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Mehr Baukultur braucht das Land Brandenburg

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15:41 25.09.2020
Achim Krekeler (rechts) tut das, was er fast am liebsten tut: Er begeistert andere bei einer Führung für die Architektur. In diesem Fall redet der Vorsitzende des Vereins Baukultur über die Geschichte des Modernen Bauens in Brandenburg an der Havel.
Achim Krekeler (rechts) tut das, was er fast am liebsten tut: Er begeistert andere bei einer Führung für die Architektur. In diesem Fall redet der Vorsitzende des Vereins Baukultur über die Geschichte des Modernen Bauens in Brandenburg an der Havel. Quelle: Foto: André Großmann
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Brandenburg/H

Wie so vieles ist im zurückliegenden halben Jahr, das geprägt war und ist von der Corona-Pandemie, ist medial weitgehend unbeachtet geblieben, dass sich Ende Februar 2020 in der Bundesstiftung Baukultur in Potsdam den Förderverein Baukultur Brandenburg ins Leben gerufen wurde.

Noch eine Bundesstiftung? Noch ein Förderverein? Der Brandenburger Architekt Achim Kerkeler, der die Aufgabe des 1. Vorsitzenden des Fördervereins übernommen hat, zuckt mit den Schultern. „Wir beobachten ein steigendes Desinteresse für die Kultur des Bauens und auch zu wenig Begeisterung gegenüber wichtigen Immobilien, die aus dem Bewusstsein der Leute verschwinden“, sagt Krekeler.

Die fast 170 Jahre alte Kirche in Vehlen befindet sich in einem traurigen Zustand und droht vergessen zu werden. Quelle: Marion von Imhoff

Als Beispiele nennt er leer stehende Kirchen überall im Land Brandenburg, die längst ohne Gemeinden in den häufig überalterten Dörfern sind und mit der Zeit verfallen.

Monatelang haben sich die Mitglieder des neuen Vereins nur virtuell getroffen. Krekeler: „Das war nicht leicht. Wir hatten eine Menge Ideen, wollten starten und dann kam Cornona.“

Erste Treffen

Doch nun ist die Zeit der digitalen Konferenzen zumindest für ein paar Tage unterbrochen worden. Nachdem der Verein seit August als gemeinnütziger Verein registriert ist, konnte nun der erweiterte Vorstand aktiv werden. Dazu fand Donnerstag im Sommerrefektorium des Doms eine erste Klausurtagung statt, die am Freitag mit Besichtigungsterminen in Wittenberge fortgesetzt wurde.

Von der Zeit und den Menschen fast vergessen: Der Altarraum der Warchauer Kirche, davor die Kanzel. Quelle: privat

Neben den Vorstandsmitgliedern nahmen Vertreter der Brandenburgischen Ingenieurkammer und die Geschäftsführerin und der Präsident der Architektenkammer teil. Das Ziel des Fördervereins ist die Förderung der Baukultur im Land Brandenburg.

Ein wichtiges Anliegen sei dabei insbesondere die Vermittlung von Baukultur in alle gesellschaftlichen Schichten. Dabei sollen die ländlichen Regionen des Landes Berücksichtigung besondere Berücksichtigung finden, haben sich die Mitglieder auf die Fahnen geschrieben.

Mitglieder gesucht

„Um den Erfolg des Fördervereins zu gewährleisten, werden wir nun aktiv um Mitglieder werben und Netzwerke aufbauen. Interessiere Bürger sind eingeladen bei uns mitzuarbeiten”, sagt Krekeler. Interessenten könnten sich per Mail unter fv@baukultur-brandenburg.de melden und würden dann kontaktiert.

Hans-Joachim Krekeler ist auch Mitglied des Domkapitels des Brandenburger Doms und quasi von Natur aus dem Schutz der alten Substanz verpflichtet. Quelle: Rüdiger Böhme

Entstanden und geformt wurde der Verein im vergangenen Jahr unter Leitung von Christian Keller, dem Präsidenten der Architektenkammer. Neben Krekeler bilden Dirk Hottelmann als sein Vize, Klaus-Dieter Abraham als Schatzmeister, sowie Bernhard Wendel, Reinhold Dellmann und Heinz Nagler den Vorstand.

Baukultur geht jeden an

Christian Keller erklärt jüngst nach der Unterzeichnung einer Kooperationsvereinbarung mit dem Land Brandenburg: „Baukultur ist Beteiligungskultur. Die Kooperationsvereinbarung ist für Brandenburg ein Meilenstein auf dem Weg zu einem neuen Verhältnis von Politik und Zivilgesellschaft. Weil Bauen Zukunft gestaltet, engagieren sich die Brandenburgischen Architekten für einen Dialog auf Augenhöhe.“

Vorgesehen ist ein Projekt „Baukulturinitiative Brandenburg“ gemeinsam für einen Zeitraum von zunächst fünf Jahren in enger fachlicher Abstimmung zu betreiben. Wesentlicher Inhalt ist es ein Netzwerks Baukultur aufzubauen und zu unterstützen.

Führungen mit Krekeler und der MAZ

Darüber hinaus soll die Initiative die Vermittlung des Themas Baukultur gegenüber der Öffentlichkeit stärken und weiterentwickeln. Dafür würden Veranstaltungen, Projekte und Vorhaben in Brandenburg durchführen. Im Ergebnis dessen wolle man das Thema Baukultur und die Qualität im Planen und Bauen in Brandenburg zu stärken.

Die Brandenburger Landesregierung unterstützt die „Baukulturinitiative Brandenburg“ zunächst in der Startphase bis Ende 2020 mit knapp 75.000 Euro. Für Krekeler ist klar: „Wir müssen das Thema Bauen und Baukultur zu den Menschen bringen.“

Zusammen mit der MAZ haben Achim Krekeler und sein Büro bereits architektonische Stadtspaziergänge in Brandenburg an der Havel organisiert. Eine weitere Zusammenarbeit zu ähnlichen Themen wird nun geplant.

Von Benno Rougk

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