Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Brandenburg/Havel Mittelmark: Wolf reißt Kälbchen im Stall
Lokales Brandenburg/Havel Mittelmark: Wolf reißt Kälbchen im Stall
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:38 04.05.2016
Landwirt Carsten Gädtke weiß nicht mehr, wie er seine Tiere noch besser vor hungrigen Wölfen schützen soll.
Landwirt Carsten Gädtke weiß nicht mehr, wie er seine Tiere noch besser vor hungrigen Wölfen schützen soll. Quelle: Andreas Koska
Anzeige
Cammer

Die Ohrmarke mit der Nummer 54970 ist noch gut sichtbar und unbeschädigt. Das Kalb liegt mit aufgerissenem Hinterteil vor dem Stall, wieder einmal hat der Wolf in Cammer zugeschlagen – in der Nacht zu Mittwoch.

Als Carsten Gädtke seinen Kälberstall am frühen Morgen betrat, fand er Chaos vor. Alle Kälber hatten sich aus den Boxen befreit und irrten umher, die Stalltür stand offen. Als Gädtke Blutspuren fand, ahnte er Schlimmeres. Und tatsächlich fand der 28-jährige Bauer hinter dem Stall ein totes Kälbchen mit abgefressenem Hinterteil. Ihm sei sofort klar gewesen, dass es sich wieder einmal um einen Wolfsangriff gehandelt haben muss, sagte er der MAZ.

Isegrim dringt in gesicherten Stall ein

Nicht zum ersten Mal in seinem Betrieb. „Wir haben im vergangenen halben Jahr fünf Kälber und dazu Schafe verloren, aber jetzt ist der Wolf zum ersten Mal in einen gesicherten Stall eingedrungen“, ist Gädtke erschüttert.

Gädtke führt seit sechs Jahren in den alten LPG-Ställen am Rande von Cammer mit seinem Bruder Christian einen Kälberaufzuchtbetrieb. Die Saugkälber werden in Einzelaufstallung auf Stroh gehalten. Ein Giebel des betroffenen Stalls ist geschlossen, der andere mit einem Holztor gesichert. Diese Tür war zusätzlich verschraubt, 40 Zentimeter über dem Boden mit einem zusätzlichen Gitter gesichert und mit Kunststoffseilen verschnürt.

In diesem Stall sollte das Kälbchen geschützt sein. Quelle: Koska

Der Wolf hat nach Ansicht des Landwirtes die Seile zerbissen, dadurch das Gitter zum Fall gebracht und ist unter der Tür in den Stall hereingekommen. Dies habe wohl bei den Kälbern eine Panik ausgelöst. Die verängstigten Tiere hätten dermaßen um sich getreten, dass die Boxentüren aus den Angeln gehoben wurden.. So konnte sich Isegrim problemlos bedienen.

Blutspuren führen aus dem Stall hinter das Gebäude

Blutspuren auf dem Stallboden zeigen, wo er zugebissen und das Kalb aus dem Gebäude heraus geschleift hat. „Was soll ich denn noch machen?“, fragt Carsten Gädtke verzweifelt, „bei den geringen Gewinnspannen kann ich doch keinen teuren Zaun um die gesamte Anlage ziehen“. Für ihn ist nun eine Grenze überschritten. „Wenn die Wölfe jetzt sogar in die Stallungen gehen, ist es eine neue Qualität – es muss endlich gehandelt werden“, fordert er eine Regulierung.

Die herbeigerufene Tierärztin Gudrun Schmidt sieht es ähnlich. „Wenn der Wolf im Stall tötet, kommt er auch wieder, das kann nicht sein, dass die Bauern deshalb um ihre Existenz fürchten müssen“, entrüstet sich die Veterinärin. Das Kalb ist erst vor einer Woche in Cammer angekommen, hat rund 350 Euro gekostet. „Es war ein schönes Kälbchen“, sagt Gädtke und man sieht ihm die Sorge an. „Wir müssen um jeden Cent kämpfen, die Kälber sind teuer, die Futterpreise steigen und der Fleischpreis fällt“, erklärt er seine Furcht um das Überleben des Betriebs.

Lesen Sie auch:

29.04.2016: Wölfe fallen vermehrt Kälber an

25.04.2016: Wölfe reißen ganze Herde in Ragösen

23.03.2016: Wölfe hinterlassen blutige Spur in Brück

18.03.2016: Wölfe haben die Mittelmark erobert

17.10.2014: „Jagd auf den Wolf darf kein Tabu sein“

.

Von Andreas Koska

04.05.2016
Brandenburg/Havel Schmähpreis für Brandenburg an der Havel - Absurdes Leitsystem führt ins Nirgendwo
03.05.2016