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Brandenburg/Havel Luthers Sehnsucht nach dem Petersdom
Lokales Brandenburg/Havel Luthers Sehnsucht nach dem Petersdom
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14:07 27.05.2018
Frank Grünert begeistert mit seinem Einpersonenstück als Sprachforscher und Luther-Kenner in der voll besetzten Neuendorfer Kirche. Quelle: Ina Schidlowski
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Brandenburg/H

Mit den Plätzen wird es eng, an diesem sonnigen Mainachmittag in der kleinen Neuendorfer Kirche. Sprachforscher Dr. Konrad Büchner alias Frank Grünert gab sich am Sonnabend die Ehre, um aus dem Leben des sagenhaften Dr. Luther zu berichten.

In den Kirchenbänken wippen – auf den Köpfen einiger Damen – bunte Sommerhüte, eine freudige Erwartung liegt in der Luft, während Pfarrer Philipp Mosch zusätzliche Bänke organisiert.

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„Das ist doch eine schöne volle Kirche“, sagt er dann zur Begrüßung der etwa 60 Gäste und heißt den Gast vom Stadt- und Burgtheater Bad Belzig willkommen. Schauspieler Frank Grünert schlüpft für das 90-minütige Einpersonenstück in die Rolle des Büchner, der als Sprachforscher in „Schnökendönschen“ Manuskripten fündig wurde und erzählt mit reimenden, teils als Rap-Gesang daher kommenden Versen aus dem Leben Martin Luthers. Bildreich ergänzt durch häufig wechselnde und ausdrucksstark gezeichnete Bühnenbilder und Pappfiguren vom Dresdner Puppenbauer Matthias Hänsel.

„Ich hoffe, Sie haben noch Lust auf Luther“, begrüßt er sein Publikum und erinnert noch einmal in lustigen Reimen an all die Errungenschaften, die der heutige Mensch dank der Reformation und des großen Reformators Martin Luther genießen kann.

Das Theaterstück findet großen Anklang. Nicht zuletzt, weil Grünert den Kontakt zum Publikum in Sekundenschnelle aufbauen kann und mit kleinen Alltäglichkeiten das Publikum zu unterhalten weiß – sei es eine Fernbedienung für seine Bühnenbeleuchtung oder das Flottchen, ein Aufziehspielzeug aus DDR-Zeiten. Man hängt an seinen Lippen, lässt sich auf gemeinsamen Rap-Gesang mit „Rom, Rom, Rom,/ du heiliges Rom,/ wie sehn ich mich nach dir/ und dem Petersdom“ ein oder beteiligt sich mit blecherner Hilfe an zu erzeugendem Gewitter.

Und wenn Grünert mit Schwung zuckende Pappblitze ins Böhnenböld krachen lösst, Verzeihung, natürlich ins Bühnenbild krachen lässt oder mit den Worten „Sobald das Geld im Kasten klingt, die Seele in den Himmel springt“ den Ablasshändler Johann Tetzel mimt, gibt es sogar donnernden Zwischenapplaus. Trotz aller Gaudi geht der Wissensgehalt des Stückes nicht verloren, nimmt man sehr wohl Anteil an dem bewegten Leben des Reformators, seinen Lebensstationen und seinem Ringen auf der Suche nach dem einen gerechten und gnädigen Gott.

Und während draußen der Kuckuck ruft, reist Büchner zum Reichstag nach Woms oder auf die Wartburg nach Eisenach, wo er Pappteufel erscheinen und verschwinden lässt, bringt Katharina von Bora und Philipp Melanchthon ins Spiel und zeichnet so ein schlüssiges Bild Luthers nach.

Aus Aufzeichnungen, Lebensbeichten, Memoiren, Testamenten, Briefen, Urkunden und Dokumenten und wie ein wissendes Neuendorfer Publikum ergänzend hinzufügt: „Zetteln“, hat der Schnökologe sich bis zum letzten Satz Luthers vorgearbeitet. „Wir sind Bettler, das ist wahr.“ Geschrieben an seinem Todestag, dem 18. Februar 1546.

Von Ina Schidlowski

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