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Brandenburg/Havel Städtische Musikschule wird wesentlich teurer
Lokales Brandenburg/Havel Städtische Musikschule wird wesentlich teurer
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17:47 17.04.2018
Gitarrenlehrerin Angelika Eckelmann übt Gitarre mit Max Zimmermann in der städtischen Musikschule "Vicco von Bülow". Quelle: Annika Jensen
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Brandenburg/H

Musische Bildung wird immer mehr eine Frage des Geldbeutels: Ein sprunghaftes Erhöhen der Gebühren für die städtische MusikschuleVicco von Bülow“ sollen die Stadtverordneten am 25. April beschließen.

Und eigentlich hätte sie sogar noch viel höher ausfallen müssen, aber: „Es wurde festgestellt, dass die kalkulatorisch erforderliche Gebühr vermutlich nicht auf Marktakzeptanz stoßen würde, so dass eine lineare Gebührenanhebung von ca. 15 Prozent für Teilnehmer ohne eigenes Einkommen vorgeschlagen wird und für Teilnehmer von durchschnittlich 25,7 Prozent“, sagt Kulturmanager Tim Freudenberg.

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Teuerste Musikschule weit und breit

Er hatte zuvor einen Gebühren-Vergleich mit anderen Musikschulen vorgenommen – die in Brandenburg an der Havel ist in vielen Fällen die teuerste oder zweitteuerste: der 45-minütige Einzelunterricht für Erwachsene an einem Instrument einmal pro Woche kostet bislang 914 Euro Jahresgebühr und soll ab 1. August 1200 Euro kosten.

Zum Vergleich: Im Havelland werden 744 Euro berechnet, in Potsdam-Mittelmark 910,80 Euro, in Potsdam 921,60 und in Frankfurt (Oder) 768 Euro. Nur am Cottbusser Konservatorium werden glatte 1500 Euro verlangt.

Musikschule von Vicco von Bülow in Brandenburg an der Havel. Alyssa Fritsche (11) und Claudia Wartenberg. Alyssa spielt seit fünf Jahren Klavier.  Quelle: Jacqueline Steiner

Beim Zweiergruppen-Unterricht für 45 Minuten die Woche sind derzeit 425 Euro zu entrichten, laut Kalkulation müssten nun 555 Euro verlangt werden, vorgeschlagen wird aber eine Jahresgebühr von 490 Euro. Das liegt im Vergleich mit den anderen öffentlichen Musikschulen immer noch deutlich in der „Spitzengruppe“.

Das Erhöhen der Gebühren zieht sich durch alle Ausbildungsgebiete: Selbst bei der Musikalischen Früherziehung für Vierjährige steigt der Jahresbeitrag von 95 auf 110 Euro, Ensemblemitglieder müssen fürderhin 120 statt 98,50 Euro zahlen. Dennoch werden auch mit dem deutlichen Anheben der Gebühren nicht die von der Kämmerei vorgegebenen Ziele erreicht.

„Der Kostendeckungsgrad der Gesamtkosten durch Teilnehmerbeiträge steigt 21,14 Prozent im Jahr 2017 auf prognostiziert 23,13 Prozent im Jahr 2019“, resümiert Freudenberg. „Es besteht somit für die Folgejahre weiter Anpassungsbedarf, um die Vorgaben aus dem beschlossenen Haushaltssicherungskonzept zur Deckung von einem Drittel der Gesamtkosten durch Teilnehmerentgelte zu erreichen.“ Im Klartext: Spätestens in zwei Jahren wird wiederum kräftig an der Gebührenschraube gedreht.

Kopiergebühr wird auf alle umgelegt

Zum Stichtag 31. Dezember 2017 gab es 846 Teilnehmer, davon sind 89 Menschen, die eine Mehrfachermäßigung in Anspruch nehmen und 64 mit Sozialermäßigung.

Entfallen wird die gesondert erhobene Gebühr für das Kopieren von Musikliteratur, der Musikschulverband zahlt an die entsprechende Verwertungsgesellschaft künftig eine Pauschale, die auf die Mitglieds-Musikschulen umgelegt wird. Die wiederum verteilt diese Kosten auf die Jahresgebühren aller Teilnehmer.

Gestrafft, also ausgedünnt, werden soll auch das Unterrichtsangebot an der Musikschule – entsprechend der Nachfrage. Konkrete Streichungen gibt es noch nicht.

Von André Wirsing