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Brandenburg/Havel Marco F. bedauert seinen Mordversuch: „Dass ich meinen Kindern so etwas angetan habe“
Lokales Brandenburg/Havel Marco F. bedauert seinen Mordversuch: „Dass ich meinen Kindern so etwas angetan habe“
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16:58 09.12.2019
Der Prozess gegen Marco F. wegen versuchten Mordes hat an diesem Montag begonnen. Das Foto zeigt den Angeklagten mit seinem Verteidiger Matthias Schöneburg. Quelle: Bernd Gartenschläger
Brandenburg/H

An seine Bluttat vom 10. April 2019 erinnert sich Marco F. nach eigenen Angaben nicht mehr. Aber er bestreitet den Mordversuch an seiner langjährigen Lebenspartnerin auch nicht, den Staatsanwalt Gerd Heininger ihm vorwirft.

Seit diesem Montag verhandelt die Schwurgerichtskammer des Landgerichts Potsdam gegen den 37 Jahre alten Facharbeiter aus Brandenburg/Havel.

Die vier Jahre jüngere Frau, das Opfer des mutmaßlichen Mordversuchs, überlebte die vielen Stiche und Schnitte an ihrem Körper nur sehr knapp. Der Polizist, der den Einsatz in jener Nacht auf der Eigenen Scholle leitete, schrieb in sein Protokoll: „Er versuchte mit einem Messer, die Frau zu enthaupten.“

Beziehung begann vor 16 Jahren

Gleich zu Beginn des Prozesses bekennt sich Marco F. zu der Tat an der Frau, die er vor 16 Jahren während ihres Studiums kennengelernt hatte, mit der er in einer eheähnlichen Beziehung eine Haushälfte bewohnte und nach einer Trennung im Jahr 2013 wieder zusammengekommen war.

Der Angeklagte sagt, er wisse vom Lesen der Akten, was er getan hat in jener fünften Nacht, nachdem ihm die Partnerin eröffnet hatte, dass sie sich von ihm trennen werde, weil sie nichts mehr für ihn empfinde und einen anderen Mann kennengelernt habe.

Der schlimme Traum vor der Tat

Als seine letzte Erinnerung an diese Nacht beschreibt er, wie er einen schlimmen Traum gehabt habe, dass er seine Kinder nicht mehr sehen dürfe. Er sei schweißgebadet aufgewacht und in die Küche gegangen, habe ein Glas Wasser getrunken, eine Schublade geöffnet und ein oder zwei Messer herausgenommen.

Seine Erinnerung setze erst dann wieder ein, als er im Krankenwagen mit aufgeschnittenen Pulsadern erwacht sei.

In der Zeit dazwischen haben die Lehrerin und die gemeinsame neunjährige Tochter Schreckliches durchlebt. Der Staatsanwalt nennt es einen heimtückischen Mordversuch aus niederen Beweggründen.

Drei Messerangriffe

Mit drei Messern begeht der gelernte Industriemechaniker dem Staatsanwalt zufolge die Tat. Die Partnerin schläft im Schlafzimmerbett, Marco F. bei der gemeinsamen Tochter.

Der gelernte Industriemechaniker überfällt sie hinterrücks, sticht mit dem ersten Messer auf die Schlafende ein. Es bleibt in einem Brustwirbel des Opfers stecken.

Der 37-Jährige holt ein zweites Küchenmesser und sticht damit erneut auf den Oberkörper der wach gewordenen Frau ein. Er reagiert nicht auf ihre Schreie und ihr Flehen, endlich aufzuhören.

Tochter (9) fleht den Vater an aufzuhören

Weil der Griff des zweiten Messers abbricht, holt er nun ein Brotmesser aus der Küche und schneidet ihr damit rundherum den Hals auf.

Er hört und merkt nicht, so beteuert er, wie die Tochter ins Schlafzimmer kommt und fleht: „Nein, Papa, hör auf, hör auf.“ Marco F. reagiert nicht, sondern versucht nun, die Pulsadern seines Opfers zu öffnen.

