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Brandenburg/Havel Modellbahner lassen ihre Loks los
Lokales Brandenburg/Havel Modellbahner lassen ihre Loks los
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15:20 17.01.2017
Frank Triebel (l.), Tim Tiersch und Jörg Bodrich am Nachbau des Streckenabschnitts von Klein Kreutz nach Saaringen.
Frank Triebel (l.), Tim Tiersch und Jörg Bodrich am Nachbau des Streckenabschnitts von Klein Kreutz nach Saaringen. Quelle: Jacqueline Steiner
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Brandenburg/H

Ein paar Löffel Kaffeepulver und fertig ist die Ackerkrume hinter dem alten Weinberg. Wo das Getreide noch auf dem Feld steht, hat kurz geschnittener Klempnerhanf für die Kulisse im Maßstab 1 : 87 gute Dienste geleistet. Marke Eigenbau sind auch die Kopfweiden am Bahnübergang Saaringen. Etwas Wurzelwerk findet sich immer.

Mit viel Liebe zum Detail geht es beim Freundeskreis Westhavelländische Kreisbahn zu, wenn wieder neue Streckenmodule für die Vereinsanlage entstehen. Drei Teile für den Abschnitt Klein Kreutz-Saaringen kamen in den letzten Monaten hinzu. Entstanden unter den geschickten Händen einer Hand voll begeisterter Jungen, die zur Nachwuchsgruppe des Freundeskreises gehören.

Dokumente zur Geschichte

Die Modellbahnausstellung zum 20-jährigen Vereinsjubiläum findet vom 27. bis zum 29. Januar 2017 im Wichernhaus in der Hauptstraße 66 statt. Am Freitag ist die Schau von 15 bis 19 Uhr sowie am Sonnabend und Sonntag von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Vereinstreffpunkt ist immer freitags ab 19 Uhr im Wichernhaus.

Neben der Modulanlage sind Schautafeln, Urkunden, Dienstschreiben und Fahrpläne zur Geschichte der Westhavelländischen Kreisbahn zu sehen. Für die jüngsten Besucher wird eine Lehmann-Gartenbahn und eine Anlage für Selbstfahrer aufgebaut. Dazu kommt eine Modellanlage der Spur N im japanischen Stil.

Der erste Streckenabschnitt von Röthehof bei Nauen nach Roskow wurde im März 1901 eröffnet. Ab September 1903 folgte die Strecke von Roskow nach Brielow über Butzow für den Güterverkehr. Am 1. Oktober 1904 eröffnete man den Reiseverkehr von Roskow nach Brandenburg, Bahnhof Altstadt. Im September 1969 erfolgte die Stilllegung.

Unter ihnen ist Tim Tiersch (14). Obwohl der Schüler in Groß Kreutz wohnt, begeistert er sich für die Eisenbahn, die bis 1969 vom Krakauer Tor über Roskow nach Röthehof bei Nauen und wieder zurück bis Altstadt Bahnhof dampfte. Mit Laubsäge, Lötkolben, Schere und Pinsel baut er eine Miniaturwelt auf, die nur die ältere Generation noch aus eigenem Erleben kennt. Für Tim ist die Beschäftigung mit einer Modelleisenbahn nicht aus der Mode gekommen: „Es macht einfach Spaß an einer der größten Anlagen in der Region mitzuarbeiten.“

Der Bahnübergang Saaringen im Modell des Freundeskreises. Dazu passend die Fahrzeuge. Quelle: Frank Triebel

Behutsam setzt Tim das Modell ein preußischen T 3 auf ein Gleis, das durch einen Bergeinschnitt bei Klein Kreutz führt. Die Dampflokomotive T 3 war das Arbeitstier der Kreisbahn, die nach der kompletten Eröffnung 1904 gleich mehrere Exemplare dieser Modellreihe orderte. Alle Landschaften und Gebäude entstanden in Eigenbau und kommen dem Original sehr nahe. Denn der Freundeskreis recherchiert an den ehemaligen Wirkungsstätten und Bahndämmen. Es wird gemessen und fotografiert, in Archiven gesucht und mit Zeitzeugen gesprochen.

