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Brandenburg/Havel Darum will diese moldawische Familie in Brandenburg arbeiten
Lokales Brandenburg/Havel Darum will diese moldawische Familie in Brandenburg arbeiten
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18:49 28.12.2018
Familie Rusu zog von Moldavien nach Brandenburg. Die Eltern arbeiten beide im Klinikum Brandenburg. Quelle: JACQUELINE STEINER
Brandenburg/H

Über solche Familien freuen sich Krankenhauschefs. So sind auch Klinikum-Geschäftsführerin Gabriele Wolter und ihr Pflegedienstchef Lutz Pelchen froh über ihre noch immer recht neuen Mitarbeiter aus Moldawien. Ursprünglich sollte nur Lidia Rusu (46) im städtischen Klinikum in der Hochstraße beschäftigt werden. Denn sie ist eine erfahrene Krankenschwester und bringt daher alles mit, was das Krankenhaus schon seit Jahren dringend sucht.

Inzwischen hat auch Ehemann Ion Rusu (50) eine Arbeit im städtischen Krankenhaus gefunden. Er ist zwar kein Pfleger, doch für ihn fand sich eine Stelle in der technischen Abteilung. Die Familie Rusu, zu der noch zwei erwachsene Kinder gehören, betrachtet Brandenburger an der Havel keineswegs nur eine Zwischenstation. Sie hat ihr Heimatland Moldawien dauerhaft verlassen, um in Brandenburg sesshaft zu werden.

Sohn ist auf Arbeitsuche

Sohn Gheorghe (26) ist mit den Eltern mitgekommen, der Architekt und Kunstmaler sieht seine berufliche Zukunft in Deutschland, wenn nicht in Brandenburg, dann in Berlin. Nur seine ein Jahr jüngere Schwester ist in Rumänien geblieben, wo sie schon seit mehreren Jahren für eine deutsche Firma arbeitet.

Im Falle der Familie Rusu sind alle Seiten Gewinner. Die Moldawier wollten sich beruflich verändern und in Deutschland leben. Das Klinikum hat zwei wertvolle neue Mitarbeiter gewonnen. Und die Patienten können deutsch mit Schwester Lidia sprechen.

Auch wenn die Krankenschwester, die ihren Beruf 28 Jahre lang in ihrer Heimat ausgeübt hat, sprachlich noch nicht perfekt ist, versteht sie sehr viel und kann vieles auch schon gut auf Deutsch ausdrücken.

Mehrgleisig zu mehr Krankenschwestern

Das Städtische Klinikum Brandenburg beschreitet – wie andere Krankenhäuser auch – mehrere Wege, um qualifizierte Pflegekräfte zu gewinnen.

An erster Stelle steht die Ausbildung von Krankenpflege- und Kinderkrankenpflegekräften in der eigenen medizinischen Schule.

Dort wird inzwischen mehr ausgebildet als in früheren Jahren.

Mit Hilfe einer Agentur versucht das Klinikum zudem, Krankenschwestern aus der Ukraine, Moldawien und Mazedonien für eine Anstellung in Brandenburg an der Havel zu gewinnen und für das eigene Haus zu qualifizieren.

Einige Frauen haben, wie Lidia Rusu, ihr Schnupperpraktikum schon bewältigt.

Pflegedienstleiter Lutz Pelchen fliegt in einige Tagen auf die Philippinen, um dort Bewerbungsgespräche zu führen (MAZ berichtete).

Denn das Klinikum beteiligt sich an dem Projekt „Triple Win“ (dreifacher Gewinn), mit dem die Bundesagentur für Arbeit qualifizierte Pflegefachkräfte aus verschiedenen Ländern gewinnt. Auf den Philippinen gibt es den Angaben zufolge mehr Pflegearbeitskräfte als Stellen in Krankenhäusern.

„Das liegt an unserer tollen Deutschlehrerin“, versichert die sympathische Frau aus Osteuropa. Mit ihrem Mann, ihrem Sohn und weiteren ausländischen Schülern drückt sie neben der Arbeit auf der Intensivstation noch regelmäßig die Schulbank im Klinikum und verbessert ihr Deutsch.

Über ihre Kolleginnen und die Brandenburger insgesamt spricht Lidia Rusu nur gut. „Die Leute hier sind sehr nett.“ Das Klinikum machte der Familie den Einstieg in der Stadt zusätzlich leicht.

Probezeit

In der Probezeit im Sommer bezahlte das Krankenhaus das Appartement der Schwester, die durch ein Inserat auf die Arbeitsmöglichkeit in Brandenburg aufmerksam geworden war. Inzwischen hat das Klinikum der Familie zu einer schönen Drei-Raum-Wohnung verholfen.

Über ihr Moldawien spricht die Familie keineswegs schlecht, auch wenn die Bedingungen dort in der Krankenpflege weniger gut sich sind als in der neuen Heimat. „Unsere Ärzte sind auch gut“, versichert Lidia Rusu. In Brandenburg lernt sie aber moderne Technik im Stationsbetrieb kennen, die sie vorher nicht kannte. „Das war auch ein Grund dafür, dass ich herkommen wollte.“

Mit ihren Eltern und Freunden in der Stadt Belzy, der zweitgrößten Stadt des Landes, hält das Ehepaar regelmäßig Kontakt – auch über Skype, was die große Distanz von 2000 Kilometer oder 30 Autostunden besser erträglich macht.

Gratulation

Vorwürfe, weil sie nach Deutschland ausgewandert ist, hat die Familie Rusu daheim nicht zu hören bekommen. Die Eltern haben Verständnis für den Schritt und „unsere Freunde daheim haben uns gratuliert“, wie Schwester Lidia berichtet, die privat gern strickt, häkelt, kocht und liest.

Nun will Sohn Gheorghe noch eine geeignete Arbeit finden. Bisher spricht er noch wenig deutsch, ist aber fleißig. Er hat zwar den Abschluss seiner Universität in Architektur und zudem die Schule für Malerei in Moldawien absolviert. Aber die Dokumente müssen noch ins Deutsche übertragen werden.

Weihnachten hat die Familie übrigens noch vor sich. Denn die orthodoxen Christen feiern das fest erst am 7. Januar.

Von Jürgen Lauterbach

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