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Brandenburg/Havel Mama soll bald gesund werden
Lokales Brandenburg/Havel Mama soll bald gesund werden
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19:19 08.12.2017
Spieleabende mit Rummikub gehören zu den kleinen Freuden bei Justin, Michaela und  Niko Schellenberg in Wollin.
Spieleabende mit Rummikub gehören zu den kleinen Freuden bei Justin, Michaela und Niko Schellenberg in Wollin. Quelle: JACQUELINE STEINER
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Wollin

Sie wollen sich einfach nicht unterkriegen lassen – die Schellenbergs aus Wollin. Die kleine Familie hat kaum Geld, größere Anschaffungen sind außer Reichweite. Dennoch antwortet Justin (12) auf die Frage nach seinen Weihnachtswünschen nur: „Dass Mama endlich wieder gesund wird.“ Das ist nicht so leicht. Seit zwei Jahren ist Michaela Schellenberg (45) nun schon krank – es gibt viele Baustellen für die Ärzte: im Kopf, im Bein, an der Wirbelsäule. Der Medizinische Dienst der Krankenkassen prüft gerade, ob sie erwerbsunfähig geschrieben und berentet wird. Zuletzt hat sie die Schule in Wollin sauber gehalten. Ihren Lebensmut verliert die Mutter aber nicht, im Februar fährt sie mit Justin zur Rehabilitationsmaßnahme in die Nähe von Güstrow.

Der älteste Sohn Niko (19) hat die neunte Klasse an der Oberschule Nord absolviert, die zehnte am Reichstein-OSZ. Jetzt lernt er den Beruf des Garten- und Landschaftsbauers für Zierpflanzen beim VHS-Bildungwerk. Er kämpft sich durch, trotz seiner Mathematik-Dyskalkulie. In seiner Freizeit engagiert sich Niko bei der Freiwilligen Feuerwehr Wollin, war auch schon zu Einsätzen auf der Autobahn. Sein Halbbruder ist in der Jugendabteilung, zudem beim Anglerverein im benachbarten Wenzlow – auf seine Hecht- und Karpfenfänge ist er ganz stolz. Judo und Schwimmen macht er auch noch. Später will er in der Landwirtschaft arbeiten -Traktoren und große Maschinen haben es dem Jungen angetan.

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Auch wenn die Jungs verschiedene Väter haben, sie halten zusammen. „Es kann nicht der eine ohne den anderen, wenn sie mal ein paar Tage getrennt sind, bekommen sie Sehnsucht“, erzählt Michaela Schellenberg. Natürlich gibt es wegen des Altersunterschiedes auch mal Meinungsverschiedenheiten zum TV-Programm, der jüngere wünscht sich dann doch einen eigenen Fernseher. Für sein Handy haben alle in der Familie zusammengelegt, aber es hat schon wieder die „Spider-App“, die berührungsempfindliche Oberfläche ist kaputt. Niko spart sich gerade mühsam die Fahrschule zusammen, damit er mobiler ist.

Die Wohnungseinrichtung hat die Oma spendiert, sie übernimmt auch mal die Reparaturrechnung fürs alte Auto der Familie. Damit fährt Michaela Schellenberg mittwochs immer zur Brandenburger Tafel, an diesem Tag werden die Familien aus dem Umland versorgt. „Das ist schon eine große Hilfe. Brot und Brötchen bekommen wir immer, auch mal Kuchen und Wurst.“ Doch wenn – wie jetzt – Spülmaschine und Wäschetrockner gleichzeitig kaputt sind, kann auch die Tafel nicht helfen. „Es ist immer so, für alles müssen wir Geld zusammenkratzen. Weihnachten oder Geburtstage werden nie riesig ausfallen bei uns.“ Wo soll es auch herkommen, wenn die Mutter seit Jahren krank ist und davor nur geringfügig beschäftigt war? Dennoch hält die Familie fest zusammen, ganz häufig trifft sie sich zu Spieleabenden mit den „Siedlern von Catan“ oder beim „Rummikub“.

Von André Wirsing

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