Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Brandenburg/Havel Mordversuch auf der Scholle: Staatsanwalt fordert lebenslange Haft
Lokales Brandenburg/Havel Mordversuch auf der Scholle: Staatsanwalt fordert lebenslange Haft
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
Jetzt kostenlos Testen Zur Anmeldung
14:34 03.02.2020
Marco F. hat um Vergebung gebeten für den versuchten Mord an seiner früheren Partnerin. Sein Verteidiger Matthias Schöneburg (rechts) versucht, eine lebenslange Haftstrafe für seinen Mandanten zu verhindern. Quelle: Bernd Gartenschläger
Anzeige
Brandenburg/H

Am Ende eines aufwühlenden Prozesses vor dem Schwurgericht Potsdam wurde es an diesem Montag noch einmal sehr emotional. Unter Tränen ergriff der Angeklagte ein letztes Mal das Wort.

Wenige Meter entfernt im Zuschauerraum sitzt seine frühere langjährige Lebenspartnerin – die Frau, auf die er am 10. April 2019 in Brandenburg/Havel immer wieder eingestochen hat, die er mit tiefen Schnitten an Hals und Händen in allerhöchste Lebensgefahr gebracht und am Ende so schwer verletzt hat, dass sie bleibende Schäden davon getragen hat.

Anzeige

„Die Tat bleibt nach der Beweisaufnahme unbegreiflich“, sagt der Vorsitzende Richter Theodor Horstkötter, ehe sich der angeklagte Marco F. (37) zu seinem Schlusswort erhebt.

„Schlimmer Horrorfilm“

Auch der 37 Jahre alte Facharbeiter und Vater zweier Kinder findet keine Erklärung für sein Verhalten in der Tatnacht im gemeinsamen Eigenheim auf der Eigenen Scholle und für die Brutalität, die laut Staatsanwalt mehr als eine halbe Stunde lang angedauert und seine damalige Partnerin an den Rand des Todes gebracht hat.

„Ich weiß nicht, wie ich den Menschen, die ich am meisten liebe, so etwas antun konnte“, sagt der Mann am Ende des neunten Prozesstages. „Ich kann mein Handeln in der Tatnacht nicht erklären“. Es fühle sich an wie „ein schlimmer Horrorfilm, in dem ich die Hauptrolle gespielt habe“.

Der Angeklagte bittet um Vergebung

Er sei unwahrscheinlich froh, dass sie überlebt hat. Doch tagtäglich denke er daran, wie viel Leid er über seine frühere Partnerin gebracht habe, über deren Familie, die beiden gemeinsamen Kinder und seine eigene Familie. Zweimal sagt Marco F.: „Ich bitte um Vergebung.“

Zuvor hatte Staatsanwalt Gerd Heininger die Höchststrafe für den angeklagten Brandenburger gefordert: lebenslang. Die Mordmerkmale Heimtücke und niederer Beweggrund sieht der Vertreter der Anklage in diesem Fall erfüllt.

Aus „tiefem Hass“ heraus zugestochen

Denn Marco F. habe seine arglos schlafende Partnerin in jener Aprilnacht heimtückisch mit drei Messern attackiert. Er habe aus „niederer Gesinnung gehandelt“, aus tiefem Hass heraus, weil sie sich von ihm trennen wollte. Heininger: „Er wollte sie bestrafen und hat die Tatausführung kühl überlegt.“

Menschlich sei das nicht nachvollziehbar, fügt der Staatsanwalt hinzu, der daran erinnert, wie die neunjährige Tochter, die zur Zeugin der Bluttat wurde, ihre beiden Eltern gemalt hat: die Mutter als Gänseblümchen, den Vater als Geier.

Heininger führt in seinem Plädoyer zwar Gründe an, die Marco F. beim Strafmaß helfen könnten: Nämlich dass er sozial integriert ist, bisher nicht vorbestraft und haftempfindlich. Außerdem, dass er sich selbst töten wollte und durch den Mordversuch seine Kinder verloren hat.

Staatsanwalt: Kein Grund für Strafmilderung

Doch für eine Strafmilderung, die bei versuchtem, aber nicht vollendetem Mord möglich ist, reichen dem Staatsanwalt diese Gesichtspunkte nicht aus. Er verzichtet lediglich darauf, die Feststellung der besonderen Schwere der Schuld zu fordern, die eine Haftentlassung nach 15 Jahren unmöglich machen würde.

Dem Strafantrag Heiningers schließt sich Ulrike Stasche an. Die Brandenburger Rechtsanwältin vertritt in dem Prozess die Interessen der Nebenklägerin, also des Opfers.

Nebenklägerin: Extreme Brutalität und Härte

In drastischen Worten schildert sie noch einmal die lebensbedrohlichen Verletzungen, die der Täter ihrer Mandantin „mit extremer Brutalität und Härte“ beigebracht habe. Die Folgen der Tat und der Verletzungen fasst Rechtsanwältin Stasche so zusammen: „Ihr Leben ist zerstört worden.“

Verteidiger Matthias Schöneburg setzt in seinem Plädoyer alles daran, die Ex-Partnerin seines Mandanten nach all den Torturen nicht noch weiter zu verletzen. Er versichert, Marco F. habe wirklich glaubhaft keine Erinnerung an seine Handlung in der Tatnacht. Gleichwohl streite er keinen der Vorwürfe ab.

Verteidiger plädiert auf Strafe bis 15 Jahre

Der Verteidiger fordert kein konkretes Strafmaß, hält aber jede Zeitstrafe bis zu 15 Jahren für angemessen.

Schöneburg weist auf ein rechtskräftig gewordenes Urteil des Landgerichts Stuttgart hin, in dem ein Mann seine Ehefrau mit vergleichbarer Brutalität und ähnlichen Folgen beinahe umgebracht hätte. Dieser Mann sei zu 14 Jahren Haft verurteilt worden.

Marco F. bittet die Potsdamer Schwurgerichtskammer am Ende um ein „gerechtes“ Urteil. Die Richter verkünden ihre Entscheidung am kommenden Montag.

Lesen Sie dazu auch:

Mehr als 50 Messerstiche: Marco F. war bei Mordversuch bei klarem Verstand

Mordprozess: Opfer schildert Überlebenskampf im Schlafzimmer

Wie ein Mädchen (9) den Mord an seiner Mutter verhindert

Marco F. bedauert seinen Mordversuch: „Dass ich meinen Kindern so etwas angetan habe“

Angeklagter im Mordprozess: Ich war sprachlos und traurig

Mordversuch: Frau nach Zehn-Stunden-OP außer Lebensgefahr

Wie Ersthelfer den Mordversuch in Brandenburg/Havel erlebten und verkraften

Von Jürgen Lauterbach

Das ehemalige Opelgelände an der Spittastraße in Brandenburg an der Havel ist komplett vermarktet. Die letzten drei der 29 Hektar hat sich Romy Lange gesichert. Die Logistik-Fachfrau dirigiert eine ganze Flotte von 40-Tonnern.

03.02.2020

Raus aus dem Keller: Für das neue Kauf- und Bürogebäude (ehemals Flakowskihaus) sind jetzt die ersten Obergeschoss-Ständer gestellt worden. Platz für eine beliebte Kaufhaus-Kette.

03.02.2020

Gewalt ist im Gesundheits- und Sozialwesen an der Tagesordnung. Um Arbeitnehmer, aber auch die Klienten zu schützen, baut Fliedners auf Bildung. Die Mitarbeiter erhalten Deeskalationstrainings.

03.02.2020