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Brandenburg/Havel Märchenstunde vor der Wahl: Über sieben Brücken musst du geh’n
Lokales Brandenburg/Havel Märchenstunde vor der Wahl: Über sieben Brücken musst du geh’n
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05:03 02.03.2019
Lange Schließzeiten sorgen am Bahnübergang an der Planebrücke (Ziesararer Landstraße) in Brandenburg an der Havel für viel Verdruss.
Lange Schließzeiten sorgen am Bahnübergang an der Planebrücke (Ziesararer Landstraße) in Brandenburg an der Havel für viel Verdruss. Quelle: Heiko Hesse
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Brandenburg/H

Seit Jahrzehnten beeinflussen zwei Nadelöhre die Stadt Brandenburg: Die fehlende Brücke über den Bahnübergang Wust und die ebenso fehlende Brücke über den Bahnübergang an der Planebrücke Richtung eigenen Scholle. Die ersten 13 Jahre nach der Wende stellte die SPD den OB in Brandenburg, schaffte es aber nicht, die Nadelöhre zu vergrößern.

Die nächsten 16 Jahre stellte die CDU den Oberbürgermeister und kam nicht einen Schritt weiter als die SPD. Nun schreiben wir 2019, und all jene, die entweder für die SPD oder später für die FW Lokalpolitik machen wollten oder die, die von der CDU kommen und/oder auch von den Linken und der FDP versichern nun ihren umworbenen Wählern: Würden sie (also wer auch immer) am 26. Mai in die SVV gewählt, werde alles besser. Und warum klappte das in den letzten 30 Jahren nicht?

Blick auf die Eigene Scholle. Quelle: Dirk Fröhlich

Zur Erinnerung: Oberbürgermeister Steffen Scheller (CDU), seit gut einem Jahr im Amt, hat die Bahnbrücke in Wust neben der Autobahnanbindung an Kirchmöser die höchste Priorität gegeben. Geändert hat auch das nichts. Sein Appell beim jüngsten Besuch des Ministerpräsidenten Dietmar Woidke (SPD) brachte wenig bis nichts.

Ungeachtet dessen legen jetzt die Freien Wähler (FW) nach. Das sind mehrheitlich jene Lokalpolitiker, die früher bei der SPD waren und seit ihrem Bestehen als Fraktion vor zwei Jahren nun meist mit der CDU stimmen und mit ihr und einem eigenen Beigeordneten ab Mai die Stadt regieren wollen.

Immer mal wieder das Lager zu wechseln, ist okay. Das machen viele so. Aber man darf irritiert sein, wenn der langjährige lokale SPD-Spitzenpolitiker und Bürgermeister Norbert Langerwisch mit Blick auf die Erreichbarkeit der Eigenen Scholle schreibt: „Es müssen jetzt alle Voraussetzungen geschaffen werden, damit möglichst im nächsten Jahr mit den Baumaßnahmen begonnen werden kann.“ Warum hat er das nicht selbst gemacht?

Die Wuster Schranke sorgt für lange Staus. Quelle: JACQUELINE STEINER

In der Tat ist die Eisenbahnstrecke Berlin/Hannover eine der meist befahrenen Strecken der Deutschen Bahn. Und die FW haben – mit Blick auf das dritte Zugpaar des RE1 Recht, wenn sie glauben: dass „die Bewohner von Wilhelmsdorf und der Eigene Scholle auch künftig viel Zeit im Stau an der Planebrücke verbringen.“ Aber was ändert es, wenn sie sich heute als FW „weiterhin und künftig noch stärker dafür einsetzen, dass die Deutsche Bahn und die Stadtverwaltung ihre Hausaufgaben machen um eine Bahnüberführung möglichst bald realisieren“?

Bestimmt ist es richtig, wenn der FW-Vorsitzende Marco Bergholz jetzt beklagt, dass neben dem nervigen Pendlerverkehr als zusätzliches Minus die mangelhaften Einkaufsmöglichkeiten auf der Eigenen Scholle und in Wilhelmsdorf ganz doof sind. Aber das wussten die Leute vorher, die in den letzten Jahre auf die Scholle zogen!

Und jetzt kommt es. Marco Bergholz, der wenn er nicht Lokalpolitik macht, für die Brandenburger Bank arbeitet und sich ergo mit Geld und Immobilien auskennt, fragt ernsthaft: „Wann wachen die Verantwortlichen in der städtischen Bauverwaltung endlich auf, prüfen auch von uns vorgelegte Vorschläge oder legen eigene Ideen für die Errichtung eines vernünftigen großen Einkaufsmarktes für diesen Stadtteil vor?“

Die nächste Pferdewiese darf bebaut werden

Die sind doch längst wach! Nur zu Erinnerung: Gerade eben haben die FW dafür gesorgt, dass die nächste Pferdewiese auf der Scholle von einem Investor mit einem Wohngebiet bebaut werden darf. Was ist das wert, wenn der Investor keine Infrastruktur schafft? Weniger! Und warum sollte sich die Stadt darum kümmern?

„Für die Freien Wähler in der Stadt ist klar, dass in der nächsten Wahlperiode der SVV die infrastrukturelle Erschließung des Ortsteils Wilhelmsdorf und der Eigenen Scholle Priorität haben muss“, schreibt Norbert Langerwisch. Es liegt auf der Hand: Wenn man fast 150 Euro pro Quadratmeter Bauland bezahl, wäre ein kleines Kadewe vor der Tür nicht von Übel. Aber sorry! Das ist keine Aufgabe der Verwaltung.

Die Missstimmung könnte daran liegen, dass gegenwärtig niemand sein Grundstück in der Nähe der Scholle für einen Supermarkt hergeben möchte. Könnte als Bauland für Häuser bald mehr wert sein.

Freifläche für Supermarkt an der Bahnlinie

Es gibt Richtung Buhnenhaus eine Freifläche in der Nähe der Bahnlinien, die geeignet wäre, dass man dort einen Supermarkt errichtet. Kleiner Schönheitsfehler: Die Fläche liegt im Landschaftsschutzgebiet. Und daher ist sie jetzt auch noch nicht viel wert. Bodenrichtwertmäßig! Das würde sich ändern, wenn... Richtig! Aber das ist die Aufgabe des Investors, nicht der Stadt!

Schönes Gegenbeispiel: Die geplante Eigenheimanlage in Neuschmerzke. Da plant der Investor – obwohl es den Bedarf noch nicht gibt – mit Pflegeheim und Kindergarten. Sicher ist sicher. Nur eine Kaufhalle plant er nicht. Die gibt es ja in Wust. Und dafür braucht man wieder eine Brücke. Aber da kümmern sich ja jetzt alle Parteien drum...

Von Benno Rougk