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Brandenburg/Havel Monika Grütters fordert Weltoffenheit und Heimatverbundenheit
Lokales Brandenburg/Havel Monika Grütters fordert Weltoffenheit und Heimatverbundenheit
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18:57 23.06.2019
Michael Oeff, Rotary-Distrikt‐Governor 1940 für 2018/2019, empfängt Festrednerin Monika Grütters, Staatsministerin für Kultur und Medien, im Paulikloster. Quelle: Rüdiger Böhme
Brandenburg/H

Populistische Parteien in Europa verzeichnen Stimmengewinne, Demokratieverächter bekommen Rückenwind. Nicht nur in Italien und Frankreich, sondern auch in Deutschland. Der Konsens über Europa sei brüchig geworden. Und auch um die Meinungs- und Pressefreiheit sorgt sich Monika Grütters (CDU).

In der Distriktkonferenz der Rotarier am Sonnabend im Paulikloster Brandenburg/Havel spricht die Staatsministerin für Kultur und Medien als Festrednerin vor knapp 200 Anwesenden zu dem Thema „Weil Zukunft Herkunft braucht: Kulturpolitik für ein Europa der Zukunft“.

Der prominente Buchautor und Rotarier Thilo Sarrazin (links) im kurzen Gespräch mit Brandenburgs Oberbürgermeister Steffen Scheller (CDU) und dem Brandenburger Rotarier Friedrich Perker. Quelle: Rüdiger Böhme

Prominentester Gast ist neben Grütters der umstrittene Buchautor, Sozialdemokrat und ehemalige Berliner Finanzsenator Thilo Sarrazin, der dem Rotarierklub Berlin-Tiergarten und somit dem Distrikt 1940 angehört.

Die Ministerin, zugleich CDU-Bundestagsabgeordnete, verbindet in ihrem Beitrag ein konservatives Bekenntnis zu Vielfalt mit der Warnung davor, Herkunft und Heimat auszuklammern, so wie es das „urbane Milieu“ nach ihrer Auffassung tut. Grütters: „Weltoffenheit und Heimatverbundenheit gehören zusammen.“

Chor von Europa-Enthusiasten

Der Schwarzmalerei in Europa mag sich die Kulturstaatsministerin nicht anschließen. Auch wenn Nationalismus wieder Anklang finde bei Menschen, die sich Schutz durch Abschottung versprechen. Grütters stimmt lieber ein in den „Chor von Europa-Enthusiasten“ und formuliert ihre Haltung für die Rotarier der Distriktkonferenz naturnah.

Europa ist in den Wurzeln stark, auch wenn Blüten und Blätter welk anmuten“, sagt sie. Europa stehe für zivilisatorische Errungenschaften, zu denen auch die baulichen Zeugnisse vergangener Jahrhunderte gehören.

Staatsministerin Monika Grütters hat an diesem Sonnabend als Festrednerin der Rotarier in Brandenburg/Havel über Kulturpolitik für Europa gesprochen. Sie nimmt dabei das „urbane Milieu“ aufs Korn.

Nachdem die Kulturpolitikerin davon schwärmt, wie Europa das Verbindende über das Trennende stelle und Einheit in Vielfalt verkörpert, bremst sie die eigene Begeisterung ein wenig. Sie spricht von kulturellen Konflikten, äußert gewisses Verständnis für Bürger, welche die „Angst vor Verlust und der eigenen Tradition“ umtreibt.

Noch einmal kehrt Monika Grütters in die Natur zurück. Sie fordert, den kulturnationalen Ansatz zu überwinden, der in seiner „lebensweltlichen Blindheit“ einen Teil des Wurzelwerks kappen will, das „ein starkes Europa trägt und nährt“.

Die Christdemokratin sieht weiter Streit und Konflikte auf Europa zukommen und politische Gipfel im wahren Sinne des Wortes. Wie der Weg zu einem Gipfel seien solche politischen Treffen in Europa steil und steinig“, sagt die Frau, die sich als „europäische Patriotin“ bezeichnet.

Drei Tage Distriktkonferenz

Gastgeber der Kulturpolitikerin war am Wochenende der Rotary Club Brandenburg/Havel mit Distrikt-Governor Michael Oeff und Präsident Knut Strefling. Drei Tage lang sind gut 160 Rotarier aus dem Großraum Berlin zu Gast.

Verbunden sind die hiesigen Rotarier mit Polen, speziell Partnern aus Stettin. Aus Danzig überbrachte Piotr Wygnanczuk als Repräsentant das Grußwort des Rotary internationalen Präsidenten Barry Rasin.

Frauen in Politik und Kultur

Monika Grütters (57) findet den Politik-Betrieb für Frauen „unbarmherziger“ als für Männer. „Es gibt in einem politischen, aber auch normal beruflichen Werdegang aus meiner persönlichen Erfahrung immer wieder Momente, in denen einem schlagartig klar wird, „das wäre mir als Mann wahrscheinlich nicht so passier“, sagte die CDU-Politikerin der Deutschen Presse-Agentur in Rom. Die MAZ fragte in Brandenburg/Havel nach.

Zu Frauen in der Politik: „Selbst Parteien, bei denen eine 50-Prozent-Frauenquote bei Mandanten gilt, gehen zuweilen wenig pfleglich mit Frauen in exponierten Positionen um. Ich glaube, dass Frauen es schwerer haben, dieses Behandelt-Werden auf offener Bühne immer im Gesicht der Öffentlichkeit richtig zu kontern. Da braucht man ein dickes Fell, aber Frauen zeichnen sich ja manchmal dadurch aus, dass sie manchmal etwas sensibler sind, ich will das nicht dünnhäutig nennen. Manche Reaktion ist da auch schwierig, weil da Emotionen ins Spiel kommen.

Zu Tränen bei den Grünen: Andrea Fischer (ehemalige Bundesgesundheitsministerin der Grünen) ist einmal von ihrem damaligen Parteichef Joschka Fischer auf offener Bühne so schlecht behandelt worden, dass sie in Tränen ausbrach. Ich habe viel Verständnis für eine solche Regung.“

Zu Tränen bei der SPD: „Ähnlich ist es Andrea Nahles jetzt gegangen. Selbst wenn manche Entwicklungen auch von der Person selbst angestoßen wurde, spricht man bei Frauen anders darüber als bei Männern. Das hat man gesehen, als Gerhard Schröder auf der Bühne die Tränen gekommen sind, als er seinen Bundesvorsitz abgab. Sie wissen, wovon wir reden. Frauen werden einfach anders beobachtet.“

Zum Kulturbetrieb: „Auch im Kulturbetrieb gibt es ungnädige Situationen, weil der naturgemäß sehr emotional reagiert und deshalb sind auch dort Ausschläge in die eine oder andere Richtung zu beobachten. Gleichwohl ist der Kulturbetrieb im politischen Milieu sehr stark von überparteilichem Konsens getragen. Da wird sehr häufig über Partei- und Fraktionsgrenzen hinweg eine gemeinsame Sprache gesucht. In der Regel sind das ja auch intellektuelle Personen, unter denen einfach kultivierter miteinander umgegangen wird.“

Zu ihren Lieblingskulturpolitikern anderer Parteien: „Ich kann sehr gut eine gemeinsame Sprache mit Claudia Roth von den Grünen finden. Wir haben einen ähnlichen Blick auf die bunte vielfältige Kulturwelt. Wolfgang Thierse ist für mich ein wichtiger Gesprächspartner bei der Erinnerungskultur.“

Von Jürgen Lauterbach

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