

Endgültig das Fass zum Überlaufen brachte für Schmidt ein Brief des Landesbetriebs Straßenwesen, der sich im Auftrag des Bundes um die Bundesstraßen kümmert. Ein Planer der Behörde schreibt an Schmidt, es werde gerade das Planfeststellungsverfahren für eine Überfahrt vorbereitet. „Leider konnte die Stadt Brandenburg an der Havel keine eindeutige Aussage darüber treffen, wo sich im Bereich der Wuster Straße die Grenze der Ortsdurchfahrt Wust (OD-Grenze) befindet“, heißt es im schönsten Behördendeutsch. Es gebe zwar ein Ortsschild, in dessen Nähe aber kein OD-Stein gefunden werden könne. Ob denn im Dorf jemand wisse, wo die Grenze ist. Schmidt hat sogar im März seinen Ortsbeirat dazu gefragt, aber es war nicht herauszubekommen. „Wie geht denn die Stadt mit unseren Unterlagen um, die damals vom Amt Emster-Havel ordnungsgemäß übergeben worden sind“, poltert der Ortsvorsteher.

Stinkende Gullys sind Ärgernis

Die Kirche in Wust. Quelle: JACQUELINE STEINER

Das sei aber symptomatisch, die Stadt habe kein großes Interesse an den Ortsteilen. So bekam er jüngst die Mitteilung, dass einer der beiden Leuchtstrahler an der Dorfkirche repariert worden sei, obwohl dies gar nicht geschehen war. Auch sei der stinkende Gully daneben nun „geruchsneutral verschlossen“, dabei hat der ehemalige Jeseriger Bauhofchef Schmidt dies selbst provisorisch mit einer Folie erledigt. Als der Ortsvorsteher im Vorjahr nachfragte, warum denn in der größten Trockenheit der Rasen des Sport- und Festplatzes gemäht wurde, bekam er zur Antwort, es werde stattdessen gewässert. Dabei war das Gras doch schon ab. Das Wässern hat dann die Freiwillige Feuerwehr übernommen, sonst wäre der neue Festplatz kaputt.

In den 16 Jahren war dies so ziemlich das einzige, was die Stadt dem Ortsteil spendiert hat, für das Begegnungshaus in der alten Schule solle im Mai der Umbau losgehen. Das Feuerwehrgerätehaus entspreche nicht mehr den Standards, doch ist da noch nichts passiert.

Das Schweigen aus Potsdam

Auch die Landespolitik verspreche immer nur, ohne anschließend zu handeln. „Im November 2018 war ich zur Beratung mit Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) im Rolandsaal. Vorher berichtete ich über unsere Probleme mit der Bahnüberführung. Ich habe ihm gesagt, dass wir zur vergangenen Kommunalwahl 26 Prozent AfD-Wähler im Ortsteil hatten. Wenn sich nichts ändert, werden es diesmal wohl 50 Prozent.“ Woidke habe sofort die zuständige Verkehrs-Staatssekretärin Ines Jesse geholt, die sich um Wust kümmern sollte. Als Schmidt seine E-Mail zu den Bahnüberführungs-Problemen an sie geschickt hatte, kam drei Wochen später lediglich eine Eingangsbestätigung. Seitdem nichts mehr.

„Ich werde nur vertröstet, und alle Versprechen werden nicht eingehalten. Ich möchte mit dieser Stadtverwaltung und diesen Politikern nicht länger zusammenarbeiten“, zieht Lothar Schmidt seine bittere Bilanz.

Von André Wirsing

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