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Brandenburg/Havel Merkels Chauffeur als Plaudertasche
Lokales Brandenburg/Havel Merkels Chauffeur als Plaudertasche
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00:19 17.01.2018
Schnäppchenjagd auf Luxusgüter nimmt MIchael Frowin in seinem Programm aufs Korn, verpackt in Politik-Klamauk. Quelle: JACQUELINE STEINER
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Brandenburg/H

„Trump ist ein Rassist. Der Beweis: Als erste Amtshandlung hat er eine schwarze Familie aus dem Weißen Haus gejagt.“ Im Sekundentakt prasseln am Samstagabend Gags auf das Publikum in der Studiobühne nieder. Kim Jong-un freut sich: „Seit Trump in Amerika Präsident ist, bin ich nicht mehr der Irre aus Nordkorea, sondern ein ganz normaler Präsident.“

„Einpacken Frau Merkel. Der Kanzlerchauffeur packt aus“, lautet der Titel des Programms, mit dem Michael Frowin die Zuhörer bestens unterhält. Doch wer Kanzlerin-Schelte erwartet hatte, der wurde anfangs enttäuscht, die gab es erst nach der Pause.

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„Geld macht nicht glücklich“, lautete nämlich zunächst die Parole. Frowin prangerte das Konsumverhalten der Deutschen an und hielt den Besuchern den Spiegel vor. Doch die, statt in sich zu gehen, hatten ein diebisches Vergnügen daran.

Geld als Lebensziel

Das mag vielleicht auch daran gelegen haben, dass Frowin mit seiner Publikumsbeschimpfung nicht die richtige Zielgruppe traf. Viele der Luxusgüter, mit denen der fiktive Lobbyist Gunnar – trefflich parodiert von Frowin - sein Geld scheffelt, werden in Brandenburg an der Havel vermutlich kaum konsumiert. Oder gibt es Brandenburger in großer Zahl, die Espressokaffee trinken, das Kilo für 64 Euro? Manche der aufgezählten Luxusprodukte sind hier sogar weitgehend unbekannt. Wie der Matcha-Tee.

Frowins Schilderung der Zubereitungszeremonie dieser Grünteesorte aus China und Japan war einfach herrlich. Damit der Matcha-Tee gelingt, darf das Wasser nur 80 Grad heiß sein. Bevor der Tee aufgegossen wird, wird das Pulver mit wenig Wasser mit einem Bambusbesen schaumig aufgeschlagen. Es gebe sogar Kurse, wo man die fachgerechte Zubereitung von Matcha-Tee erlernen könne, lästert Frowin und ließ das Publikum teilhaben an seiner Vorstellung, wie gestandene Männer im Kreis sitzen und einträchtig den Bambusbesen schwingen. Auch für Veganer, sofern sie denn überhaupt Fleischeslust empfinden, hatte Frowin einen heißen Tipp: Statt Leder gebe es jetzt Peitschen aus alten Fahrradschläuchen.

Shoppen mit der Kanzlerin

Als Rahmenhandlung für sein Programm hat Frowin die Kanzlerin inkognito in ein Berliner Outlet-Center shoppen geschickt. Da Merkel ihr Handy im Wagen vergessen hat, nimmt ihr wartender Chauffeur ihre SMS-Nachrichten entgegen. So erfährt er, dass SPD-Chef Martin Schulz nach der langen Nacht zum Abschluss der Sondierungsgespräche seine Hose sucht. Per SMS fragt er bei der Kanzlerin an, ob sie vielleicht wisse, wo sie geblieben ist. Die gesamte Politprominenz meldet sich bei Merkel: Seehofer und Lindner und von der Leyen und Altmeier. Der schlug eine Kooperation mit einem privaten Fernsehsender vor. Das sei eine gute Idee, antwortet ihm Frowin im Namen der Kanzlerin. Sie habe bereits mit RTL ein neues Sendeformat: „Migrantenstadl“. Flüchtlinge sollen da deutsche Volkslieder interpretieren.

Wahnsinn, welche Bühnenpräsenz Michael Frowin (Jahrgang 1969) hat. In Marburg geboren, studierte er Schauspiel und Gesang in Berlin. Er hatte Engagements an renommierten Häusern. Und er schrieb Libretti für Oper und Musical sowie Kabarettprogramme. Bekannt ist er auch durch die MDR-Satiresendung „Kanzleramt Pforte D“.

Von Ann Brünink

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