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Brandenburg/Havel Mammut, Kohlhobel und Spee: Historische Exponate aus der Region zwischen Havel, Elbe und Fläming
Lokales Brandenburg/Havel Mammut, Kohlhobel und Spee: Historische Exponate aus der Region zwischen Havel, Elbe und Fläming
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05:03 06.09.2018
Museumsleiterin Antonia Beran mit ihrem Favoriten der Ausstellung: einer historischen Mausefalle. Quelle: Tobias Wagner
Genthin

Das Kreismuseum Jerichower Land in der historischen Jugenstilvilla in der Nähe des Bahnhofs in Genthin zählt mit seinen über 25.000 Exponaten in insgesamt 13 Ausstellungsräumen zu den größten Museen der Region. Die Ausstellung stellt vorrangig die Geschichte des Gebietes zwischen Elbe, Havel und Fläming dar und verfügt über eine enorme urgeschichtliche Sammlung.

Die Ausstellung vermittelt außerdem einen umfassenden Einblick in das Alltagsleben und die historischen Ereignisse der Region vom Mittelalter bis in das 20. Jahrhundert.

Der Brandenburger Arzt Richard Stimming trug eine der größten Sammlungen von Exponaten zur Ur- und Frühgeschichte der Region zusammen – Das Kreismuseum Jerichower Land in Genthin stellt sie aus.

„Hier finden auch Brandenburger eine Menge zu ihrer Urgeschichte“, sagt Museumsleiterin Antonia Beran (50). Grund hierfür ist das Vermächtnis des Arztes Richard Stimming. Dieser wurde am 25. Januar 1866 in Brandenburg an der Havel geboren und besuchte die Ritterakademie im Dom zu Brandenburg. Ab 1895 praktizierte und lebte Stimming bis zu seinem Tod am 8. September 1936 in Wusterwitz.

Er war Mitglied des Genthiner Vereins der Altertumsfreunde und trug zu Lebzeiten eine umfangreiche Sammlung prähistorischer Exponate des Gebietes zwischen Havel und Elbe zusammen. Stimmings Fundplätze waren hauptsächlich Ton- und Kiesgruben. Er untersuchte insgesamt mehr als 100 vorgeschichtliche Fundorte, beispielsweise den Pritzerber See, den Gallberg bei Hohenferchesar oder die Gemarkung Butzow.

Adresse und Öffnungszeiten

Das Kreismuseum befindet sich in der Mützelstraße 22, in 39307 Genthin.

Das Museum ist jeden Dienstag, Mittwoch und Donnerstag zwischen 8 und 16 Uhr, jeden Freitag zwischen 8 und 12 Uhr und jeden Sonntag zwischen 14 und 16 Uhr geöffnet. Nach Vereinbarung auch außerhalb der Öffnungszeiten.

Der Eintritt kostet für Erwachsene zwei Euro, für Rentner 1,50 Euro, für Schüler 0,50 Euro sowie für Studenten, Auszubildende und Arbeitssuchende 1 Euro. Bei Gruppenbesuchen kostet der Eintritt pro Person 0,50 Euro. Kinder bis sechs Jahre haben freien Eintritt.

Führungen werden nach Voranmeldung angeboten.

Anmeldung per E-Mail unter kreismuseumjl.genthin@web.de oder telefonisch unter 03933/803521.

Das Museum ist nicht barrierefrei.

Weitere Infos unter www.lkjl.de

Das 1886 gegründete Kreismuseum kaufte im Jahr 1929 einen großen Teil der Sammlung Stimmings auf, welche seither das Kernstück der über 8000 Exponate umfassenden ur- und frühgeschichtlichen Sammlung der Ausstellung darstellt.

Zu dieser gehören unter anderem historische Harpunen und Fischspieße. „Diese sind mindestens 10000 Jahre alt“, so Beran. „Die Funde sammelte Stimming von Ziegelarbeitern ein, sie gehören neben Knochen aus der Eiszeit zu den ältesten Stücken des Museums.“

Urzeitliches Musikinstrument

Zu den Entdeckungen zählt ebenfalls ein sogenanntes Schwirrgerät, welches bei Pritzerbe im Havelland ans Tageslicht befördert wurde. Es wurde aus einem Knochen geschnitzt und zählt zu den ersten Musikinstrumenten. Das Schwirrgerät rief durch schnelle drehende Bewegungen an einer Schnur Geräusche hervor. Ähnliche Geräte benutzten unter anderem australische Ureinwohner bei ihren Zeremonien.

Ein weiteres herausragendes Stück aus der Sammlung Stimmings ist eine Graburne vom Gallberg in Brandenburg an der Havel aus dem 2. oder 3. Jahrhundert mit einer ungewöhnlichen Pferdedarstellung. „Ursprünglich nutzten die Germanen auf ihren Urnen geometrische Formen“, sagt Beran. „Das Pferdemotiv ist somit einzigartig“.

