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Brandenburg/Havel Ritterstraße: Mittelalterliches Zechen im Bürgerhauskeller
Lokales Brandenburg/Havel Ritterstraße: Mittelalterliches Zechen im Bürgerhauskeller
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12:07 12.05.2019
Joachim Müller (2.v.l.) führt durch den mittelalterlichen Bürgerhauskeller unter der Ritterstraße. Quelle: Tobias Wagner
Brandenburg/H

Er bietet die einmalige Gelegenheit einen Blick hinter die Kulissen der Havelstadt zu werfen – zum mittlerweile fünften Tag der Städtebauförderung zeigten am Samstag insgesamt drei Standorte in Brandenburg an der Havel interessante Einblicke in die Baugeschichte historischer Gemäuer und deren Sanierungsgeschehen.

Unterirdische Entdeckungstour

Neben dem Eckhaus am Parduin 11, einem bedeutenden mittelalterlichen Profanbau aus der Mitte des 15. Jahrhunderts und der Goethestraße 8b, einer um 1925/30 errichteten Blockrandbebauung in expressionistischen Formen, lockte auch der Keller in der Ritterstraße 98 zahlreiche Gäste auf eine Entdeckungstour durch die unterirdische städtebauliche Vergangenheit der Stadt.

„Die Besonderheit an diesem Keller besteht darin, dass dieser nach hinten über das jetzige Gebäude herausragt“, sagt Joachim Müller vom Historischen Verein. Der hofseitig über den Grundriss hinausragende Gebäudeteil beweise, dass das ursprünglich zugehörige Haus in der Ritterstraße von größerer Tiefe gewesen sein müsse.

Unter dem Gebäu der der Ritterstraße 98 wurde bereits im Mittelalter gezecht. Quelle: Tobias Wagner

Der Historiker vermutet eine ursprüngliche Bebauung mit einem sehr großen giebelständigen Fachwerkhaus von 14 mal 22 Meter Grundfläche. „Es existiert noch ein Nachweis mit vergleichbarer Bebauung in der Havelstadt, und zwar am Molkenmarkt 24“, so Müller. Am Molkenmarkt konnten Überreste eines dreigeschossigen Giebelhauses aus dem späten 15. Jahrhundert nachgewiesen werden- den Bau der Kellergewölbes in der Ritterstraße datiert der Historiker ebenfalls auf das Spätmittelalter.

Zeitliche Einordnung fällt schwer

„An so einem Kellergewölbe ist allerdings wenig dran, was man zeitlich einordnen kann“, so Müller. Eine Datierung anhand kunsthistorischer Details scheine angesichts der schlichten Ausstattung wenig aussichtsreich, auch eine archäologische Datierung sei mangels Aufschlüssen im Moment noch nicht möglich.

Sicher ist jedoch, dass der dreiräumige Keller unter der linken Haushälfte der Ritterstraße 98 im Gegensatz zur Mehrzahl der Brandenburger Kelleranlagen, welche oft das Ergebnis von Umbauten und Erweiterungen sind, weitgehend in einem Zuge errichtet worden ist und später nur wenige Veränderungen erfahren hat.

Bauweise gibt Hinweise auf Errichtung

Die Bauweise verrate aber einiges über einen möglichen Zeitpunkt der Errichtung: „Im Keller finden sich Aussparungen an den Wänden, welche Baumaterial sparen sollten und oftmals als Schranknischen genutzt wurden, um Gegenstände zu lagern“, sagt Müller. Ein langgestreckter Keller mit niedrigen, von solchen Sparblenden dicht durchsetzten Seitenmauern mit einem Tonnengewölbe sei jedoch ein charakteristischer Bautyp, der einige Parallelen in der Stadt Brandenburg findet.

So besteht eine Verwandschaft zum Keller in der Bäckerstraße 14, welcher durch Bauuntersuchungen in die Zeit nach 1408 datiert werden konnte und wohl um Mitte des 15. Jahrhunderts entstanden ist. Im Keller in der Ritterstraße, der sich teilweise unter dem Altstadtpub befindet, wurde sich wohl bereits zu Zeiten des Mittelalters bereits gerne mal einer genehmigt.

Grundstücke mit Braurecht

„Bei diesem doch sehr spezifischen Bautyp handelt es sich um große Keller auf großen Grundstücken, die damals Braugerechtigkeit besaßen“, so Müller. „Also vermutlich durchweg Bierkeller.“ Auch aktuell biete sich das Gemäuer zum Bier trinken an: „Der Keller hat immerhin zwei Zugänge“, stellt Müller fest. „Da wäre eine Kneipennutzung auch heute noch rechtlich möglich.“

Von Tobias Wagner

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