Die Neunjährige wählt um 2.23 Uhr die Notrufnummer und sagt: „Meine Mama wird gerade umgebracht.“ Schon wenige Minuten später sind die ersten Polizisten an Ort und Stelle und bringen das am Eingang wartende Mädchen in Sicherheit. „Papa hat ein Messer“, antwortet die Kleine auf die Frage, ob ihr Vater bewaffnet sei.

Polizisten hören Schreie des Opfers

Verstärkung ist nun da. Drei Polizisten treten die Tür zum dunklen Schlafzimmer auf, vor dem Blut liegt. Sie hören die Mutter rufen: „Hilfe, er tötet mich, er bringt mich um.“

Der Mann beugt über der Frau, alles ist voller Blut. Er dreht sich kurz um, als die drei Beamten zu dritt mit ausgestreckter Waffe das Zimmer mit der Taschenlampe ausleuchten und rufen: „Hier ist die Polizei“.

Im nächsten Moment, kurz vor einem möglichen Schuss aus der Polizeipistole, lässt Marco F. sich und das Messer zu Boden sinken, schaut danach wie apathisch zur Zimmerdecke.

Schwerverletzte Frau noch ansprechbar

Die Polizisten erkennen da auch die Verletzungen an seinen Handgelenken. Sie leisten Erste Hilfe bei der Frau und auch bei ihm. Die Schwerverletzte ist noch bei Bewusstsein, macht unter Schmerzen sogar erste Angaben zu den Angriffen.

Im Gerichtssaal spricht Marco F. bei aller Aufregung ruhig, beinahe gefasst. Er ist ein großer kräftiger Mann, dem man seine lange Karriere als Bundesliga-Wasserballer ansieht. Mit seinem Opfer hat er zwei Kinder, inzwischen zehn und knapp zwei Jahre alt.

„Ich hätte nie gedacht, dass ich einmal hier sitzen würde“, sagt der Angeklagte vor Gericht und fügt hinzu: „Ich bin von der Tat sehr entsetzt. Alles ist sehr schlimm. Ich finde keine Worte dafür.“

Angeklagter sagt: „Ich bin gegen Gewalt“

Er wisse nicht, warum es so gekommen ist. Hätte er über die Folgen nachgedacht, „wäre das nicht passiert“, betont der Angeklagte im Angesicht seiner fünf Richter. Er sei gegen Gewalt und ein „totaler Familienmensch“, der die Beziehung harmonisch haben wollte.

Der gebürtige Brandenburger versichert, wie leid ihm alles tue: „Dass ich meinen Kindern so etwas angetan habe, meine Vaterrolle nicht mehr ausfüllen kann und ich meine Kinder nicht aufwachsen sehen werde.“

Nerven am Handgelenk durchtrennt

Er hoffe, dass seine Ex-Partnerin ihre Verletzungen irgendwann überwinden werde, sagt er. Vermutlich weiß er, dass sie ihre Hände wegen der durchtrennten Nerven im Handgelenk nie wieder wie früher benutzen können wird.

Marco F. möchte mit seinen Aussagen erreichen, dass seine Tochter nicht als Zeugin vor Gericht auftreten muss, sagt sein Verteidiger Matthias Schöneburg.

Frage der Schuldfähigkeit

Sein Mandant macht sich womöglich etwas vor, wenn er vor Gericht sagt: „Ich hoffe, dass meine Tochter alles, was sie gesehen hat, irgendwann einmal vergessen kann.“

In dem Prozess, der voraussichtlich bis zum Urteil im Februar geführt wird, sind viele Zeugen geladen. Ein psychiatrischer Gutachter wird sich dazu äußern, ob Marco F. zur Tatzeit womöglich nur eingeschränkt schuldfähig war.

Von Jürgen Lauterbach

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