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Brandenburg/Havel Wieder eine Augenarztpraxis weniger in der Stadt
Lokales Brandenburg/Havel Wieder eine Augenarztpraxis weniger in der Stadt
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09:04 10.12.2019
Eine junge Frau unterzieht sich einer augenärztlichen Untersuchung. Quelle:  Hans Wiedl/dpa
Brandenburg/H

Extrem besorgt reagieren Patienten auf die überraschende Schließung der Augenarztpraxis von Christine Wilke in der Jacobstraße. Derzeit ist dort laut Aushang wegen angeblicher Sanierungsarbeiten nur eine Notfallsprechstunde eingerichtet. Nächste Woche macht die Praxis komplett dicht, sagt ein Patient zur MAZ. Seine Frau und er haben bereits ihre Patientenakten ausgehändigt bekommen. Viele andere auch: Nach MAZ-Recherchen hat die Ärztin im Quartal zwischen 2000 und 2500 Patienten versorgt.

Die stehen mit ihrer Krankengeschichte nun im Regen. Termine bei anderen Augenärzten in Brandenburg sind fast gar nicht zu bekommen, hat der Betroffene festgestellt. Teilweise hat er sogar gehört, dass weitere Ärzte in Rente gehen wollen und ihre Praxen dicht machen. Der Druck erhöht sich damit.

Holger Siggel, der mit Kollegen am Packhof einen Augenklinik betreibt, sagt: „Jeden Tag kommt jetzt ein Dutzend neuer Patienten zu uns. Wir versuchen viel. Aber die können wir gar nicht alle aufnehmen.“ Christian Wehry, Pressesprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Brandenburg (KVBB), sieht das weniger heikel. Die Schließung der Praxis von Christine Wilke sei nach seinen Informationen nicht endgültig.

Praxis wird renoviert

„Die Zulassung ruht ab dem 1. Januar 2020 auf Grund von Renovierungsarbeiten“, erklärt Wehry. „Wir hoffen natürlich sehr, dass Christine Wilke danach weiter macht.“ Von der Ärztin war keine Stellungnahme zu bekommen. Unter ihren Kollegen glaube nur wenige, dass Wilke noch einmal öffnet. Offensichtlich gab es schon länger bereits Überlegungen, den kassenärztlichen Sitz übertragen zu lassen. Doch selbst wenn Wilke ihre Praxis nicht wieder öffnet, reicht die Anzahl der Ärzte in Brandenburg laut bundesweiter Bedarfsplanung aus, erläutert Wehry weiter.

Diese gibt vor, wie viele ambulant tätige Ärzte rein rechnerisch nötig sind, um die Menschen eines Planungsbereichs – also einer Region – medizinisch zu versorgen. Derzeit gibt es 17 Augenärzte im Planungsbereich Brandenburg-Stadt und Landkreis Potsdam-Mittelmark. „Das ist ein statistischer Versorgungsgrad von 122,8 Prozent und damit ausreichend“, sagt der KVBB-Sprecher.

Dass Ärzte im Rentenalter ebenfalls demnächst ihre Praxen schließen und sich dadurch die Situation in der Havelstadt weiter verschlimmere, sieht Wehry nicht. Dazu lägen ihm keine Informationen vor. Zudem gelte: „Die Altershöchstgrenze gibt es nicht mehr. Ärzte können heute auch bis 85 selbst in ihrer Niederlassung tätig sein.“

Kritik am MVZ am Bahnhof

Siggel glaubt derweil nicht, dass viele Ärzte scharf darauf seien, mit 85 Jahren noch zu praktizieren und wirft der KV vor, mit Zahlen zu arbeiten, die nicht beachten, dass die Patienten zunehmend älter würden und öfter in die Praxen kämen. Dazu käme, dass das „MVZ am Bahnhof nicht funktioniert“ und damit der Druck noch größer werde. Wer also aktuell versucht, einen Augenarzttermin zu bekommen, muss Absagen in Kauf nehmen, weil mehrere Fachärzte einfach keine weiteren Patienten versorgen können.

Das zeigen Nachfragen bei mehreren Augenärzten. Holger Siggel empfiehlt den Patienten, die er nicht aufnehmen kann, sich an die Termin-Servicestelle der KV in Potsdam zu wenden. Das würde dann deutlich machen, wie schwierig die Situation abseits der Statistik in der Realität wäre.

Augenärzte sind bundesweit rar

Dieser Fakt ist grundsätzlich bei der KVBB angekommen. Augenärzte sind bundesweit rar gesät. Neben den Dermatologen sei das die Facharztgruppe, die immer weniger ausgebildet werde. „Von denen können wir mehr gebrauchen“, sagt Wehry. Weitere Zulassungen in Brandenburg seien jedoch aktuell nicht möglich.

Der Pressesprecher wirbt alternativ für eine gewisse Gelassenheit bei den Menschen, wenn es sich um planbare Untersuchungen handelt. „Einen Arzttermin bestelle ich nicht wie eine Pizza oder ein Buch im Internet“, sagt er. Notfälle müssen natürlich behandelt werden, teilt Wehry mit.

Die Kassenärztliche Vereinigung biete ja in der Tat Hilfe bei der Augenarztsuche an. Mit der Terminservicestelle sollen die Patienten höchstens vier Wochen warten müssen, bis sie einen Fach­arzt sehen.

Von Antje Preuschoff

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