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Brandenburg/Havel Müllwerker müssen lange fummeln
Lokales Brandenburg/Havel Müllwerker müssen lange fummeln
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12:35 11.12.2016
In den Großwohnanlagen brauchen die Müllwerker viel Zeit, um an die Abfallbehälter zu kommen. Dafür sollen Vermieter jetzt Vollservice-Gebühr bezahlen.
In den Großwohnanlagen brauchen die Müllwerker viel Zeit, um an die Abfallbehälter zu kommen. Dafür sollen Vermieter jetzt Vollservice-Gebühr bezahlen. Quelle: APM
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Die Müllmänner zwischen Wusterwitz und Kleinmachnow vertrödeln zu viel Zeit. Und zwar in den Großwohnanlagen, wo die Abfallbehälter für Mieter hinter verschlossenen Türen stehen. „Unsere Leute rennen mit riesigen Schlüsselbunden herum, um an die Behälter zu kommen. Die ganze Prozedur bedeutet einen erheblichen Aufwand“, berichtet Thomas Wendenburg der MAZ. Der Geschäftsführer des kreiseigenen Abfallwirtschaftsbetriebes APM geht davon aus, dass pro Tour eine halbe Stunde Arbeitszeit nur für das Auf- und Abschließen von Gittertüren benötigt wird. Außerdem müssen Müllwerker die Behälter für die Leerung von den Standplätzen holen und zurückbringen.

Mehrkosten werden ausgeglichen

Die Abfallgebühren wurden zuletzt für zwei Jahre in Anlehnung an den Doppelhaushalt 2015/16 kalkuliert und per Abfallgebührensatzung beschlossen. Wegen der schwer abschätzbaren Entwicklung auf dem Papiermarkt, bei privaten Entsorgungsanlagen, Kraftstoffen, Energie und Personal beträgt die Kalkulationsperiode ab 2017 wieder ein Jahr.

Die gesamten über die Basis- und Entleerungsgebühren sowie über die Gebühren für Sonderleistungen zu verteilenden Kosten belaufen sich 2017 auf rund 15,8 Millionen Euro. Das entspricht einer Kostensteigerung um 12 Prozent. Diese können mit Gebührenüberdeckungen der Jahre 2013 und 2014 abgefangen werden.

In den Wintermonaten können Abfälle in den Behältern festfrieren. Dies kann dazu führen, dass die Tonnen beim Kippvorgang am Müllfahrzeug nicht vollständig entleert werden. Auch in diesen Fällen ist die volle Entleerungsgebühr zu zahlen.

Für Vermieter wird es diesen sogenannten Vollservice in Zukunft nicht mehr gratis geben. Laut der vom Kreistag in dieser Woche beschlossenen Abfallgebührensatzung steht dafür ab 2017 die Einführung einer neuen Gebühr an, deren Höhe sich nach der Bauart der Behälter richtet. Bisher wurden die Mehrkosten für die Fummelei auf die Entleerungsgebühr für die Allgemeinheit umgelegt. „Große Vermieter werden mit der Satzungsänderung Privatleuten gleichgestellt, die für den Vollservice bereits einen zusätzlichen Obolus bezahlen“, so Wendenburg. Beim Vollservice beträgt die Gebühr für Zwei-Rad-Behälter aller Größen 4,04 Euro. Für Vier-Rad-Behälter mit 1100-Liter-Fassungsvermögen sind 7,97 Euro fällig. Dieses Geld ist zusätzlich zur Entleerungsgebühr fällig.

Die Leerung der Papiertonnen wird über die Basisgebühr finanziert. Quelle: Frank Bürstenbinder

Mit höheren Kosten müssen alle Anlieferer verschiedener Abfallarten auf den Wertstoffhöfen in Niemegk, Teltow und Werder ab dem neuen Jahr rechnen. Die Annahmegebühren erhöhen sich durchschnittlich um 13 Prozent. Verantwortlich dafür sind nach Angaben der APM GmbH steigende Annahmepreise bei den privaten Entsorgungsanlagen. Bestandteil der neuen Satzung ist auch die Abschaffung der 40-Liter-Restmülltonne, die sich als Einsatz in einem 120-Liter-Behälter befindet. Als neues Mindestmaß wurden 60 Liter festgelegt.

Der Austausch der Behälter erfolgt im Laufe des Jahres. „Alle betroffenen Haushalte werden rechtzeitig über den Zeitpunkt des Behältertauschs informiert“, teilte APM-Abfallberaterin Mona Belz auf Nachfrage mit. Die 40-Liter-Tonne war insbesondere bei kleinen Haushalten beliebt. In der Praxis sorgte der Behälter jedoch für Schwierigkeiten. Im befüllten Zustand war die Kombination mit der 120-Liter-Tonne zu kopflastig. Sie konnte schnell umkippen. Ebenso löste sich oft der 40-Liter-Einsatz aus der Verankerung der Tonnen, was wiederum aufwendige Reparaturen nach sich zog. Mehrkosten drohen mit dem Wechsel zur 60-Liter-Tonnen nicht, weil für Single-Haushalte künftig zwei Pflichtleerungen pro Halbjahr ausreichen.

Bei den Entleerungsgebühren gibt es im Vergleich zu 2016 keine nennenswerten Veränderungen. Die in privaten Haushalten am meisten gebräuchlichen 60- und 80-Liter-Tonnen schlagen unverändert mit 2,54 Euro beziehungsweise 3,38 Euro zu Buche. Die Basisgebühr, über die unter anderem die Abholung von Altpapier, Sperrmüll und Elektroschrott finanziert wird, beträgt im kommenden Jahr 29,40 pro Person in einem Haushalt. Das sind 1,12 Euro weniger als 2016. Die Gebühren für die Bio- und Grünabfallsammlung bleiben auf dem bisherigen Niveau bestehen. So sind je Grünabfallsack beziehungsweise Banderole 2,85 Euro fällig.

Von Frank Bürstenbinder

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