Bronzene Messer und Ringe

In der ersten Etage des Museums sind außerdem Eiszeitliche Skelettreste von Mammut und Nashorn, bronzene Messer und Ringe sowie weitere germanische Graburnen und Beigaben zu bestaunen.

Die zweite Etage hingegen ermöglicht dem Besucher das Abtauchen in das Handwerk und Gewerbe, in die bürgerliche und bäuerliche Kultur sowie in das Vereinsleben des Zeitraumes vom Mittelalters bis zum 20. Jahrhundert.

So verdeutlichen unter anderem die Reste einer authentischen Tracht die Textilherstellung im Jerichower Land und ein Webstuhl von 1739 lädt zur Vorführung ein. Eine sogenannte schwarze Küche aus dem 17. und 18. Jahrhundert lässt zudem das anstrengende Arbeiten am heimischen Herd erahnen, als man beispielsweise mit einem Butterfass, dem Waffeleisen sowie einem Kohlhobel im Schein einer Öllampe den Großteil seiner Nahrung noch selbst herstellte.

Gekocht wurde im Kessel über offenem Feuer

In dieser Zeit entstand auch das Sprichwort „Leg einen Zahn zu“. „Dieses kommt vom Kesselhaken“, so Beran. „Mit diesen Haken wurde das Essen zum Erhitzen über einem Feuer gehalten.“ Um das Erhitzen zu beschleunigen, hing man den Kessel einen Haken tiefer und somit näher ans Feuer.

In der Küche befindet sich auch das Lieblingsausstellungsstück der Museumsleiterin: eine Mausefalle, die Platz für insgesamt fünf Mäuse hat. „Dieses Teil zeugt von einer unheimlichen Pfiffigkeit“, sagt Antonia Beran. „Denn um an den Köder zu kommen, muss die Maus einen Faden durchbeißen, welcher die Falle auslöst.“ Hier entstand ein weiteres noch heute geläufiges Sprichwort, nämlich „da beißt die Maus keinen Faden ab“.

Geschichte der Ziegelherstellung in der Region

Weitere Ausstellungsteile sind dem preußischen Landesausbau des 18. Jahrhunderts und dessen kulturtechnische Maßnahmen zur Werterhöhung des Bodens im Fiener Bruch, dem Bau des Elbe-Havel-Kanals unter dem Preußenkönig Friedrich II. sowie der Ziegelherstellung gewidmet.

Auch der Bau des Genthiner Waschmittelwerkes von Henkel in den 1920er Jahren wird vorgestellt. Hier wurde das später vor allem unter DDR-Bürgern beliebte Spee entworfen. Die Ausstellung schließt nach einem Überblick über das Aufblühen der Parteien in der Weimarer Republik, dem Weg zur Nazi-Diktatur und deren Untergang mit der Nachkriegszeit ab.

Schriften der Arbeiterbewegung

Neben einer kleinen Schriftgutsammlung, die eine Teilsammlung zur Geschichte der Arbeiterbewegung enthält, besitzt das Museum außerdem umfangreiche Foto- und Negativbestände mit Ortsansichten des ehemaligen Kreises Jerichow II aus dem 20. Jahrhundert.

Es gibt eine Präsenzbibliothek mit über 1.000 Bänden zur Regionalgeschichte und mehr als 500 Bände mit Fachbüchern zur Ur- und Frühgeschichte. Das Zeitungsarchiv reicht zurück bis zu den ersten regionalen Tageszeitungen von 1853 und liegt bis zum Jahrgang 1970 inzwischen digitalisiert vor.

Mühlsteine im Garten des Museums zu sehen

Zudem findet der Besucher vor den Türen des Museums einen weiteren Ausstellungsbereich. Im Garten der Villa befinden sich unter anderem unterschiedliche Mühlensteinformen, ein acht Meter langer Einbaum, der bei Baggerarbeiten an der Havel in Böhne bei Rathenow gefunden wurde sowie eine Vielzahl historischer Landwirtschaftsgeräte- es gibt eine Menge zu entdecken.

Programme für Schulklassen

Das freut auch die kleinen Gäste. „Schulklassen sind bei uns natürlich gerne gesehen“, sagt die Museumsleiterin. „Denn wir haben ein umfangreiches Programm für die Kleinen“. So können Kinder und Jugendliche im Kreismuseum an einer Vielzahl museumspädagogischer Programme teilnehmen.

In der Veranstaltung „Schule früher“ dürfen die jungen Teilnehmer beispielsweise auf alten Schulbänken sitzend das Schreiben längst obsoleter Schreibformen üben. Als besonderen Clou bietet das Museum zudem die Möglichkeit, einen Kindergeburtstag mit jeder Menge Spiel und Spaß in der historischen Villa zu feiern. Vorsichtshalber sollten in diesem Fall jedoch die Finger von der Mausefalle gelassen werden. Da beißt die Maus nun wirklich keinen Faden ab.

Von Tobias Wagner

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