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Brandenburg/Havel Nervtötende Handarbeit auf der Brandenburger Hauptstraße
Lokales Brandenburg/Havel Nervtötende Handarbeit auf der Brandenburger Hauptstraße
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12:32 27.04.2018
Für die neue Pflasterung in der Hauptstraße muss erst der Schotter zwischen den Schwellen per Handarbeit heraus genommen werden. Quelle: Rüdiger Böhme
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Brandenburg/H

Noch bis 1. Juni dieses Jahres sollen die Bauarbeiten in der Hauptstraße andauern. Das ist der planmäßige Termin, der vom städtischen Straßenbauexperten Peter Reck noch einmal bestätigt worden ist.

Die Hauptstraße wird im Abschnitt zwischen Packhofstraße und Wollenweberstraße fahrradfreundlich umgebaut. 240 000 Euro kostet die Maßnahme. Auf einer Länge von 114 Metern und einer Fläche von mehr als 600 Quadratmetern wird das Pflaster vor der Jahrtausendbrücke ausgewechselt und durch geschnittenes Pflaster ersetzt.

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Komplett neuer Schichtenaufbau

Die Pflasterfläche ist im Bereich der unteren Hauptstraße uneben und durch Lageverschiebungen der Pflastersteine gekennzeichnet, zudem bestehen große Fugen, die die Befahrbarkeit für Fahrradfahrer, Kinderwagen oder Rollstühle erschweren. Deshalb wird das Pflaster nebst Unterkonstruktion aufgenommen und mit neuem Schichtenaufbau verlegt.

Doch nur wenige Tage nach Baubeginn – der war am 3.April – macht sich vor allem bei den Händlern schon Ärger breit. Für die meisten entsteht der Eindruck, dass kaum an der Baustelle gearbeitet wird, so sind meist gerade einmal zwei Bauarbeiter zu sehen. Es setzt sich bei den Händlern der Hauptstraße die bange Vermutung fest, das der Termin nicht gehalten werden kann. Doch Peter Reck versucht zu beruhigen: „Diese Arbeiten im Moment sind einfach nur in Handarbeit zu erledigen, den Schotter kann man nicht maschinell herausnehmen. Meist sind es auch mehr Bauarbeiter, aber zu viele würden sich auch ins Gehege kommen bei dieser Arbeit.“ Auch ein Arbeiten an mehreren Stellen ist nicht möglich, da hierfür Fahrzeuge in die Baustelle fahren müssen und das alles noch schwieriger machen würde. Dennoch blickt er zuversichtlich auf den Fertigstellungstermin. „Richtig schwer wird es erst, wenn die Pflasterarbeiten beginnen, da die Pflasterer sich an die Vorgaben durch die Gleise halte müssen, das wird schwierig,“ so Reck.

Einbußen bis zu 70 Prozent

Bis Anfang Juni müssen die Händler also noch durchhalten, und das dürfte den meisten sehr schwer fallen. Hans-Peter Zahn rechnet in seinem Blumengeschäft mit Einbußen von bis zu 70 Prozent. „Und im Dürerhaus passiert so gut wie gar nichts mehr, da dort fast ausschließlich Touristen die Kundschaft bilden,“ so Zahn. Er gehört mit seinen beiden Geschäften zu denen die nahezu nur von Laufkundschaft leben. Bei der gegenwärtigen Situation ein fast aussichtsloses Unterfangen, denn auch wenn die beiden Fußwege frei begehbar sind, ist das Flanieren nicht möglich. Kunden müssen die Baustelle komplett umgehen, um von einem Geschäft auf der einen Seite zum Geschäft gegenüber gelangen zu können.

Etwas pragmatischer sieht Britta Damaske die Situation: „Ich biete meinen Kunden in der Parfümerie zehn Prozent Rabatt an, um sie zu bewegen die Baustelle in Kauf zu nehmen.“ Ihr Vorteil ist, dass sie auch Stammkunden hat. Allerdings gilt auch bei ihr, dass Kunden gezielt kommen wollen und den beschwerlichen Weg nehmen. Die Zahl der Laufkunden geht gegen Null.

Alle Geschäfte betroffen

Die Einbrüche im Umsatz betreffen aber nicht nur die mittelbar im Baustellenbereich befindlichen Geschäfte. Eines der größten Mankos ist vermutlich der Wegfall der Straßenbahn für die Dauer der Arbeiten. So auch in der Raths-Apotheke. „Dass die Tram nicht mehr durch die Hauptstraße fährt nimmt uns die Mehrzahl der Kunden weg,“ so Berit Günther von der Raths-Apotheke. Gerade ältere Leute gehören zu ihrer Kundschaft und nutzen den Vorteil, dass direkt vor dem Geschäft die Haltestelle ist. „Das fehlt jetzt, aber wenigstens sind wir noch relativ einfach erreichbar, im Gegensatz zu den Geschäften direkt an der Baustelle,“ so Günther.

„Wir wollen auch nicht nachts arbeiten, um die Anwohner nicht über Gebühr zu strapazieren,“ sagt Reck. Spätestens zum Havelfest muss die Straße nutzbar sein.

Von Rüdiger Böhme