Mit den ersten Nachbauten in der Modellgröße HO fing vor 20 Jahren alles an. Elf Fans der regionalen Eisenbahngeschichte fassten in einem Kellerraum in der Thüringer Straße den Plan die Westhavelländische Kreisbahn im Modell wiederauferstehen zu lassen. „Inzwischen sind daraus 60 Meter Module mit mehreren hundert Gleismetern geworden“, berichtet Gründungsmitglied Frank Triebel. Die Arbeitsstunden, die der Freundeskreis für ihr Hobby leisteten, hat niemand mehr gezählt.

Das heutige Vereinsdomizil im Wichernhaus kann die Anlagenteile kaum noch fassen. Ihr nächstes großes Ziel haben die Modelleisenbahner schon ins Auge gefasst. Auf weiteren 16 Modulen soll das Roskower Bahngelände, dass für die Kreisbahn eine besondere Bedeutung hatte, nachgebaut werden. 2019 jährt sich zum 50. Mal die Einstellung und damit das Ende des Bahnverkehrs.

Ein Modell des Empfangsgebäudes Krakauer Tor. Das Gebäude steht heute noch. Quelle: Frank Triebel

Doch zunächst laufen die Vorbereitungen für die Jubiläumsausstellung zur 20-jährigen Vereinsgründung auf Hochtouren. Vom 27. bis zum 29. Januar findet die vierte Anlagenschau des Freundeskreises im Saal des Wichernhauses in der Hauptstraße 66 statt. Bis zum jetzigen Zeitpunkt verfügen die Modelleisenbahner um den Vorsitzenden Heinz-Peter Fiedler über eine beeindruckende Anlage mit den Bahnhöfen Krakauer Tor, Klein Kreutz, Saaringen, Weseram, Roskow, Lünow, Butzow und dem Anschlussgleis zur einstigen Stärkefabrik. Haltepunkte wie in Saaringen waren im Original oft nur einfache Bauten. In der Regel mit Dienstzimmer, Warteraum, Gepäckannahme und Bahnhofstoilette.

Längst Geschichte ist die Stärkefabrik, die einen eigenen Gleisanschluss hatte. Quelle: Frank Triebel

„Wir fühlen uns dem Heimatgedanken verpflichtet und erinnern an eine Epoche, als noch Züge um den Beetzsee fuhren“, erklärt Frank Triebel die Motive der Modellbauer. An den Originalschauplätzen erinnern nur noch wenige Relikte an die Blütezeit der Westhavelländischen Kreisbahn. Der Öffentlichkeit erhalten geblieben ist zum Beispiel der Bahndamm, der inzwischen asphaltierter Bestandteil des Radwanderweges um den Beetzsee ist. Die Bahnhofsgebäude Krakauer Tor und Roskow dienen heute Wohnzwecken. In Butzow duschen die Campingplatzgäste dort, wo einst die Bahner ihren Dienst taten. Gepflasterte Ladestraßen sind unter anderem noch in Radewege und Lünow zu sehen.

Das Klein Kreutzer Bahnhofsgebäude war schlicht und einfach. Quelle: Frank Triebel

Neben landwirtschaftlichen Produkten wurden Baustoffe wie Sand und Kies, Fahrzeuge der Adam Opel AG, Rüstungsgüter vom Brielower Zulieferer für die Arado-Werke in Brandenburg und Berliner Müll für die Deponie Lötz bei Päwesin transportiert. Dafür sorgen vier Tenderlokomotiven sowie rund 70 Güter-, vier Langholz-, drei Vieh- sowie drei Personen- und Postwagen. Bei der Suche nach Zeitdokumenten werden die Kreisbahnfans immer wieder mal fündig. „Leute schenken uns alte Fahr- und Gepäckkarten. Wir selbst haben alte Schwellennägel geborgen. Dankbar sind wir immer für historische Fotos“, so Gründungsmitglied Frank Triebel.

Von Frank Bürstenbinder